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FRANKFURT - Ein ganztägiger Warnstreik an großen deutschen Flughäfen wird an diesem Dienstag (15.1.) die Reisepläne von Zehntausenden Passagieren durchkreuzen.

14.01.2019 - 16:36:38

Warnstreiks an Flughäfen treffen Zehntausende Passagiere. Sowohl am größten deutschen Flughafen Frankfurt/Main als auch an sieben weiteren Airports will das Sicherheitspersonal - jeweils in unterschiedlichen Zeiträumen - die Arbeit niederlegen. Ziel der Gewerkschaft ist, mit dem bislang umfassendsten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

für Dienstag 570 der geplanten 1200 An- und Abflüge gestrichen.

Die Lufthansa sieht sich gezwungen 400 ihrer 640 Verbindungen in Frankfurt abzusagen, außerdem streicht Deutschlands größte Fluggesellschaft in München 100 von dort 630 geplanten Flügen.

Beginnen will Verdi den Warnstreiktag um Mitternacht an den Flughäfen Hamburg, Hannover und Bremen. Dort soll das Sicherheitspersonal den ganzen Tag nicht arbeiten. In der Zeit von 2.00 Uhr bis 20.00 Uhr sind am Dienstag dann am Frankfurter Flughafen die etwa 5000 Mitarbeiter, die dort für die Kontrolle von Passagieren und Fracht zuständig sind, zum Warnstreik aufgerufen. Es folgen die Flughäfen in Dresden (3.00-21.00 Uhr), München (3.30-24.00 Uhr), Leipzig/Halle (4.00-18.00 Uhr) und Erfurt (6.00-22.00 Uhr). In München ist die Passagierkontrolle nicht betroffen, sondern nur die Personal- und Warenkontrolle.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hatte Fluggäste frühzeitig aufgerufen, möglichst umzuplanen. Bei regulärem Flugbetrieb wären an diesem Dienstag etwa 135 000 Passagiere am größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz erwartet worden. Auch eine besonders frühe Anreise würde nichts bringen: Die Passagierkontrollen in Frankfurt sind in der Regel erst etwa zwei Stunden vor dem um 5.00 Uhr morgens endenden Nachtflugverbot geöffnet.

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, kritisierte am Montag, der "Angriff auf das deutsche Luftfahrt-Drehkreuz Nummer eins und andere Flughäfen" sei kein Warnstreik: "Verdi schränkt mit voller Absicht die Mobilität Zehntausender nationaler wie internationaler Fluggäste und des Güterverkehrs ein und verursacht somit einen massiven Schaden für unsere Volkswirtschaft. Das ist vollkommen unverhältnismäßig."

Verdi und die Gewerkschaft DBB, die für Frankfurt ebenfalls zum Warnstreik aufgerufen hat, fordern in der laufenden Tarifrunde eine einheitliche Bezahlung für die Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) sind von den bundesweit 23 000 Beschäftigten der Branche etwa 19 000 von den laufenden Tarifverhandlungen betroffen.

Verdi verlangt für die Mitarbeiter brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. Die behördlich geprüften Beschäftigten verdienen nach BDLS-Angaben in einer Spanne von 13,93 (Vorfeldkontrolle und Flugzeugbewachung in Bayern) bis 17,16 Euro (Passagierkontrolleure in Baden-Württemberg).

Verdi pocht auf deutliche Lohnerhöhungen auch in Ostdeutschland. "Die Sicherheit im Osten ist nicht weniger wert, und die Beschäftigten sind nicht weniger wert", sagte Ute Kittel, Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft, am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Eine falsche Postleitzahl in der Geburtsurkunde rechtfertige nicht, dass Beschäftigte sechs Euro weniger verdienten.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es Warnstreiks des Flugsicherheitspersonals gegeben - zunächst am Montag an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, am Donnerstag dann in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart.

"Es wäre den Arbeitgebern möglich gewesen, auf die Warnsignale zu reagieren", erklärte Kittel in einer Verdi-Mitteilung. "Dadurch, dass sie - völlig unverständlich - keine Bereitschaft gezeigt haben, ein verbessertes Angebot vorzulegen, ist eine Ausdehnung der Warnstreiks notwendig geworden."

Nach Verdi-Angaben hat der BDLS bei der jüngsten Verhandlungsrunde am 20./21. Dezember 2018 sein Angebot für eine Entgelterhöhung von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent pro Jahr bei einer zweijährigen Vertragslaufzeit erhöht. Die Lohnangleichung für ostdeutsche Bundesländer soll demnach erst nach fünf Jahren beendet sein.

Dem widersprach die Arbeitgeberseite: Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Die Arbeitgeberseite habe zudem mehrfach deutlich gemacht, dass in der nächsten Verhandlungsrunde ein neues Angebot vorgelegt werde, bekräftigte der BDLS am Montag. Die Gewerkschaft sei jedoch zu keinem früheren Treffen bereit gewesen, erklärte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser.

Am 23. Januar wollen sich Verdi und Arbeitgeber in Berlin zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt wieder an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar 2019 ebenfalls in Berlin vereinbart.

@ dpa.de

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