Kolummne, Deutschland

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Vor dem Hintergrund der Diskussionen über schärfere Handelsbeschränkungen rückt Gold stärker in den Investmentfokus.

04.04.2018 - 15:25:24

Börse Frankfurt-News: Gold gewinnt Nachfrage. Höhere Rohölpreise nutzen Anleger zum Einstreichen von Gewinnen.

4. April 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nimmt man den Bloomberg Commodity Index zum Maßstab, waren die vergangenen Wochen für Investoren eher durchwachsen. Das mit 20 verschiedenen Rohstoffen weit gefasste Barometer verliert bei einem Stand von 86,99 Punkten im Vergleich zu Anfang März leicht an Gewicht. Diese Entwicklung spiegelt sich bei der UniCredit im Handel mit Exchange Traded Commodities wider. "Anleger trennten sich tendenziell von Produkten, die sich an breit aufgestellten Rohstoff-Indizes orientieren", beschreibt Oliver Kilian von der UniCredit.

Rohstoffe sind nach Einschätzung der Helaba generell beträchtlichen Einflüssen aus dem makroökonomischen Umfeld und dem wenig kalkulierbaren politischen Management der Vereinigten Staaten ausgesetzt. So droht nach Finanz-, Schulden-, Flüchtlings- und Gesellschaftskrise auch noch eine Handelskrise, wie Heinrich Peters anmerkt. Dadurch bleibt der gesamte Sektor nach Ansicht des Rohstoff-Analysten relativ schwankungsanfällig.

Gold stimmt optimistisch

Den Goldpreis sieht Heinrich auf einem aufsteigenden Ast. Unter anderem ausgelöst durch Handelskrisen, wachsende Spannungen in der Nahostpolitik und labile Aktienmärkte werde das gelbe Edelmetall als sichere Anlage wieder stärker zum Tragen kommen. "Die zuletzt noch vorherrschende Spanne zwischen 1.300 und 1.350 US-Dollar pro Feinunze Gold dürfte somit bald nach oben verlassen werden, zumal die aktuelle Phase des US-Zinszyklus vom gelben Metall recht gut verkraftet wird", prognostiziert der Analyst. Die Realrendite zehnjähriger US Treasuries werde sich voraussichtlich weiterhin nahe an der Nulllinie bewegen und sei damit für Gold eher unschädlich.

Anleger scheinen das ähnlich zu sehen. Zu den meist gehandelten und in Summe gekauften Werten zählt die UniCredit Xetra-Gold (WKN A0S9GB) und ETFS Physical Gold (WKN A0N62G).

Steigende Nachfrage nach Goldprodukten macht auch Andreas Bartels von der Commerzbank aus. Der Source Physical Gold ETC (WKN A1AA5X) lande ebenso häufig in den Depots wie eine Variante mit Währungsabsicherung (WKN A1EK0G).

Öl-Gewinnmitnahmen an der Tagesordnung

Rohöl steht auf Monatssicht auf der Gewinnerseite. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte von 64,67 auf 67,92 US-Dollar zu. Das entspricht einem Plus von 5 Prozent. Für viele Anleger war dies scheinbar Anlass genug, ihre Gewinne mit zu nehmen. Sowohl Kilian als auch Bartels melden Verkaufstendenzen. Investoren trennten sich beispielsweise von ihren Rohöl- (WKN A0KRJX) und Brent-Positionen (WKN A0KRKM), wie die UniCredit registriert. Zugleich verabschiedeten sich Commerzbank-Kunden verstärkt von ihren ETFS Natural Gas-Produkte. (WKN A0KRJ3).

In der Woche vor Ostern hatte ETF Securities bereits von Abflüssen aus Rohöl-ETPs (WKN A1N49P) in Höhe von 90,4 Millionen US-Dollar berichtet und einen Zusammenhang zum unerwartet hohen Rückgang der Lagerbestände hergestellt. Zugleich hätten Short-Rohöl-ETCs mit 5,2 Millionen US-Dollar die höchsten Zuflüsse seit Ende vergangenen Jahres gesehen.

Keine großen Sprünge nach oben

Auf kurze Sicht vermutet Heinrich den Preis für Brent weiterhin in einer Spanne zwischen 60 und 70 US-Dollar. Einer höheren Rohölproduktion in den USA stünden Lieferausfälle seitens Venezuela gegenüber. Zudem wüchsen die Spannungen im Nahen Osten. Ein sanktionsbedingter Rückgang der Rohölexporte aus dem Iran und der Kapazitätsausfall in Venezuela könne das Angebot um rund zwei Millionen Barrel verkürzen. Auch wenn das Produktionswachstum im Nicht-OPEC-Bereich die Ausfälle aller Voraussicht nach nicht ganz ausgleichen könne, spreche die anstehende Sommersaison gegen kurzfristig spürbar teureres Öl. Das würde bei US-Verbrauchern gar nicht gut ankommen.

Fallende Metallpreise lockt Schnäppchenjäger

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt die Nachfrage nach Industriemetallen. "Mit Ausnahme von Nickel wirkt die Markttechnik bei Basismetallen inzwischen labil", beobachtet Heinrich. Die Preise von Aluminium und Blei hätten bereits die 200-Tage-Linien unterschritten. Kupfer und Zink kratzten an der viel beachteten technischen Unterstützung. Im Übrigen seien viele Metalle mit den jüngsten Hochs bereits an hartnäckige langfristige Widerstandslinien gestoßen. Zum aktuellen Verlauf passten, dass die ifo-Geschäftserwartungen sowie die Exportindikatoren Südkoreas - bekannt als besonders sensitive Frühindikatoren der Weltkonjunktur - nach unten gedreht hätten.

So mancher mutige Anleger nutze die günstigeren Kurse zum Einstieg. "Produkte wie der ETFS Industrial Metals (WKN A0KRKG) werden von unseren Kunden überwiegend gekauft", berichtet Kilian.

von: Iris Merker

4. April 2018, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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