Kolummne, Deutschland

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Omikron, Inflationssorgen und die FED-Zinswende sorgen für weiter volatile Märkte.

06.12.2021 - 13:12:28

Börse Frankfurt-News: Stabilisierung - aber nicht mehr. Die USA melden vermutlich die höchste Inflation seit 39 Jahren. Eine Jahresendrally scheint aber noch nicht abgeblasen.

6. Dezember 2021. Frankfurt (Börse Frankfurt). Die Aktienmärkte dürften in dieser Woche zwischen den Risiken durch die Omikron-Virusvariante einerseits sowie saisonalen und konjunkturellen Stützen und Zins-Debatten andererseits hin- und herpendeln. Am Freitag Abend hatte der chinesische Immobilien-Konzern Evergand zudem erneut vor Zahlungsausfällen gewarnt.

Vergangene Woche hatte zumindest der US-Arbeitsmarktbericht die Aussichten auf eine frühere Zinswende durch die FED wieder nach hinten verschoben: Die Daten hatten eine weitere Erholung des Arbeitsmarktes bestätigt, allerdings die Konsensschätzung beim Stellenaufbau verfehlt. "Vor diesem Hintergrund gibt es für die FED vermutlich keinen Grund, vom unlängst angekündigten Plan abzurücken, die Anleihekäufe schneller zu beenden als ursprünglich geplant", kommentierte Ulrich Wortberg von der Helaba.

Nach Bekanntgabe des Arbeitsmarktberichts sind die Börsen weltweit nach unten gesackt - der Dow Jones hatte zwar bis Handelsende seine Verluste eingegrenzt, US-Tech-Werte waren allerdings aus den Depots geflogen. Neben Aktien waren am Wochenende auch Krypto-Währungen massiv im Minus.

Auf der Suche nach Balance

"Die Aktienmärkte müssen ein neues Gleichgewicht finden." Omikron habe zwar die Volatilität sprunghaft ansteigen lassen, erklärt Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank. Erfahrungsgemäß würden sich die Märkte aber an solche neuen Faktoren rasch gewöhnen. "Und so rechnen wir in der kommenden Woche mit einer Stabilisierung. Für mehr dürfte es noch kaum reichen, da auch die fundamentalen Impulse dünn gesät sind."

Saisonale Unterstützung für Aktien plus Konjunktur und Liquidität

Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors verweist auf "die saisonale Unterstützung für Aktien", die das Jahresende häufig mit sich bringe. Zugleich könnten die Konjunktur und die nach Rendite suchende Liquidität die Aktienmärkte weiter stützen. Andererseits blieben die Pandemie und ein "überraschender Schwenk bei den zögerlichen Zentralbanken Risiken für risikoreichere Anlageformen".

Volatil weitergehen dürfte es auch nach Einschätzung der Helaba in der kommenden Handelswoche. "Die Aussichten für das kommende Jahr bleiben aber gut - insbesondere, wenn Lieferengpässe und das Pandemiegeschehen spätestens im Frühjahr abebben", kommentiert Claudia Windt von der Helaba. Kurzfristig sei jedoch sehr unsicher, inwieweit die neue Virus-Variante die Konjunktur beeinträchtige. Zudem werden aus den USA erneut rekordverdächtige Inflationszahlen für den November erwartet.

US-Verbraucherpreise wahrscheinlich so hoch wie seit 39 Jahren nicht

Am Freitag dürften die USA weiter gestiegene Verbraucherpreise für November melden. Die kräftige Nachfrage, höhere Energiepreise und die weit verbreiteten Lieferengpässe, führt Schickentanz aus, dürften die Inflation von 6,2 auf 6,8 Prozent und damit den höchsten Stand seit 39 Jahren steigen lassen. "Dieser Anstieg sollte aber durch rückläufige Ölpreise einen Höhepunkt markieren.

Auch das Makro-Team der DekaBank um Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater rechnet mit einem sehr kräftigen Anstieg vor allem durch die Energie- und Gebrauchtwagenpreise. Geldpolitisch bedeutsamer sei aber der Anstieg der Mieten und ob sich der Preisdruck in der Breite verstetigt. Schon in den beiden vorangegangenen Monaten hätten die Mieten stark angezogen. "Bislang gehen wir davon aus, dass diese Entwicklungen Nachwirkungen stärkerer Immobilienpreisanstiege unmittelbar vor der Corona-Krise gewesen sind. Danach folgte eine kurze Phase schwächerer Immobilienpreisanstiege, sodass es nun zeitverzögert auch bei der Mietpreisentwicklung eine kurze Phase der Entspannung geben dürfte."

Deutschland: Schwache Daten seitens Industrie und ZEW erwartet

Für Deutschland stehen schwache Daten aus der Industrie an: "Weitere Einschränkungen wegen Corona belasten die Konjunktur und können sogar zu einem Rückgang der deutschen Wirtschaft führen", fürchtet Schickentanz. Der Auftragseingang sollte leicht nachgelassen haben, die Produktion des produzierenden Gewerbes zum ersten Mal seit drei Monaten gestiegen sein. "Eine Kehrtwende zum Besseren markiert das aber noch nicht. Die Produktion dürfte sich bestenfalls in den kommenden Monaten stabilisieren und erst im Frühjahr deutlich erholen." Am Dienstag könnten Finanzmarkt-Analysten in der Dezember-Umfrage des ZEW ihre Konjunktur-Erwartungen wie auch ihre Einschätzungen der Lage merklich nach unten korrigieren.

Die Berichtssaison ist hingegen weitgehend beendet. In der kommenden Woche präsentieren noch Bertrandt (Q4), Broadcom (Q4) und Oracle (Q2) am Donnerstag ihr Zahlenwerk, Carl Zeiss Meditec (Q4) liefert am Freitag.

News kommen vor allem aus der Automobil-Branche: Am Donnerstag tagt der Aufsichtsrat von Volkswagen. Während Hans Dieter Pötsch als Vorstandschef der Porsche SE für weitere fünf Jahre bestätigt wurde, ist die Zukunft von Volkswagen CEO Herbert Diess weiter ungewiss. Darüber hinaus wird der Investitionsplan des Konzerns für die kommenden fünf Jahre verabschiedet.

Die Daimler Truck Holding AG wird - wie lange geplant - am Freitag nun von der Daimler AG abgespalten und eigenständig. Dazu wird die Aktie am Freitag zusätzlich zur Mercedes-Benz-Aktie, wie die Autosparte künftig heißen wird, für einen Tag im DAX und Euro STOXX 50 notiert sein. So wird die Daimler Truck Holding Aktie für diesen Tag zusätzlich in beiden Indizes notiert sein. Der DAX wird damit für 41 Titel berechnet, der Euro STOXX 50 mit 51.

Rückblick: DAX hält 15.000 Punkte - Verluste nach Arbeitsmarktbericht

Omikron hatte in der vergangenen Woche die Jahresendrallye weitgehend beendet und die Volatilität in die Höhe getrieben. Der DAX hatte allerdings die 15.000-Punkte-Marke verteidigt. Auch in New York und Tokyo waren die Kurse überwiegend gefallen. Die Anleger hatten vor allem auf die Arbeitsmarkt -und Konjunkturdaten am Freitag reagiert. Die Ölpreise waren ebenfalls stark im Minus.

Wichtige Konjunkturdaten und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 6. Dezember

8:00 Uhr. Deutschland: Auftragseingang der Industrie. Die Aufträge dürften im Oktober laut Konsens saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gesunken sein nach einem Plus von 1,3 Prozent.

Dienstag, 7. Dezember

8:00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Oktober. Nach 1,1 Prozent Rückgang im September ist ein Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vormonat Konsens für den Oktober.

11:00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen. Ein Rückgang von 31,7 auf 26,1 wird erwartet.

Donnerstag, 9. Dezember

14:30 Uhr. USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. 222.000 Anträge der Vorwoche dürften wenig verändert in der neuen Woche ausgewiesen werden.

Freitag, 10. Dezember

14:30 Uhr. USA: Verbraucherpreise. Im November dürften die Verbraucherpreise um weitere 0,7 Prozent auf ein Rekordhoch seit 39 Jahren gestiegen sein. Ohne die Energiepreise dürften die Preise ein 0,5 Prozent höheres Niveau erreicht haben.

11:00 Uhr. Eurozone: Einzelhandelsumsatz 09/21. Einem Plus von 0,3 Prozent im September sollte ein weiterer Anstieg folgen.

13:30 Uhr. USA: Arbeitsmarktbericht 10/21. Nach einem durchwachsenen Vormonat mit einem Beschäftigten-Zuwachs von 194.000 sollte der Oktober einen Zuwachs von 425.000 gebracht haben. Damit sänke die Arbeitslosenquote von 4,8 auf 4,7 Prozent.

von: Antje Erhard, 6. Dezember 2021, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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