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Kolummne, Deutschland

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die Aussichten auf langfristig weit geöffnete Geldschleusen großer Notenbanken sprechen mittelfristig weiterhin für Aktien.

31.08.2020 - 11:02:30

Börse Frankfurt-News: Orientierungssuche. Technisch fehlt dem DAX zunächst die Richtung.

31. August 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Was auf den ersten Blick wie eine kosmetische Änderung aussieht, wird die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten deutlich verändern. Den Schwenk weg vom bisherigen Inflationsziel hin zu einem Durchschnitt von 2 Prozent sehen Analysten als Indiz für eine lang anhaltende Fortsetzung der Nullzinspolitik. Die Federal Reserve ist nun bereit, Teuerungsraten oberhalb von 2 Prozent nach einer längeren Phase niedriger Preissteigerungen über eine geraume Zeit zu tolerieren, ohne mit Zinsanhebungen gegenzusteuern.

Für Robert Halver von der Baader Bank schaffte sich die Zentralbank damit einen Gummiparagraphen, der den Weg für negative reale Renditen auf US-Staatsanleihen ebne. Unter Wahrung der Glaubwürdigkeit könnten die Währungshüter zur Sicherung der Schuldentragfähigkeit sowie zur Stabilisierung von Konjunktur und Beschäftigung höhere Inflation künftig nachhaltig ignorieren.

Ende der Rallye vorerst nicht in Sicht

Die schon jetzt reichlich vorhandene Liquidität dürfte nach Auffassung Rainer Weyrauchs von der Fürst Fugger Privatbank in den kommenden Monaten sämtliche Probleme überdecken, die in normalen Börsenphasen eine Korrektur ausgelöst hätten. Weyrauch nennt beispielhaft den nach wie vor schwelenden Handelskrieg zwischen den USA und China. Auch der No-Deal-Brexit, die US-Wahlen und die Eskalation zwischen der Türkei und Griechenland gehörten dazu. Jeder Rückschlag an den Aktienmärkten würde derzeit zum Nachkaufen genutzt. Gefahr einer Überhitzung am Markt erkennt der Analyst noch nicht. Sollten die letzten Skeptiker aufgeben, werde es aber Zeit, Gewinne mitzunehmen. Wachsamkeit sei jederzeit angebracht.

Rosige Zeiten für Aktien

Das sieht Robert Halver von der Baader Bank ähnlich. Mit der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen spreche auch künftig viel für Aktien. Diese laufen trotz Corona in den USA teilweise zur Hochform auf. In der vergangenen Woche schafften S&P 500 und Nasdaq mit Gewinnen von 2,6 und 2,5 Prozent neue Rekorde. Der Dow Jones Industrial stieg um 2 Prozent. Der deutsche Aktienindex legte auf 13.044 Punkten und damit 2,1 Prozent zu. Am Morgen eröffnet der DAX mit 13.103 Punkten im Plus.

Kurzfristige Richtung ungewiss

Aus technischer Perspektive sieht die Helaba den DAX zunächst auf Orientierungssuche. In der vergangenen Woche sei der deutsche Bluechip-Index daran gescheitert, das markante Hoch vom 21. Juli bei 13.313 zu überwinden. In Folge habe eine kleine Korrektur eingesetzt.

Die seit Wochen zu beobachtende Konsolidierungsphase sei noch nicht beendet. Die technischen Indikatoren lieferten zudem keine Hinweise auf einen Ausbruch nach oben. Unter anderem stimme das anhaltend niedrige Niveau des ADX skeptisch. Erste Unterstützungen machen die Helaba-Analysten an der 21-Tagelinie bei 12.852 und am letzten Tief bei 12.633 Punkten aus. Entscheidend sei aber der Bereich um 12.207 bzw. 12.253 Punkte. Hier lägen die 200-Tagelinie und das markante Tief vom 30. Juli. Solange sich der DAX oberhalb dieser Marken aufhalte, gelte der übergeordnete, seit Juni bestehende Aufwärtsimpuls als intakt.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 1. September

11.00 Uhr. Euroraum: Verbraucherpreise August. Nach einer saisonal bedingten höheren Kerninflation im Juli rechnen Analysten für August unter anderem aufgrund niedrigerer Benzin-, Diesel- und Heizölpreise mit einer rückläufigen Inflation. Der Konsens liegt bei 0,2 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresmonat.

Donnerstag, 3. September

Nach 22 Uhr. Deutschland: Veröffentlichung der Anpassungen wichtiger Auswahlindizes.

Freitag, 4. September

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahlen August. Viele Ökonomen gehen von einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung in den USA aus, wenn auch mit etwas schwächerer Dynamik. Bereits im Juli seien weniger Stellen aufgebaut worden als in den Vormonaten. Der Durchschnitt der Prognosen ergibt 1,4 Millionen neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft im August. Im Juli waren es 1,76 Millionen. Die Arbeitslosenquote soll von 10,2 auf 9,8 Prozent zurückgehen.

von: Iris Merker

31. August 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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