Kolummne, Deutschland

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 500 Punkte in vier Tagen? Der rapide DAX-Anstieg letzte Woche hat so manchen überrascht.

18.10.2021 - 10:33:27

Börse Frankfurt-News: Robust trotz vieler Stolperfallen. Die Belastungsfaktoren sind ja immer noch da. Analysten warnen aber vor überzogenen Erwartungen.

18. Oktober 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). An den Aktienmärkten scheinen Probleme derzeit abzuperlen, etwa die Lieferkettenprobleme und der Einbruch des Autoabsatzes in Europa. Oder die steigende Inflation, das nahende Ende der expansiven Geldpolitik und die Immobilienkrise in China.

Jedenfalls ist der DAX vergangene Woche innerhalb weniger Tage von rund 15.050 Punkten bis auf fast 15.600 Zähler gestiegen. Auch die US-Börsen legten kräftig zu, Auslöser waren unter anderem gute Quartalsberichte vieler US-Großbanken. In Deutschland spielten auch positive Signale bezüglich der Verhandlungen zur Bildung einer Ampel-Koalition eine Rolle. Am Montagmorgen steht der DAX bei 15.540 Punkten.

"Liquidität strömt weiter an die Aktienmärkte"

"Die Belastungsfaktoren haben scheinbar nur wenig Gewicht. Die im großen Umfang vorhandene Liquidität strömt weiter an die Aktienmärkte", kommentiert Christian Schmidt von der Helaba. Der insgesamt positive Start in die Quartalsberichtssaison, der zumindest kurzfristige Richtungswechsel bei den Renditen und in Teilen auch Short-Eindeckungen begünstigten das. Angesichts der per saldo steigenden Energie- und Rohstoffpreise, der Lieferkettenproblematik und bereits sehr ambitionierter Bewertungen sei allerdings die Frage, ob sich noch ausreichend gute Chance/Risikoprofile definieren ließen.

Schnellere geldpolitische Straffung?

Laut Markus Wallner von der Commerzbank wird der DAX sein aktuelles Niveau wohl nicht halten können, sondern am Jahresende bei etwa 14.200 Punkten stehen. "Anhaltende Inflationsrisiken könnten zumindest einige Notenbanken schneller zu einer weniger expansiven Geldpolitik veranlassen." Außerdem dürften die Gewinnerwartungen vieler deutscher Unternehmen im vierten Quartal weniger stark zulegen, insbesondere wegen der hohen Materialkosten. "Beide Faktoren dürften die Bewertungen und damit auch die Kurse am deutschen Aktienmarkt drücken."

"Nerven der Anleger werden weiter strapaziert"

Robert Halver von der Baader Bank geht davon aus, dass anhaltende Negativschlagzeilen und Kursschwankungen die Nerven der Aktienanleger zunächst weiter strapazieren werden. Er rät aber dazu, größere Rücksetzer für eine selektive Aufstockung zu nutzen, etwa in den Bereichen High-Tech, Klimaschutz sowie - mit Blick auf die Konjunkturbelebung 2022 - Zykliker. "Da sind die Geschäftsmodelle intakt."

Anstehende Börsengänge an der Frankfurter Börse

Einiges los im Primärmarkt, das IPO-Fenster, der deutsche Ausdruck für "Window of Opportunity", der einen Zeitraum am Aktienmarkt bezeichnet, in dem es für Unternehmen günstig sein kann, an die Börse zu gehen, scheint offen: Der SPAC GFJ ESG Acquisition startet morgen den Handel, am Mittwoch wechselt mutares von Scale in den Prime Standard. Weitere Börsengänge: Veganz und Performance One haben IPOs angekündigt.

Montag, 18. Oktober

4.00 Uhr. China: BIP drittes Quartal. Das BIP ist im dritten Quartal nur noch um 4,9 Prozent im Vorjahresvergleich gewachsen und damit weniger als erwartet. Im ersten Quartal waren es noch 18,3 Prozent und im zweiten 7,9 Prozent.

15.15 Uhr. USA: Industrieproduktion September.

Freitag, 22. Oktober

9.30 Uhr. Deutschland: Einkaufsmanagerindex Oktober. Der Einkaufmanagerindex für die Industrie dürfte wegen der anhaltenden Lieferengpässe erneut leicht zurückgehen, erklärt die Helaba. Im Dienstleistungsbereich sollte der Einkaufsmanagerindex nach den Rückgängen in den vergangen beiden Monaten aber tendenziell stabil ausfallen.

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex Oktober. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone erneut gesunken sind. Der Mangel an Vorprodukten belaste die Unternehmen immer stärker. Hinzu komme die Preisexplosion bei Energie. Dies dürfte die immer noch gute Stimmung in der Wirtschaft weiter dämpfen.

von: Anna-Maria Borse

18. Oktober 2021, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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