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FRANKFURT - Das Prinzip Hoffnung könnte den deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche stützen.

22.06.2020 - 05:47:25

WOCHENAUSBLICK: Dax-Anleger klammern sich an Konjunkturhoffnungen. Trotz politischer Risiken und der im Hintergrund weiter schwelenden Furcht vor einer zweiten Corona-Welle ist das Börsenumfeld Experten zufolge prinzipiell weiter günstig: "Die Kapitalmärkte bleiben zunächst einmal gut unterstützt durch die Geldschwemme der Notenbanken, zumal die konjunkturelle Erholung bereits in vollem Gange ist", schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba.

zwar wieder deutlich steigen lassen, wodurch sich die Bewertung vieler Dax-Unternehmen spürbar erhöht habe. Doch eine breit angelegte Übertreibung sei noch nicht zu erkennen.

Etwas skeptischer äußerten sich in dieser Hinsicht die Fachleute der Weberbank: "Den Investoren steht ein heißer Sommer bevor." Die zwischenzeitlichen Kursrückschläge der letzten Woche hätten erneut gezeigt, wie fragil die Erholung der Aktien noch sei und wie schnell das Vertrauen der Anleger nicht zuletzt vor dem Hintergrund hoher Bewertungen schwinden könne.

Für Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets ist vor diesem Hintergrund klar, dass am Aktienmarkt die Bäume erst einmal nicht in den Himmel wachsen dürften: "Beim Dax scheint für den Moment bei 12 500 Punkten der Deckel drauf. Solange der Markt es nicht schafft, diese Hürde erneut zu überwinden, bleibt die Situation aus charttechnischer Sicht fragil." Im Moment hätten eher die überzeugten Verkäufer das Zepter in der Hand und nähmen Gewinne mit. Erst ein nachhaltiger Anstieg über 12 500 Punkte würde die Lage verbessern und die Stimmung aufhellen.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, sieht das Glas eher halbvoll als halbleer: "Die Aktienmärkte leben von der Hoffnung, dass die Erholung weiter zügig voranschreitet." In der neuen Woche könnte der allmonatliche Stimmungstest bei den deutschen Unternehmen zeigen, ob sich die Optimisten unter den Anlegern tatsächlich bestätigt fühlen können.

Die Einkaufsmanagerindizes für den Juni werden Kater zufolge wohl am Dienstag ebenso Licht am Ende des Tunnels andeuten wie das zur Wochenmitte anstehende Ifo-Geschäftsklima. Bei letzterem stehe insbesondere die Beurteilung der aktuellen Lage im Mittelpunkt des Interesses. Nachdem bereits im Mai die Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer auf eine Verbesserung der Lage deutlich angezogen hatten, seien die Einschätzungen der aktuellen Geschäftstätigkeiten noch sehr verhalten ausgefallen. Letztere müssten sich nun langsam in der kommenden Woche ändern, um die Hoffnungen auf eine Rückkehr zu einer normalen Konjunktur aufrecht zu erhalten.

Mit Blick auf einzelne Unternehmensnachrichten sollten sich die Anleger den Donnerstag dick im Kalender anstreichen. Dann findet die außerordentliche Hauptversammlung der Lufthansa statt, auf der die Aktionärsvertreter um die Zustimmung zum Rettungspaket der Bundesregierung gebeten werden sollen. Die mit der Corona-Pandemie verbundenen Reisebeschränkungen hatten die Geschäfte der Fluggesellschaft mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Die Lufthansa befürchtet, dass Großaktionär Heinz Hermann Thiele angesichts der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptsammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

So oder so steigt die Lufthansa am Montag in den MDax der mittelgroßen Werte ab. Hintergrund ist der Kurssturz im Zuge der Corona-Krise. Neu im Kreis der 30 Dax-Konzerne ist dann der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen . Zudem werden im MDax die Aktien der Deutschen Pfandbriefbank durch die des Werbevermarkters Ströer ersetzt. Auch im Nebenwerteindex SDax findet ein Stühlerücken statt.

Spannung verspricht auch der weitere Verlauf des Wirecard-Dramas . Nachdem der Zahlungsabwickler wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen konnte, waren die Aktien abgestürzt und hatten den zweitgrößten Tagesverlust eines Dax-Titels in der fast 32-jährigen Geschichte des Leitindex verbucht. Vorstandschef Markus Braun ist inzwischen zurückgetreten. In der Nacht auf Montag musste der neue Vorstand eingestehen, dass die vermeintlich auf Treuhandkonten liegenden 1,9 Milliarden Euro nicht existieren und die vorläufigen Ergebnisse für 2019,

zurückgezogen werden./la/ajx/he/fba

Von Lutz Alexander, dpa-AFX

@ dpa.de

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