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Medien, Papier

FRANKFURT / BONN - Weil Papier deutlich teurer geworden ist, kommen Deutschlands Buch- und Zeitungsverlage unter Druck.

05.10.2021 - 06:34:30

Teures Papier bringt Verlage in die Bredouille. Kurzfristige Bestellungen von besonderen grafischen Papieren und Pappen für Einbände seien schwieriger geworden, berichtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der für die Buchverlage spricht. Zwar würden derzeit keine größeren Einschränkungen für Leserinnen und Leser erwartet.

Der Preisanstieg liegt an höheren Kosten für Energie und Transport sowie an der Corona-Krise, durch die der Strukturwandel verschärft wurde: Immer mehr Papierfabriken stellen ihre Produktion von grafischen Papieren auf Kartons um, die wegen des boomenden Online-Handels gefragt sind. Zuvor hatten der "Spiegel" und das "Handelsblatt" über die höheren Papierpreise berichtet.

Laut Branchenindex von Fastmarkets FOEX sind die Preise für Altpapier in Deutschland seit Jahresbeginn um 78 Prozent geklettert. Auch beim Zellstoff gab es einen starken Anstieg. Je nach Papierart spielen diese beiden Rohstoffe eine unterschiedlich große Rolle: Zellstoff entsteht aus der chemischen Bearbeitung von Holz oder Holzresten. Diese frischen Fasern werden zu neuem Papier gemacht oder bei einigen Papierarten mit Altpapier gemischt. Zeitungspapier wiederum ist komplett aus Altpapier.

Buchverlage bekommen die höheren Kosten zu spüren. So verweist der Börsenverein darauf, dass die Vorlaufzeit - also die Zeit für den Druckauftrag inklusive Papierbestellung - bei Büchern um das Vier- bis Sechsfache gestiegen sei. "Insbesondere die kurzfristige Nachauflagenproduktion ist kaum möglich." Verlage müssten also gleich höhere Auflagen einplanen, was die Kalkulation erschwere. Seit der Euro-Umstellung vor etwa zwei Jahrzehnten hätten sich die Buchpreise nur "sehr moderat nach oben entwickelt". Die Gewinnspannen seien niedrig. Steigende Produktionskosten könnten Verlage auf lange Sicht nicht ausgleichen, und die Preise müssten angepasst werden, "um nicht in wirtschaftliche Schieflage zu geraten".

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) berichtet von einem "erheblichen Preisdruck" bei Pressepapieren. Die Nachfrage übersteige die Menge des produzierten Papiers. Nicht alle Käufer erhielten die vereinbarten Mengen, oder es würden Aufschläge verlangt. Die drohende Unterversorgung sei höchst problematisch. "Wir rechnen damit, dass eine erhebliche Kostensteigerung bei den Rohstoffen, die zu erwarten ist, sich längerfristig auch im Preis des Produkts niederschlagen wird."

Arne Kant von der Unternehmensberatung Afry sieht die Erhöhungen der Papierpreise als zwangsläufig. "Die Papierhersteller sind gezwungen, die Preise zu erhöhen, weil sie bei Rohstoffen und bei Energie Preissteigerungen erleben, die teilweise noch nie da waren." Die Margen seien gering, und der Markt für grafisches Papier schrumpfe.

Buchverlage sind unterschiedlich betroffen. So berichtet der Schulbuchverlag Cornelsen, dass man die Situation "sehr sorgfältig" beobachte. Allerdings druckt Cornelsen vor allem im ersten Halbjahr, damit die Bücher zum neuen Schuljahr fertig sind - und war daher von der Preisspirale nicht so sehr wie andere Verlage betroffen.

C.H. Beck wiederum berichtet von höheren Papierpreisen, die zwar "nicht akut" zu Preisanpassungen bei den Büchern führten, aber Teil des kostenbedingten Preisdrucks seien, der schon länger andauere und nun verschärft werde - und "unsere mittelfristige Preissetzung voraussichtlich beeinflussen wird", so Herstellungsleiter Jörg Alt. Sorgen bereitet dem Münchner Verlag eine "dramatisch verschlechterte Verknappung aller grafischen Papiere am Markt". So seien Recyclingpapiere fast gar nicht mehr auf dem Markt erhältlich und andere Papierarten kaum noch. "Die Beschaffungsproblematik setzt die Verlage mindestens ebenso wie die Preisproblematik unter Druck."

Vom Reiseverlag Mairdumont ("Baedeker") heißt es: "Auch wir kämpfen zum einen mit deutlich längeren Lieferzeiten und zum anderen mit höheren Kosten." Preiserhöhungen peilt Mairdumont aber nicht an.

2020 sank der Bedarf an Papier für Zeitungen und Anzeigenblätter deutlich. Schließlich schaltete die Wirtschaft weniger Werbung. In diesem Jahr ist die Konjunktur wieder angesprungen - aber es gibt nicht so viel Druckpapier wie benötigt.

Die Nachfrage nach Druckpapier sank jahrelang, was auch an der Digitalisierung lag - E-Paper werden beim Medienkonsum häufiger genutzt als früher, in Büros wird weniger ausgedruckt. Im vergangenen Jahr beschleunigte sich die Entwicklung, wie aus Zahlen des Papierindustrie-Verbandes hervorgeht: Die Produktionsmenge grafischer Papiere sank in Deutschland um 15 Prozent auf 6 Millionen Tonnen. 2019 hatte das Minus bei 8 Prozent gelegen, während in den Jahren davor die Rückgänge geringer waren. Das Gesamtminus im vergangenen Jahrzehnt lag bei 40 Prozent. Europaweit ist die Entwicklung ähnlich. Fabriken werden für viel Geld umgerüstet, um Pappe statt Papier herzustellen.

Schwierig ist die Lage beim Altpapier: Das fiel im Corona-Jahr 2020 unter anderem wegen geringerer Zeitungsdicken und stornierter Werbeblätter weniger an - damit steht dieses Jahr auch weniger zur Wiederverwertung zur Verfügung. Grob gesagt kann Altpapier zehnmal wiederverwertet werden, bevor es nicht mehr zu gebrauchen ist.

Hohe Preise, hohe Nachfrage - lockt das Firmen, wieder in die Herstellung grafischen Papiers einzusteigen? Gregor Andreas Geiger vom Papierindustrie-Verband schüttelt den Kopf: "Die Produktionskapazitäten für grafisches Papier sind weg. Die kommen wohl nicht zurück." Der Strukturwandel werde sich fortsetzen. Allerdings würden sich Angebot und Nachfrage wohl in absehbarer Zeit wieder einpendeln. Auch Branchenexperte Kant rechnet mit einer Erholung - in Nordamerika und in China sei bereits ein leichter Rückgang bei den Zellstoffpreisen zu verzeichnen.

@ dpa.de

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