Ferrexpo Aktie: 80 bis 90 Millionen Mehrwertsteuer blockiert
05.06.2026 - 17:15:02 | boerse-global.de
Eigentlich geht es auf einer Hauptversammlung um Gewinne, Dividenden und Ausblick. Bei Ferrexpo sind diese Punkte gestrichen. Der Eisenerzproduzent hat die formelle Einladung für Ende Juni veröffentlicht – mit einer drastisch eingeschränkten Tagesordnung.
Der Grund: Die geprüften Jahreszahlen für 2025 fehlen noch immer. Ohne sie lassen sich weder Bilanz, Abschlussprüfer noch Vergütungsbericht zur Abstimmung stellen. Ferrexpo will das in einer separaten Versammlung nachreichen – vorausgesetzt, die Zahlen liegen dann endlich vor.
Agenda gestutzt
Vier Routine-Beschlüsse fallen unter den Tisch: die Annahme des Geschäftsberichts, die Wiederwahl des Wirtschaftsprüfers, dessen Vergütung sowie das Vergütungsbericht der Direktoren. Alles verschoben auf unbestimmte Zeit.
Das Management hat klargestellt: Die Bilanzierung als „Going Concern“ – also als fortgeführtes Unternehmen – hängt an einer erfolgreichen Kapitalerhöhung. Mindestens 100 Millionen Dollar will Ferrexpo über eine Platzierung einsammeln. Ein ambitioniertes Ziel für ein Unternehmen, dessen Aktien seit Mai 2026 an der Londoner Börse ausgesetzt sind.
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Liquidität schmilzt
Die finanziellen Reserven schrumpfen. Zum Ende des ersten Quartals 2026 hatte Ferrexpo nur noch rund 35 Millionen Dollar in der Kasse – nach 47 Millionen zum Jahreswechsel. Davon waren netto lediglich 22 Millionen Dollar verfügbar. Der Rest liegt auf Konten eines Geldinstituts, das sich in Abwicklung befindet.
Hinzu kommt ein massiver Block bei den Mehrwertsteuerrückerstattungen: Zwischen 80 und 90 Millionen Dollar hält der ukrainische Staat zurück. Der Grund sind Rechtsstreitigkeiten rund um den Mehrheitseigentümer. Das Geld fehlt im operativen Geschäft.
Betrieb auf Sparflamme
Von vier Pelletieranlagen läuft nur noch eine. Energieversorgung und Infrastruktur bleiben unzuverlässig. Gleichzeitig hat Ferrexpo die Arbeitszeit verkürzt und alle nicht zwingenden Investitionen gestoppt.
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Zudem steht ein Führungswechsel an. Vitalii Lisovenko, seit über neun Jahren im Aufsichtsrat, stellt sich nicht zur Wiederwahl. Sein Abgang ist für das Ende der Hauptversammlung terminiert.
Ob der Kapitalmarkt dem Unternehmen das nötige Vertrauen schenkt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die Handelsaussetzung bleibt bestehen, bis der Jahresbericht 2025 vorliegt und die Finanzierungslücke geschlossen ist.
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