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FELIXSTOWE / HAMBURG - Erst Brexit, dann Pandemie - und nun Arbeitskämpfe: Ein mehrtägiger Streik von Hafenarbeitern am größten Containerhafen Großbritanniens droht, nicht nur die britischen Lieferketten weiter zu belasten.

21.08.2022 - 15:12:59

Streik am größten britischen Containerhafen - Druck auf Lieferketten. "Fast die Hälfte des britischen Containerverkehrs geht durch den Hafen in Felixstowe hindurch und 65 Prozent der ankommenden Container", sagte die britische Handelsexpertin Rebecca Harding der Deutschen Presse-Agentur. Ein achttägiger Streik, wie er von Sonntag an geplant ist, bedeute ein Risiko für Im- und Exporte im Wert von rund 800 Millionen Pfund (rund 950 Mio Euro) - besonders betroffen sei die Kleidungs- und Elektronikbranche.

sieht sich dagegen "nicht direkt betroffen", wie eine Sprecherin erläutert. "Wir haben nur einen wöchentlichen Dienst nach Felixstowe."

Der Hafenverband British Ports Association rechnet bislang nicht mit langfristigeren Auswirkungen auf die britischen Lieferketten. Es sei in den vergangenen Jahren stark in die Infrastruktur investiert worden, weshalb es - wenn nötig - auch möglich sei, zeitweise mehr Containerfracht abzuwickeln als üblich.

Ulrich Hoppe, Direktor der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, hält kurzfristig spürbare Engpässe für unwahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass wir leere Regale in Supermärkten sehen werden", sagte er der dpa. Frische Produkte wie Obst und Gemüse würden eher über den Hafen in Dover abgewickelt. Vorstellbar sei aber, dass bei üblicherweise in Containern transportierten Gütern wie Spielzeugen aus China Verzögerungen entstünden - und weiterer Druck auf die ohnehin schon durch die Pandemie und andere Herausforderungen belasteten Lieferketten.

"Der Handel zwischen Großbritannien und dem Rest der Welt, vor allem der EU, ist im vergangenen Jahr ohnehin schon eingebrochen und jede neue Störung erhöht den ohnehin steigenden Druck", sagte Handelsexpertin Harding. Sie hält es für möglich, dass die Inflation weiter steigen könnte, wenn wichtige Lieferketten aus dem Tritt geraten. "Das würde die Lebenshaltungskostenkrise, die ohnehin in Großbritannien gerade schon so ernst ist, weiter verschärfen."

Aus deutscher Sicht dürften sich die Folgen nach Einschätzung von IfW-Ökonom Stamer in engen Grenzen halten: "Britische Güter können nach Deutschland auch über den Eurotunnel und Fähren transportiert werden und Güter aus dem Vereinigten Königreich machen ohnehin nur noch 2,7 Prozent der deutschen Importe aus."

@ dpa.de