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Evonik profitiert von guter Nachfrage - Rhein-Pegel wird zum Problem

06.11.2018 - 12:41:25

ESSEN - Höhere Verkaufspreise haben dem Spezialchemiekonzern Evonik im dritten Quartal Rückenwind beschert. Vor allem die Nachfrage nach Leichtbaumaterialien und Lacken sowie nach Zusätzen für die Tierfutterindustrie trieb dabei an. Der Gegenwind etwa durch höhere Transportkosten wegen des Niedrigwassers des Rheins konnte dadurch noch ausgeglichen werden. Viele Chemieunternehmen haben derzeit mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen, da Transportschiffe nicht voll beladen werden können oder überhaupt nicht fahren.

Evonik steigerte den Umsatz in den drei Monaten bis September um rund 7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, wie der MDax -Konzern am Dienstag in Essen mitteilte. Alle drei Unternehmenssparten trugen zu der Entwicklung bei. Eine hohe Nachfrage nach umweltfreundlichen Lacken und Farben trieb das Geschäft mit Spezialchemikalien für industrielle Anwendungen, Resource Efficiency, an. Gleichzeitig erholte sich das Geschäft mit Tierfuttereiweiß in der Sparte Nutrition & Care weiter.

Besonders deutlich legte der Umsatz aber im Geschäftsbereich Performance Products zu, der unter anderem Zwischenprodukte für die Gummi-, Kunststoff- und Agrarindustrie produziert. Allerdings trat Evonik in diesem Bereich - auch wegen Transportproblemen infolge des niedrigen Rhein-Pegels sowie Wartungsstillständen bei einigen Produktionsanlagen beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf der Stelle. Zudem braucht es Zeit, gestiegene Rohstoffkosten an die Kunden weiter zu reichen.

Konzernweit wuchs das operative Ergebnis indes um rund 8 Prozent auf 692 Millionen Euro. Damit hat das Unternehmen nach neun Monaten bereits mehr als vier Fünftel des bestätigten Jahresziels eines bereinigten operativen Ergebnisses von 2,60 bis 2,65 Milliarden Euro eingefahren.

Der Umsatz soll im Vergleich zu den 2017 erzielten knapp 14,4 Milliarden Euro weiterhin leicht zulegen. Evonik geht dabei nun aber von geringeren Belastungen durch den starken Euro aus als bisher. Der Ausblick basiert nun auf einem Wechselkurs von 1,18 US-Dollar je Euro statt 1,20 Dollar. Unter dem Strich verdienten die Essener im dritten Quartal 329 Millionen Euro und damit 45 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Insgesamt lägen die Zahlen auf dem Niveau der Erwartungen, erklärte Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank. Ob das obere oder untere Ende der Spanne beim bereinigten Ebitda erreicht werde, dürfte indes aber maßgeblich vom Wasserstand des Rheins abhängen, erklärte Schäfer.

Evonik-Finanzchefin Ute Wolf nannte während einer Telefonkonferenz mit Analysten keine konkreten Zahlen mit Blick auf die Rhein-Problematik, gab aber zu bedenken, dass die Situation weiter schwierig sei, schwieriger sogar als während des dritten Quartals. Was das für das letzte Jahresviertel bedeuten werde, müsse sich erst noch zeigen. Die Anleger wurden aber vorsichtiger: Der Aktienkurs bröckelte am Vormittag immer weiter ab. Gegen Mittag fielen die Papiere um fast 4 Prozent.

Bereinigt um Sondereffekte etwa im Zusammenhang mit dem laufenden Konzernumbau belief sich das Ergebnis sogar auf 370 Millionen Euro. Der seit mehr als einem Jahr amtierende Chef Christian Kullmann richtet Evonik auf die Spezialchemie aus, in der höhere Gewinnmargen erzielbar sind als im Geschäft mit Basischemikalien. "Wir werden unser Portfolio weiterhin aktiv gestalten, Innovationen auf den Markt bringen und den kulturellen Wandel vorantreiben", sagte der Manager laut Mitteilung.

So trennte sich Evonik jüngst von einem US-Werk, in dem Vorprodukte für Agrarchemikalien hergestellt werden - steckt aber auch Geld in neue Geschäftsideen in der digitalen Landwirtschaft wie zuletzt mit einer Beteiligung an einem Unternehmen, das Bauern die Kontrolle von Geflügelställen aus der Ferne ermöglicht.

Derweil geht die Suche nach einem Käufer für das Methacrylat-Geschäft, das den Grundstoff zur Herstellung von Kunststoffen wie Plexiglas produziert, weiter. Laut Kullmann werden Fortschritte gemacht. Er will im ersten Quartal 2019 aus dem Kreis der Interessenten einen neuen Eigentümer bekanntgeben. Ursprünglich war gehofft worden, noch im laufenden Jahr einen Namen nennen zu können. Am Ende des Konzernumbaus, in dessen Zuge auch Stellen gestrichen werden, soll das Konzernportfolio nur noch 17 Geschäftsgebiete umfassen statt wie bisher 22 Einheiten.

@ dpa.de

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