Thyssenkrupp, DE0007500001

ESSEN - Der Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp will den Schwung aus dem aktuellen Geschäft in den kommenden Jahren zu weiteren Verbesserungen nutzen.

02.12.2021 - 15:57:00

Thyssenkrupp will in kommenden Jahren einen Gang hochschalten. "Wir arbeiten nun auch an der nächsten Phase unserer Transformation, in der wir uns zunehmend wieder den Wachstumschancen in den Geschäften widmen werden", sagte Vorstandschefin Martina Merz am Donnerstag anlässlich einer Investorenveranstaltung in Essen. Mittelfristig will der Gesamtkonzern vor Zinsen und Steuern eine um Sondereffekte bereinigte Ergebnismarge von 4 bis 6 Prozent erzielen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende September) hatte das Maß für die Profitabilität nur bei 2,3 Prozent gelegen.

ESSEN - Der Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp will den Schwung aus dem aktuellen Geschäft in die kommenden Jahre mitnehmen. "Wir arbeiten nun auch an der nächsten Phase unserer Transformation, in der wir uns zunehmend wieder den Wachstumschancen in den Geschäften widmen werden", sagte Vorstandschefin Martina Merz am Donnerstag anlässlich einer Investorenveranstaltung in Essen. Nach Jahren des Umbaus mit schmerzhaften Einschnitten hatten sich bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr erste Erfolge gezeigt - das will die Managerin nun nutzen. Finanziell soll es weiter aufwärts gehen.

So will die Unternehmensführung in den kommenden Jahren erreichen, dass mittelfristig vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten 4 bis 6 Prozent des Umsatzes als Gewinn hängen bleiben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende September) hat das Maß für die Profitabilität trotz deutlicher Verbesserungen nur bei 2,3 Prozent gelegen. Laut Analyst Alan Spence von der Investmentbank Jefferies liegt der Konzern mit dem Plan etwas über den Erwartungen von Analysten - diese hätten im Schnitt nämlich für das Geschäftsjahr 2023/24 einen Wert von 4,1 Prozent auf dem Zettel.

Die Thyssenkrupp-Aktie verlor in einem schwachen Umfeld am Nachmittag dennoch 3,7 Prozent auf 9,56 Euro. Die Thyssen-Aktie ist oft getrieben von Fantasie um mögliche Verkäufe rund um das weitreichende Konzerngeflecht - und an der Stelle gab es für die Anleger nur wenig Neuigkeiten. Wie viel vom aktuellen Konzern auch in einigen Jahren noch zum Verbund dazugehört, das bleibt in großen Teilen fraglich.

Das Papier hatte zuletzt Mitte November deutlich zugelegt, als es - später vom Konzern bestätigte - Spekulationen über Börsenpläne für das Wasserstoffgeschäft gab. Zudem legte Thyssenkrupp mit den Jahresergebnissen eine zuversichtliche Prognose für das laufende Jahr vor. Von dieser Zwischeneuphorie ist aktuell wieder ein Großteil verpufft, die Konjunkturerholung samt starker Stahlpreise gerät mit neuen Corona-Beschränkungen schließlich wieder in Gefahr. An der Börse ist der Konzern insgesamt derzeit rund sechs Milliarden Euro wert.

Der freie Mittelzufluss vor Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen soll mittelfristig wieder "signifikant positiv" ausfallen. Die Rückkehr zu verlässlichen Dividendenzahlungen sei "klar als Ziel definiert", hieß es vom Unternehmen. Auch für das gerade begonnene Geschäftsjahr hatte sich der Konzern nach drei Nullrunden in Folge bereits wieder eine Ausschüttung an die Aktionäre vorgenommen.

Wachstum dürfte in den kommenden Jahren nach Vorstellung des Managements vor allem aus der Digitalisierung sowie dem Umbau der Geschäfte um Großwälzlager, der Autozulieferung und dem Materialhandel kommen.

Im Stahlgeschäft und dem Schiffsbau plant Finanzchef Klaus Keysberg mittelfristig operative Margen (bereinigtes Ebit) von 6 bis 7 Prozent ein. Lukrativer sollen die Autozulieferung mit 7 bis 8 Prozent und die Industriekomponenten mit mindestens 10 Prozent Marge sein. Im Materialhandel beläuft sich die Zielrendite auf 2 bis 3 Prozent. Vor allem die Autozulieferung und der Schiffsbau würden demnach besser abschneiden als von Analysten erwartet. Beim Stahl und den Industriekomponenten können sich die Analysten dagegen auch noch mehr Marge vorstellen.

Thyssenkrupp hat viele schwere Jahre hinter sich. Probleme im Geschäft gingen einher mit Führungswechseln und Strategieschwenks. Das Management hat das ehemalige Industriekonglomerat darauf vorbereitet, dass es nicht auf ewig in der althergebrachten Form Bestand haben dürfte. Die hochprofitable Aufzugsparte ging bereits 2020 für 17,2 Milliarden Euro an ein Bieterkonsortium. Auch die Stahlsparte als Herz des Konzerns ist nicht mehr unantastbar.

Das Management hat zuletzt vor allem Einschnitte bei den Kosten gemacht, Tausende Jobs fielen dem bereits zum Opfer. Bis zum Geschäftsjahr 2023/24 sollen 12 000 Stellen wegfallen, 7800 davon hat das Unternehmen bereits in den vergangenen zwei Geschäftsjahren abgebaut. Ende September zählte das Unternehmen rund 101 000 Vollzeitstellen.

Auf dem Weg zu einer wendigeren Aufstellung könnten noch einige Umbaumaßnahmen ins Haus stehen. Das europäische Stahlgeschäft steht weiter zur Disposition - der Konzern sondiert nach der geplatzten Spartenfusion mit Tata Steel und einem gescheiterten Verkauf nach wie vor die Optionen, wie das lange schwächelnde Geschäft am besten aufzustellen ist. Ein möglicher Weg ist ein sogenannter Spin-Off an der Börse, bei dem die eigenen Anteilseigner die Aktien des abgespaltenen Unternehmens einfach ins Depot gebucht bekommen. Das Geschäft befinde sich derzeit auf dem Weg der Besserung, eine mögliche Konsolidierung solle die Sparte daher aus einer Position der Stärke heraus verhandeln können, sagte Merz auf dem Kapitalmarkttag.

Weiteren Bedarf sieht die Chefin auch im Schiffsbau, im Chemieanlagenbau und im Zementgeschäft. Fest in Thyssenkrupp-Hand bleiben sollen dagegen der Materialhandel, Industriekomponenten und die Autozulieferung. Der weitere Umbau solle als geordneter Prozess verlaufen und nicht als "Big Bang", sagte Merz. Ihr Ziel ist aber klar: "Ja, Thyssenkrupp wird kleiner sein, aber auch stärker", sagte sie. Das Unternehmen wolle Wachstumschancen wahrnehmen, aber diese Chancen müssten auch einen fruchtbaren Nährboden finden.

Ein Kernelement der Strategie ist der Umbruch zu klimafreundlicheren Technologien. Insbesondere die Stahlproduktion gehört zu den großen Verursachern von Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) und muss sich infolge der EU-Emissionsvorgaben in den kommenden Jahren hin zu einer "grünen" Stahlerzeugung wandeln, da der Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre teuer wird. Das macht auch einen Verkauf schwierig, denn aktuell muss Thyssenkrupp viel Geld in die technologische Erneuerung der Anlagen stecken, um effizienter auch bei den Emissionen zu werden.

Dazu ist unter anderem ein verstärktes Engagement rund um Wasserstoff als Energieträger geplant. So hatte das Unternehmen auch den Plan öffentlich gemacht, das Wasserstoff-Joint-Venture Uhde an die Börse zu bringen. Thyssenkrupp will allerdings die Mehrheit an dem Geschäft behalten. Uhde Chlorine Engineers (UCE) ist ein Spezialist für den Bau von großen Elektrolyse-Anlagen, etwa zur Wasserstoff-Gewinnung aus Wasser mit Hilfe Erneuerbarer Energien. Am 13. Januar will Thyssenkrupp auf einer separaten Investorenveranstaltung detaillierter über das Geschäft informieren.

@ dpa.de

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