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(durchgehend aktualisiert)

25.06.2020 - 14:45:44

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DÜSSELDORF - Nach dem Corona-Ausbruch im Bereich Gütersloh sind fast alle Ergebnisse bei den Massentests für die Bevölkerung negativ ausgefallen. Wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Düsseldorfer Landtags sagte, wurde unter 2000 Getesteten nur ein Infizierter gefunden. Laumann sagte, dass man nach den Massentestungen wohl beurteilen könne, ob die Corona-Infektionen bei Tönnies-Mitarbeitern auf andere Bereiche der Gesellschaft übergesprungen seien. Mit Ergebnissen rechne er am Sonntag.

Die Frage ist mitentscheidend für eine Fortsetzung des neuen, eingeschränkten Lockdowns, der für die Kreise Gütersloh und Warendorf zunächst bis zum 30. Juni verhängt worden war. Laut dem Robert Koch-Institut ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage am Donnerstag im Kreis Gütersloh signifikant auf 192,8 gesunken. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2. Im benachbarten Kreis Warendorf sank der Wert auf 50,4, zuvor lag er noch bei 66,2.

Damit liegt der Kreis Warendorf nur noch knapp über der Marke 50, die von Bund und Ländern als Grenzwert für wieder stärkere Einschränkungen des Alltagslebens vereinbart worden war. Den Wert haben inzwischen mehrere Bundesländer zum Maßstab für Beherbergungsverbote für Besucher aus einem solchen Kreis gemacht.

Am Mittwochabend teilte auch Baden-Württemberg mit, dass man Reisende aus dem Corona-Risikogebiet in NRW nicht mehr im Land übernachten lasse. Bayern und Niedersachsen hatten bereits Beherbergungsverbote beschlossen, Schleswig-Holstein erließ eine Quarantäneregelung. Ausnahmen gelten auch in Baden-Württemberg für Personen, die mit einem ärztlichen Attest belegen können, nicht infiziert zu sein. Auch Sachsen-Anhalt denkt über Einschränkungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten nach.

An den Testzentren in den Kreisen Warendorf und Gütersloh hatten sich bereits am Mittwoch lange Schlangen von Menschen gebildet, die einen Corona-Test machen wollten, um mit einem negativen Ergebnis Sicherheit für ihren Urlaub zu haben.

Wegen des großen Andrangs baut der Kreis Gütersloh seine Testkapazitäten weiter aus: Nach Angaben von Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) sollen pro Tag jetzt 10 000 kostenfreie Corona-Tests möglich sein. Um dieses Ziel zu erreichen, habe der Kreis in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung weitere Testzentren eingerichtet, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Wer sich testen lassen will, muss sich dennoch auf längere Wartezeiten einstellen.

Im NRW-Gesundheitsausschuss wurde am Donnerstagmorgen erneut über die mutmaßlichen Ursachen und die Folgen des Corona-Ausbruchs beim Fleischbetrieb Tönnies diskutiert. Eine erste Welle von Infizierten bei Tönnies hat es nach Angaben des Gesundheitsministeriums Mitte Mai im Zusammenhang mit einer "kirchlichen Veranstaltung" gegeben.

Nach Recherchen des Portals "t-online.de" handelte es sich um einen Gottesdienst, der am 17. Mai stattfand. Auch Arbeiter eines Tönnies-Konkurrenten seien dort gewesen. Der Sprecher des Kreises Gütersloh bestätigte entsprechende Erkenntnisse. Es seien sowohl Mitarbeiter von Tönnies als auch eines anderen Unternehmens aus der Branche vor Ort gewesen.

Ob aber diese Veranstaltung Grund für den Corona-Ausbruch bei Tönnies ist, sei völlig offen, sagte der Sprecher des Kreises der Deutschen Presse-Agentur. Es sei jetzt Aufgabe der Experten des Robert Koch-Instituts, diese Frage zu klären. Erste Infizierte im Kreis Gütersloh habe es nachweislich bereits Wochen zuvor im Zusammenhang mit Rückreisenden aus dem Winterurlaub gegeben.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) erinnerte mit Blick auf die Ereignisse in Nordrhein-Westfalen daran, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei sei. "Bis wir wirklich einen effektiven Impfstoff oder Heilmittel haben, wird das Virus weiter lauern", sagte Braun am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz".

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte vor leichtsinnigem Verhalten. "Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei", sagte er am Donnerstag bei einer Veranstaltung im Schloss Bellevue. "Die Entwicklung in den Hotspots zeigt, dass wir uns immer noch auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen." Jeder, nicht nur er, habe natürlich die Befürchtung, "dass sich die Zahl der Hotspots vermehrt und dass die Ansteckungsrate wieder nach oben geht".

@ dpa.de