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Einzelhandel, Produktion

DÜSSELDORF - Durch den geplanten Verkauf der SB-Warenhauskette Real ist nach Einschätzung des Betriebsrates fast jeder Dritte der noch vorhandenen 34 000 Arbeitsplätze bei der Metro-Tochter gefährdet.

14.01.2020 - 14:27:40

Real-Betriebsrat sieht 10 000 Arbeitsplätze in Gefahr. "Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10 000 Arbeitslosen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Werner Klockhaus der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag).

Der Hintergrund: Die Metro will alle 277 Real-Märkte in Deutschland und den Online-Shop real.de möglichst noch in diesem Monat an ein Investoren-Konsortium aus X-Bricks und SCP Group verkaufen. Die künftigen Eigentümer wollen aber nach den bisher bekanntgewordenen Plänen nur einen kleinen Teil der Real-Märkte selbst weiter betreiben. Der Großteil der Standorte soll an andere Händler wie Edeka oder Kaufland weiterverkauft werden. Einigen Standorten droht offenbar auch die Schließung.

Eine Metro-Sprecherin betonte angesichts der Befürchtungen des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, die Wahrung der Mitarbeiterinteressen sei für den Konzernvorstand ein zentrales Thema in den Verkaufsgesprächen. "Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Märkten auch die Mitarbeiter von den übernehmenden Unternehmen weiterbeschäftigt werden." Ein Sprecher von X-Bricks wollte die Äußerungen von Klockhaus nicht kommentieren.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende malte in dem Interview die Zukunft für viele Beschäftigte der Handelskette in düsteren Farben. Er rechne mit "rund 50 Schließungen oder mehr" im Zuge der Neuordnung. Allein dadurch seien rund 6000 Arbeitsplätze bedroht. Außerdem werde es wohl auch in den an Wettbewerber verkauften Filialen zu sehr vielen betriebsbedingten Kündigungen kommen, befürchtet er. Denn kaum einer der Wettbewerber habe eine ähnlich breite Sortimentsstruktur wie Real. Die Beschäftigen in der Elektro-, Sport- und Haushaltswarenabteilung würden deshalb nicht mehr benötigt. Zusammen mit dem zu erwartenden Personalabbau in der Zentralverwaltung seien damit noch einmal 4000 Stellen gefährdet.

Mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen bewerteten die Zahlen des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden allerdings als sehr spekulativ. Die künftigen Eigentümer hätten schon aus Kostengründen ein Interesse daran, möglichst viel Märkte und damit auch möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, hieß es.

Die Metro-Sprecherin verwies außerdem auf eine Ende letzten Jahres von Real unterzeichnete Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat. Sie sehe eine soziale Absicherung für alle Real-Beschäftigten vor, die trotz aller Bemühungen durch betriebsbedingte Kündigungen ihren Arbeitsplatz bei einem der übernehmenden Unternehmen verlieren.

Klockhaus sieht in der Regelung allerdings nur einen Notbehelf. Sie solle verhindern, "dass die Beschäftigten ins Bodenlose fallen". Maximal werde es 12 oder 14 Bruttomonatsgehälter Abfindung geben. Angesichts der niedrigen Löhne im Einzelhandel und der vielen Teilzeitbeschäftigten sei dies auch bei langjähriger Betriebszugehörigkeit keine große Summe.

"Für die Metro war Real schon immer ein Stiefkind, welches man vernachlässigt hat", klagte Klockhaus. Die Zeche dafür müssten jetzt die Mitarbeiter zahlen. Auch von der Politik hätten die Beschäftigen bislang keine Hilfe erfahren.

Real kämpft mit sinkenden Umsätzen und roten Zahlen. Schon seit geraumer Zeit sucht die Metro nach einem Käufer für die Handelskette. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als viel mühsamer als zunächst erwartet.

@ dpa.de

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