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DUBLIN - Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat Europas größten Billigflieger Ryanair und der Lufthansa-Tochter Eurowings am Montag in Dublin mitteilte.

27.07.2020 - 11:02:58

Corona-Krise reißt Ryanair in die Verlustzone - Angst vor zweiter Welle. Analysten hatten mit einem größeren Minus gerechnet.

rutschte um mehr als sechs Prozent ab.

Andere Unternehmen erwischte es noch heftiger. Der Kurs von Easyjet ging zwischenzeitlich um mehr als 13 Prozent in die Knie, der des weltgrößten Reisekonzerns Tui um 14 Prozent. Beide Gesellschaften sind stark von dem Geschäft mit britischen Urlaubern abhängig. Seit dem Jahreswechsel hat die Tui-Aktie jetzt rund 70 Prozent, die von Easyjet 64 Prozent an Wert eingebüßt. Ryanair kam mit einem Kursverlust von gut 30 Prozent vergleichsweise glimpflich davon.

So brach auch bei dem irischen Billigflieger die Zahl der Fluggäste wegen der Corona-Krise fast vollständig zusammen. Dennoch fiel der Verlust im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni mit 185 Millionen Euro niedriger aus als von Analysten erwartet. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 243 Millionen eingeflogen. Branchenexperte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein schrieb von einem verlorenen Quartal für Ryanair. Das Unternehmen erscheine jedoch stark aufgestellt, um nun wieder durchstarten zu können.

Ryanair hatte ähnlich wie andere Airlines wegen der Coronavirus-Pandemie seit Mitte/Ende März fast ihre gesamte Flugzeugflotte am Boden gelassen. Erst seit 1. Juli fährt die Rivalin von Easyjet und der Lufthansa-Tochter Eurowings ihr Flugangebot schrittweise wieder hoch. Im laufenden Monat sollten rund 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden. Im August sollen es 60 Prozent und im September 70 Prozent sein - "hoffentlich", wie das Unternehmen schreibt. Der Verlust soll dadurch geringer ausfallen als im abgelaufenen Jahresviertel bis Ende Juni.

Da beförderte Ryanair lediglich rund eine halbe Million Fluggäste - rund ein Prozent der knapp 42 Millionen aus dem entsprechenden Quartal des Vorjahres. Der Umsatz sackte im Jahresvergleich um 95 Prozent auf 125 Millionen Euro ab. Das Quartal sei das schwierigste in der 35-jährigen Geschichte von Ryanair gewesen, hieß es. Allerdings hätten die Bargeldreserven Ende Juni bei 3,9 Milliarden Euro gelegen. Zudem habe das Unternehmen 333 Maschinen im Wert von etwa sieben Milliarden Euro in seinem Eigentum, die nicht von Krediten belastet seien.

Ryanair hat mit Beschäftigten in vielen Ländern Gehaltskürzungen vereinbart, um einen großflächigen Stellenabbau zu verhindern. Eine entsprechende Vereinbarung mit deutschen Piloten war allerdings vergangene Woche gescheitert. Ryanair kündigte daraufhin die Schließung von Standorten in Deutschland an, darunter die Basis am Hunsrück-Airport Hahn.

Eine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2021 wagte das Management weiterhin nicht. Die größte Gefahr sei eine mögliche zweite Welle von Infektionsfällen im Spätherbst 2020. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Ryanair im Geschäftsjahr jetzt nur noch mit rund 60 Millionen Fluggästen. Zuletzt hatte das Unternehmen "weniger als 80 Millionen" erwartet, nachdem es ohne die Pandemie eigentlich hätten 154 Millionen werden sollen.

"Es ist unmöglich vorherzusagen, wie lange die Covid-19-Pandemie anhält", schrieb das Management. Bei Ryanair hofft man, dass die Regierungen der EU-Staaten eine effektive Nachverfolgung von Infektionsketten hinbekommen - und dass die Einwohner mit dem Tragen von Masken und einer strikten Handhygiene dazu beitragen, weitere Lockdowns und Reisebeschränkungen innerhalb der EU vermeiden helfen.

Erst am Wochenende hatte die britische Regierung für Rückkehrer aus Spanien überraschend eine 14-tägige Quarantäne-Pflicht verhängt. Der Reisekonzern Tui nahm daraufhin umgehend Urlaubsflüge von Großbritannien aufs spanische Festland aus seinem Programm.

Auch Ryanair ist in Großbritannien stark vertreten. Nach dem Austritt des Landes aus der Europäischen Union sieht die Airline-Führung weiterhin die große Gefahr, dass sich beide Seiten bis zum Ende der Brexit-Übergangsfrist am 31. Dezember nicht auf ein Handelsabkommen einigen. Ryanair hofft, dass Großbritannien und die EU zumindest ein Abkommen für den Flugverkehr zustande bekommen. Auch wenn Ryanair seinen Sitz in der EU hat, rechnet das Management mit negativen Auswirkungen auf das Geschäft.

Die Konzernführung hat bereits Schritte eingeleitet, um sicherzustellen, dass Ryanair nach einem No-Deal-Brexit mehrheitlich in der Hand von EU-Aktionären bleibt. Dazu kann sie die Stimmrechte von Anteilseignern von außerhalb der Europäischen Union beschränken. Dadurch sollen zumindest die Ryanair-Flugbetriebe in Irland, Österreich, Malta und Polen ihr Geschäft unbeschränkt aufrechterhalten können. Für ihren Flugbetrieb in Großbritannien müsste Ryanair in diesem Fall hingegen auf Abkommen zwischen der britischen Regierung und anderen Staaten hoffen.

In der Hängepartie um die bestellten Flugzeuge der Reihe Boeing 737 Max sieht Ryanair etwas Licht am Ende des Tunnels. Der Billigflieger rechnet nun damit, seine erste Maschine vom Typ 737 Max-200 noch vor Ende 2020 zu erhalten. Vor dem Sommer 2021 könnten es dann 40 Stück werden.

Nach dem Absturz zweier Boeing 737 Max bei anderen Airlines mit insgesamt 346 Toten gilt für die Reihe seit März 2019 weltweit ein Start- und Auslieferungsverbot. Als Hauptursache der Abstürze gilt eine fehlerhafte Steuerungssoftware. Boeing hatte die Probleme eigentlich längst behoben haben wollen, stattdessen kamen neue Mängel hinzu. Vor wenigen Tagen leitete die US-Luftfahrtaufsicht FAA allerdings die entscheidende Schlussphase der Wiederzulassung ein. Wenn alles glattgeht, könnte die 737 Max in den kommenden Monaten wieder zugelassen werden.

Ryanair ist bisher mit dem Vorgängermodell 737 NG unterwegs. Das Unternehmen hat 135 Exemplare des weniger spritdurstigen Nachfolgermodells bestellt, aber noch keines erhalten. Wegen der Corona-Krise kann die Airline neue Maschinen zwar derzeit kaum gebrauchen. In fünf oder sechs Jahren will Ryanair allerdings rund 200 Millionen Passagiere befördern - und setzt dabei auf die neuen Boeing-Jets.

@ dpa.de