Öl, Gas

CARACAS - Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó will Bewegung in den seit Wochen anhaltenden Machtkampf mit Staatschef Nicolás Maduro bringen und mobilisiert die Bevölkerung.

17.03.2019 - 16:44:24

Guaidó ruft zur 'Operación Libertad' auf. Am Sonntag besuchte der Oppositionsführer den Bundesstaat Vargas. Das Volk müsse sich organisieren, um die Machtergreifung Maduros zu beenden, schrieb der Oppositionsführer auf Twitter. Für Sonntag waren Kundgebungen Guaidós in Vargas und von seinen Unterstützern in weiteren Städten des südamerikanischen Landes vorgesehen.

Es habe eine neue Etappe der Organisation begonnen, sagte der 35-Jährige am Samstag vor Tausenden Unterstützern in der Stadt Valencia im Bundesstaat Carabobo. Er plane, so viele Bundesstaaten wie möglich zu bereisen und einen Marsch auf den Präsidentenpalast Miraflores in Caracas zu organisieren. Ein Datum dafür nannte er zunächst nicht.

Auch in anderen Städten des südamerikanischen Landes hielten Unterstützer Guaidós Versammlungen und Demonstrationen ab. Für die "Operación Libertad" ("Operation Freiheit") rief Guaidó auf Twitter die Bevölkerung dazu auf, sich in Komitees zu organisieren. Auch innerhalb der Streitkräfte solle man sich darauf vorbereiten, hieß es in einer Liste mit Stichpunkten, die der 35-Jährige veröffentlichte.

Der Präsident der regierungstreuen Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, rief das Volk zum Widerstand gegen Guaidó und dessen Gefolgschaft auf. Niemand dürfe zulassen, dass der vor Maduro von Hugo Chávez - einer Ikone der lateinamerikanischen Linken - geführte Präsidentenpalast "ein Haus für Geschäfte der Bourgeoisie und Oligarchie" werde. Bei einer Demonstration am Samstag in Caracas sagte Cabello, dass die Regierungsgegner nicht bis zum Miraflores kommen dürften. Außerdem brauche Venezuela eine "echte Opposition", die nicht von den USA gesteuert werde.

Guaidó hatte sich am 23. Januar selbst zum Interimspräsidenten des Landes mit den weltweit größten Ölreserven erklärt. Er sprach Staatschef Maduro die Legitimation ab, weil dessen Wiederwahl im vergangenen Jahr nicht demokratischen Standards entsprochen habe. Zahlreiche Regierungsgegner durften damals nicht kandidieren, das größte Oppositionsbündnis boykottierte die Wahl wegen unfairer Bedingungen. Zwar haben zahlreiche Länder Guaidó bereits als rechtmäßigen Übergangspräsidenten anerkannt, in Venezuela selbst konnte er sich bislang aber noch nicht durchsetzen. Vor allem das mächtige Militär hält weiterhin zu Staatschef Maduro.

Das Militär und Zivilisten begannen am Samstag mit einem Manöver zum Schutz der Strom- und Wasserversorgung des Landes, das auch am Sonntag fortgesetzt wurde. Bei den Übungen mit dem Namen "Ana Karina Rote" sollten Strategien zum Schutz der Versorgungssektoren "vor imperialistischen Attacken" trainiert werden, erklärte Maduro via Twitter. Er besuchte Zentralen des Stromversorgers Corpoelec und schwor die Arbeiter dort "auf das Vaterland" ein. Dazu überreichte er ihnen eine Nachbildung des Schwerts des Nationalhelden Simón Bolívar.

Zuletzt war Venezuela von einem massiven Stromausfall tagelang lahmgelegt worden. Der Linksnationalist Maduro machte einen angeblich von der Opposition und den USA geplanten Cyberangriff für den Kollaps der Energieversorgung verantwortlich. Die Regierungsgegner sehen den Grund hingegen in verschleppten Investitionen, Korruption und mangelhafter Wartung der Anlagen.

@ dpa.de

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