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BRÜSSEL / NEW YORK / BERLIN - Im weltweiten Kampf gegen die Corona-Pandemie mobilisiert die Staatengemeinschaft Milliardenbeträge.

29.06.2020 - 05:42:39

GESAMT-ROUNDUP: Milliarden gegen Corona - Tests für jedermann in Bayern. Beim internationalen Spendenmarathon sind für Impfstoffe und Behandlungen neue Hilfszusagen in Höhe von 6,15 Milliarden Euro zusammengekommen. Allein die EU-Kommission und Deutschland sagten bei einer virtuellen Geberkonferenz am Samstag zusammen knapp 5,3 Milliarden Euro zu. Damit stiegen die bisherigen Hilfszusagen auf 15,9 Milliarden Euro. Zum Abschluss der virtuellen Geberkonferenz traten am Abend internationale Stars bei einem großen Online-Konzert auf.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem unglaublichen Ergebnis. Der Spendenmarathon sei ein bewegender und zugleich greifbarer Moment der Einigkeit zwischen Bürgern, Regierungen, Philanthropen, Gesundheitsorganisationen und Wirtschaftsführern.

Deutschland sagte bei der Konferenz zusätzliche 383 Millionen Euro zu, während von der Leyen weitere 4,9 Milliarden Euro an EU-Mitteln ankündigte. "Ich bin der festen Überzeugung: Impfstoffe, Tests und Medikamente müssen weltweit verfügbar, bezahlbar und zugänglich sein", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Videobotschaft zum deutschen Beitrag.

Weltweit gibt es rund sechs Monate nach Beginn der Corona-Pandemie US-Wissenschaftlern zufolge bereits mehr als 10 Millionen bestätigte Infektionen - mehr als eine halbe Million Menschen starben nach einer Infektion. Das ging am Sonntag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Am schlimmsten sind die USA betroffen - mit rund 2,5 Millionen bestätigten Infektionen und mehr als 125 000 Opfern. In Deutschland zählte das Robert Koch-Institut bis Sonntagfrüh 193 499 Infektionen und 8957 Todesfälle.

Trotz der vergleichsweise niedrigen Infektions- und Todeszahlen in Deutschland warnte Merkel die Bürger vor Leichtsinn. "Die von dem Virus ausgehende Gefahr ist weiterhin ernst", sagte sie am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Merkel wiederholte explizit ihren Appell vom Anfang der Krise Mitte März: "Nehmen Sie es ernst, denn es ist ernst." Bei der Eindämmung des Virus seien neben der Politik weiterhin alle Bürger gefragt. "Wir alle müssen es weiter als unsere gemeinschaftlich empfundene Verpflichtung verstehen, dass jeder und jede Einzelne unser aller Schicksal in der Hand haben, indem wir uns an die Regeln halten: Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum und Händewaschen."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte vor einer zweiten Corona-Welle. "Wir müssen wirklich aufpassen", sagte er in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft. "Wir dürfen nicht riskieren, dass wir sogar noch schneller als befürchtet, vor dem Herbst, eine zweite Welle, eine schleichende Welle, und überall regionale Lockdowns bekommen."

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für jedermann einführen - unabhängig davon, ob man Symptome hat oder einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte am Sonntag eine "Corona-Testoffensive" an. "Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen." Die Kosten will der Freistaat übernehmen, soweit das nicht etwa die Krankenkasse macht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagierte zurückhaltend. "Umfangreiches Testen ist sinnvoll, insbesondere um regionale Ausbrüche schnell einzudämmen. Dazu haben wir das Testkonzept des Bundes bereits vor Wochen angepasst", sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zusätzliche Testangebote durch die Länder könnten das ergänzen. "Allerdings ist ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen."

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine zielgenaue Strategie. Grundsätzlich sei das Vorgehen Bayerns richtig. "Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden", sagte Lauterbach der Funke Mediengruppe. Im Herbst seien Massentests nötig.

Eine zweite Welle könnte sich - so die Befürchtungen - vor allem bei leichtsinnigem Verhalten in der soeben begonnen Sommerreisezeit aufbauen. Am Freitag starteten gleich sechs Bundesländer in die Ferien. Einen ersten Vorgeschmack auf die mögliche Entwicklung in den kommenden Wochen erhielten Badeorte an Nord- und Ostsee vor allem am Samstag. Bei hochsommerlichen Temperaturen stießen manche durch einen Touristenansturm an ihre Kapazitätsgrenzen, so etwa Scharbeutz und Haffkrug an der Ostsee, wo Parkplätze und Strände zeitweise voll waren. Am Sonntag sorgte ein Wetterumschwung für Entspannung.

Leicht entspannt hat sich nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Tönnies-Fleischbetrieb auch die Lage im Kreis Gütersloh. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen sehen bisher keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus in größerem Umfang unter der übrigen Bevölkerung verbreitet hat. Der Kreis berichtete am Samstag, die Zahl der nachweislich Infizierten, die keinen direkten Bezug zur Tönnies-Belegschaft haben, sei zuletzt zwar "merklich" gestiegen. Das liege aber vor allem an der starken Ausweitung der Tests. Viele der Infizierten zeigten keine Symptome.

Vom 21. bis 27. Juni sind demnach 107 Fälle in der übrigen Bevölkerung des Kreises Gütersloh bekannt geworden. Das sind 32 mehr als am Vortag berichtet. Im Nachbarkreis Warendorf waren nach Angaben der Behörden nur 2 der 4491 Corona-Tests positiv, die bis Samstagnachmittag ausgewertet wurden. "Der bisherige Trend zeigt, dass das Virus nicht auf die allgemeine Bevölkerung übergesprungen ist", so Landrat Olaf Gericke (CDU) am Abend.

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten wegen des Corona-Ausbruchs in dem Tönnies-Werk mit mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern wieder verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Der Ausbruch hatte zur Folge, dass sich Bund und Länder am Freitag auf Einschränkungen für Reisende aus Corona-Hotspots einigten. Diese dürfen nur dann in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht werden oder ohne Quarantänemaßnahme in ein Bundesland einreisen, wenn sie mit einem Attest nachweisen, dass sie keine Infektion haben.

Thüringen schert dabei aber aus: "Wir werden kein Einreise- und kein Beherbergungsverbot erlassen", sagte in Erfurt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mahnte daraufhin Einheitlichkeit an. "Ich appelliere an alle Beteiligten, an diesem Kompromiss festzuhalten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

@ dpa.de

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