Wizz Air, JE00BN574F90

BRÜSSEL - "Die Wahrnehmung unserer Branche ist nicht gut." Nicht nur dem erfahrenen Luftfahrtmanager und IATA-Präsidenten Willie Walsh ist bewusst, dass die Luftverkehrsindustrie mächtig unter Druck steht.

22.11.2021 - 16:13:30

Luftfahrtbranche uneinig über Wege aus der Klimakrise. Am Montag diskutierte die Branche in Brüssel auf Einladung der Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol, wie man aus der Klimakrise herauskommen könnte.

will bis zum Jahr 2035 ein erstes marktreifes Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen und damit CO2-neutrales Fliegen möglich machen. Derzeit arbeitet der Konzern noch an den technischen Grundlagen.

"Sie haben einen Plan. Aber der erreicht nicht, die Emissionen in den nächsten zehn Jahren zu senken", hält William Todts von der NGO "Transport&Environment" den versammelten Airlinern entgegen. Sie müssten wirkliche Reduzierungen erreichen oder ihr Geschäft verkleinern. Sollte technische Innovationen zu wenig bringen, könnten sie nicht zum Flugaufkommen von 2019 zurückkehren.

Dies wäre nun so gar nicht nach dem Geschmack der Billigflieger Ryanair und Wizz Air. Ryanair-Konzernchef Michael O'Leary wie auch sein Budapester Wizz-Air-Counterpart József Váradi verweisen auf den geringen Durchschnittsverbrauch ihrer vergleichsweise sehr jungen Flugzeugflotten und preisen Bestellungen hunderter zusätzlicher Flugzeuge als Fortschritt für die Umwelt. Kein Wort dazu, dass ihre sehr hohen Auslastungszahlen teils nur mit Dumping-Tickets für 5 Euro Stückpreis erreicht werden können, wie Ryanair sie erst kürzlich wieder angeboten hat.

Die Passagiere, so O'Learys provokante These, sollten doch einfach in seine Jets umsteigen und den alten Staatsgesellschaften mit ihren klimaschädlichen Flotten den Rücken kehren, wenn sie etwas für die Umwelt tun wollten. Besonders klimaschädlich seien Langstreckenflüge und opulente Business-Klassen - zwei Produkte, die Ryanair nicht anbietet. Auch Váradi beschwert sich über vielfältige und intransparente Besteuerung sowie über die aus seiner Sicht einseitige Bevorzugung der Konzerne Lufthansa, IAG und Air France-KLM . Diese seien auch in der Corona-Krise von den Staaten stark gefördert worden.

Einig sind sich die Billigflieger zudem in ihrer Kritik des europäischen Flugsicherungssystems, das von einem einheitlichen Luftraum immer noch weit entfernt sei. Bei einer effizienten und deregulierten Organisation der Flugsicherungen könnten aus seiner Sicht bis zu 20 Prozent Kerosin gespart und 95 Prozent der Verspätungen beseitigt werden, sagte O'Leary. Dies könne man schnell umsetzen, wenn die Staaten denn mitziehen würden.

@ dpa.de