Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Vorösterliche Zurückhaltung

10.04.2017 - 11:50:24

Börse Frankfurt-News: Vorösterliche Zurückhaltung. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 10. April 2017. Nach dem Abwärtsimpuls der vergangenen Woche liefern die DAX-Charts Analysten zufolge gegenwärtig widersprüchliche Signale.

Nach einer aus Anlegersicht eher vorsichtigen Woche - der DAX verabschiedete sich am Freitag bei einem Stand von 12.225 Punkten aus dem Handel und verlor damit 0,7 Prozent an Wert - wird es den Aktienmärkten nach Ansicht von Analysten vor den Feiertagen schwerfallen, nennenswert an Boden gutzumachen.

"Während die Geldpolitik derzeit offenbar keine großen Sorgen bereitet, rückt die Weltpolitik stärker in den Fokus der Anleger", beobachtet Ulf Krauss von der Helaba. Mit dem US-Raketenangriff auf das syrische Militär drohe die fragile geopolitische Lage noch unübersichtlicher zu werden, wenngleich die politischen Unsicherheiten an den Aktienmärkten bislang weitgehend ignoriert worden seien.

Robert Halver stellt die Frage einer möglichen Neubewertung der Aktienmärkte in den Raum. Nach einem starken ersten Quartal hingen die großen Indizes gegenwärtig unter ihren Höchstständen fest. "Institutionelle Anleger sitzen auf satten Gewinnpolstern, sind derzeit also nicht in der Notlage, investieren zu müssen", schätzt der Analyst der Baader Bank. Sie warteten vermutlich den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl sowie Einzelheiten zu den Konjunkturplänen der Trump-Administration ab. Hinzu kämen Diskussionen unter den Offenmarktausschuss-Mitgliedern hinsichtlich der Reduzierung des billionenschweren Anleihe-Portfolios der Federal Reserve.

Bullen bleiben am Ball

Aus technischer Perspektive ist der DAX zwar gescheitert, das vor zwei Jahren markierte Allzeithoch bei 12.390 Punkten zu überwinden. Ulrich Wortberg von der Helaba sieht den Aufwärtstrend dennoch intakt. "Die gleitenden Durchschnitte richten sich unisono gen Norden." Skeptisch stimmten hingegen die quantitativen Indikatoren, die zum Teil Verkaufssignale und negative Divergenzen offenbarten. Zudem lasse der DAX auf eine nachlassende Trendstärke schließen. "Ein erneuter Test des Jahreshochs ist zwar noch möglich, die Wahrscheinlich sinkt aber.

Charttechnisch erkennt die Baader Bank eine Fortsetzung der DAX-Konsolidierung auf hohem Niveau, wenn die Unterstützung bei 12.219 Punkten unterschritten wird. "Darunter geben dann die Marken bei 12.159 und 12.083 Punkten Halt, bevor der deutsche Aktienindex bei 12.010 Zählern auf eine weitere Unterstützung trifft." Setze der DAX seinen intakten langfristigen Aufwärtstrend fort und überwinde dabei nachhaltig den Widerstand bei 12.313 Punkten, liege die nächste Barriere am bisherigen Allzeithoch bei 12.391 Punkten. "Darüber ist der Weg zu neuen Höchstständen zunächst frei."

F&E-Ausgaben stützen Industrialisierung

Das wirtschaftliche Fundament stabilisiere sich indes, wie Helaba-Analyst Stefan Mütze meint. "Die Einkaufsmanagerindizes im Verarbeitenden Gewerbe sind zuletzt sowohl in den USA als auch in Europa deutlich angestiegen und signalisieren mehr Dynamik." Dies sei auch dringend erforderlich. "Nur die deutsche Industrieproduktion hat mittlerweile das Niveau vor der großen Wirtschafts- und Finanzkrise leicht überschritten." Frankreich liege noch 10 Prozent darunter, Italien und Spanien gar noch über 20 Prozent. Auch die USA seien dort noch nicht wieder angekommen.

Für Mütze hat eine höhere Industrieaktivität viel mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung eines Landes zu tun, protektionistische Maßnahmen wirkten sich tendenziell negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus. Deutschland liege hier mit einem Wert von 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts etwas höher als die USA mit 2,8 und Frankreich mit 2,2 Prozent. Dem gegenüber seien Italien Spanien mit 1,3 und 1,2 Prozent deutlich abgeschlagen. China habe seine Aufholjagd fortgesetzt und seine F&E-Ausgaben auf mehr als 2 Prozent gesteigert.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag 11. April

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Indikator April. Mit der Umfrage unter Finanzmarktexperten liefert das ZEW die ersten Stimmungsindikatoren zur deutschen Konjunktur zum Auftakt des 2. Quartals. Insgesamt dürften sich die Umfrageteilnehmer nach Meinung der HSBC unter anderem aufgrund der guten Aktienmarktentwicklung zuversichtlich zeigen. Sowohl für die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungshaltung rechnen die Analysten der Großbank mit einer Verbesserung. Die zentrale Frage sei nun, ob die harten Konjunkturdaten mit den guten Stimmungswerten Schritthalten können.

Freitag, 14. April

14.30 Uhr. USA: Konsumentenpreise März. Nach sieben Anstiegen in Serie folgt laut DekaBank im März ein Rückgang von 2,7 auf 2,6 Prozent. Hauptverantwortlich für die Entwicklung seien die Energiepreise. Zwar habe sich Benzin gegenüber dem Vormonat verteuert. Der Zuwachs sei aber geringer als üblich, saisonal bereinigt stehe ein Preisrückgang zu Buche. Lasse man Energie- und Nahrungsmittelpreise außen vor, steige die Kernrate im März von 2,2 auf 2,3 Prozent. Die Veränderung auf Jahressicht läge damit zum fünfzehnten Mal in Folge in einem engen Band zwischen 2,1 und 2,3 Prozent.

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von: Iris Merker

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