Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Erfolg weckt Risikofreude

10.10.2018 - 16:27:24

Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Erfolg weckt Risikofreude. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Gegen den Preistrend steigen die Profis in deutsche Bluechips ein, was die

bestehende Seitwärtsbewegung festigen sollte.

10. Oktober 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die von den Börsianern

während der vergangenen beiden Wochen wahrgenommenen Risiken haben sich

zuletzt wieder deutlich erhöht. Zum einen, weil Italiens Haushalt mit einer

Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2019

nicht mit den Vorstellungen der EU übereinstimmt.

Und weil Italien auf seinem Standpunkt beharrt und selbst der bis vor kurzem

noch gemäßigt wirkende parteilose Finanzminister Giovanni Tria gestern

plötzlich harschere Töne anschlug, waren die Renditen zehnjähriger

italienischer Staatsanleihen zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als

viereinhalb Jahren gestiegen.

Nicht zuletzt, weil ein handfester Streit zwischen Italien und der EU droht.

Zum anderen ist wohl vielen Akteuren erst jetzt klar geworden, dass die US-

Notenbank mit ihrer Strategie schrittweiser Zinserhöhungen auch im kommenden

Jahr fortfahren dürfte.

Auch weil selbst als Zinstauben bekannte Mitglieder des

Offenmarktausschusses der Fed mit diesem Kurs, wonach man bis Mitte 2019 mit

drei weiteren Zinsschritten gut leben kann, einverstanden scheinen. So

gesehen ist es auch kein Wunder, dass die Renditen langlaufender US-

Staatsanleihen zuletzt auf dem höchsten Niveau seit Mai 2011 notierten.

Trotz all dieser Widrigkeiten hat sich die Stimmung der von uns befragten

mittelfristig orientierten institutionellen Marktteilnehmern seit unserer

vergangenen Erhebung von vor 14 Tagen wieder deutlich verbessert. Dies kommt

in unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index zum Ausdruck, der um satte 38

Punkte auf einen Stand von +28 Punkte gestiegen ist und damit wieder fast

das Niveau der Erhebung vor zwei Wochen erreicht hat. Dieser drastische

Stimmungswechsel dürfte jedoch weniger einem nachhaltigen Optimismus

geschuldet sein. Vielmehr beobachten wir, dass zuletzt knapp ein Fünftel der

Teilnehmer dieses Panels die DAX-Entwicklung eigentlich als groß angelegte,

nach unten geneigte Seitwärtsbewegung versteht und sich diese seit einigen

Wochen mit vermutlich gutem Erfolg zunutze macht.

Und nachdem sich diese recht aktive Gruppe zuletzt auf fallende Börsenkurse

eingestellt hatte, wurden die entsprechenden Engagements wahrscheinlich rein

aus preislichen Erwägungen - der DAX hat seit unserer vergangenen Erhebung

immerhin im Punktvergleich 3,4 Prozent an Wert verloren - zurück gedeckt.

Nicht nur das: Aufgrund der seit einigen Wochen erfolgreichen Strategie

haben sich fast alle betroffenen Akteure bullish engagiert. Letztlich vor

dem Hintergrund, dass die Vermögensverwalter die negative DAX Performance

dieses Jahres (rund minus 7,5 Prozent) etwas verbessern möchten.

Privatanleger bleiben zurückhaltend

Dergleichen scheinen Privatanleger indes kaum im Sinn zu haben. So hat sich

deren Stimmungsbild konträr zu dem der institutionellen Pendants entwickelt.

Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieser Gruppe ist um 12 Punkte auf

einen Stand von +7 Punkte gefallen. Dabei haben vor allen Dingen zuletzt

neutral gestimmte Akteure - begleitet von Gewinnmitnahmen früherer

Optimisten - das Bärenlager aufgesucht. Dabei fällt auf, dass 85 Prozent der

Befragten durchaus eine dezidierte Meinung zum DAX haben - die Gruppe der

neutral eingestellten Börsianer ist nämlich auf den niedrigsten Stand seit

einem Jahr gefallen.

Per Saldo ist der Mut einiger institutioneller Marktteilnehmer bemerkenswert

und speist sich wahrscheinlich nicht aus fundamentalen Überzeugungen,

sondern vor allen Dingen aus dem Erfolg der Transaktionen der Vorwochen, mit

denen vielerorts vermutlich ein beachtliches Ertragspolster geschaffen

wurde. Mit anderen Worten: Man kann es sich leisten, etwas zu riskieren.

Deswegen dürften diese bullishen Akteure gegen überschaubare Kursverluste

des DAX, vielleicht bis 11.600 Punkte, relativ immun sein und werden

voraussichtlich nicht so schnell die Notbremse ziehen. Und sollte das

Börsenbarometer tatsächlich erneut anziehen, ist es das Angebot dieser

Investoren, das größere Kurssprünge abfangen wird. Denn die risikofreudigen

Optimisten von heute dürften bei erster Gelegenheit ihre Gewinne mitnehmen.

10. Oktober 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Wenn Sie an der Sentiment-Erhebung teilnehmen möchten, senden Sie eine E-

Mail an: sentiment@deutsche-boerse.com

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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