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Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Furcht vor der zweiten Welle

29.06.2020 - 09:35:24

Börse Frankfurt-News: Furcht vor der zweiten Welle. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Anleger sind weiter hin- und her gerissen zwischen der Angst vor einer neuen

Corona-Infektionswelle und nicht wenigen Konjunkturdaten, die Hoffnung schöpfen

lassen. Aktuell haben wieder die Bären die Oberhand.

29. Juni 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Stimmung bleibt angeschlagen,

die hohen Neuinfektionszahlen vor allem in den USA bremsen die Märkte aus. Der

Dow Jones hatte am Freitag nur noch knapp über 25.000 Punkte geschlossen, der

Anstieg aus dem Juni ist damit dahin.

Der DAX steht nach einem Minus von fast 2 Prozent in der Vorwoche am

Montagmorgen bei 12.080 Punkten, nahezu unverändert zum Freitag. "Insgesamt

zeigt die Nachrichtenlage, dass die Folgen der Pandemie noch immer

herausfordernd für verschiedene Wirtschaftszweige sind", erklärt Christian

Schmidt von der Helaba. Als Beispiele nennt er die Airlines und die

Flughafenbetreiber. "Der Hamburger Airport rechnet damit, in diesem Jahr 100

Millionen Euro Verlust einzufahren. Die Rückkehr zum Flug- und

Passagieraufkommen der Vor-Corona-Zeit sei nicht vor 2025 zu erwarten."

"Nur dramatische zweite Infektionswelle mit großen Aktieneinbrüche als Folge"

Laut Robert Halver von der Baader Bank ist weiter mit zwischenzeitlichen

Aktienkorrekturen zu rechnen. "Die umfangreichen geld- und fiskalpolitischen

Maßnahmen haben an Furore verloren", bemerkt Halver, zudem fachten die USA den

transatlantischen Handelskonflikt wieder an. "Der US-Präsident wird

insbesondere wegen seines Umfragerückstands zu Joe Biden bis zu den Wahlen im

November sicher weiterhin mit verunsichernden Schüssen aus der Hüfte

auffallen." Hinzu kämen zeitweise irritierende Meldungen von der Corona-Front.

"Allerdings bedeutet dies nicht das Ende der Erholungsbewegung", meint Halver.

Die Liquiditätshausse, das Fehlen einer veritablen Alternativanlageform und der

harte Konkurrenz- und damit Investitionsdruck unter Vermögensverwaltern seien

wichtige Stützpfeiler für Aktien. "Nur eine wider Erwarten dramatische zweite

Infektionswelle mit umfangreichen Wiederschließungen der Wirtschaft würde große

Aktieneinbrüche bewirken."

"Geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen haben an Furore verloren"

Nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank zeigen sich

Aktien in einem labilen Umfeld erstaunlich robust, was für Zukäufe großer

institutioneller Anleger spreche. Viele hätten die rasante Erholung seit Ende

März wohl verpasst und suchten nach Einstiegsgelegenheiten. Doch hätten die

Aktienmärkte schon viel an Erholungsfantasie nachvollzogen, Schickentanz

rechnet daher kurzfristig mit einer Fortsetzung der Konsolidierung. "Auch aus

der nahenden Berichtssaison sind angesichts des Quartals als Tiefpunkt der

Geschäftstätigkeit in den USA und Europa kaum große Positivimpulse zu

erwarten."

Charttechnik deutet auf weitere Verluste

Christian Schmidt zufolge wird auch in der neuen Woche beim DAX die 200-

Tagelinie bei 12.155 sowie der 144-Tagedurchschnitt bei 11.953 Punkten im Fokus

stehen. Dafür spreche auch die Chartkonstellation auf Wochenbasis. "Beim Blick

auf die Grafik wird deutlich, dass der Index zum zweiten Mal in Folge mit dem

Versuch gescheitert ist, die auf das März-Tief zurückgehende lineare Regression

bei 12.560 Zählern sowie das 76,4-Prozent-Fibonacci-Level zu überwinden."

Außerdem schwäche sich der ADX (Average Directional Movement Index) ab, das

Volumen falle seit geraumer Zeit unterdurchschnittlich aus, und insbesondere

der Kaladeiscope-Indikator weise eine sehr ausgeprägte Seitwärtsphase auf. "In

der Vergangenheit folgten darauf häufig Abwärtsimpulse."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 30. Juni

3.00 Uhr. China: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Juni. Die Erholung

der chinesischen Wirtschaft setzt sich fort, erklärt die DekaBank. Die neuen

Corona-Fa?lle in der Hauptstadt Peking und die darauffolgende Beschränkung

hätten sich wohl nicht nennenswert in den landesweiten Zahlen niederschlagen.

Wegen der schwachen Auftragslage im Exportsektor wird der Einkaufsmanagerindex

aber nur auf 50,5 Punkte geschätzt.

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise Juni: Die DekaBank geht davon aus, dass

die Inflation im Juni wieder auf 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat

zugenommen hat. Ausschlaggebend hierfür seien höhere Preise von Benzin und

Diesel sowie die im Jahresvergleich immer noch kräftige Teuerung bei

Lebensmitteln.

Mittwoch. 1. Juli

9.55 Uhr. Deutschland: Arbeitslosenzahlen Juni. Wegen der umfangreichen

Kurzarbeit rechnen Ökonomen noch nicht mit deutlich steigenden Zahlen, die

Helaba erwartet zum Beispiel nur einen Anstieg von 6,3 Prozent im Mai auf 6,4

Prozent im Juni.

20.00 Uhr. USA: Protokoll der Notenbanksitzung vom 10. Juni.

Donnerstag, 2. Juli

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahlen Juni. Mit der fortschreitenden

Wiedereröffnung von Betrieben dürfte die Beschäftigung der Commerzbank zufolge

weiter zugelegt haben, vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe. Für einen

Beschäftigungsanstieg spreche auch, dass etwa die Automobilhersteller ihre

Werke wieder hochgefahren haben. Außerdem dürfte der Staatssektor wieder

Personal eingestellt haben. Die Analysten erwarten daher ein Stellenplus von 4

Millionen und einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 13,3 auf 11,8 Prozent.

Freitag, 3. Juli

USA: Feiertag. Die Märkte bleiben geschlossen wegen Independance Day am 4.

Juli.

Von: Anna-Maria Borse

29. Juni 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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