Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Befreiungsschlag oder Übermut?

11.04.2018 - 16:03:24

Börse Frankfurt-News: Befreiungsschlag oder Übermut?. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 11. April 2018. Die Stimmung steigt, aber eher wegen der Kapitulation ehemaliger Bären vor den steigenden DAX-Preisen. Das recht geringe Maß an Optimisten stimmt positiv.

Ein Wochengewinn, der im Punktvergleich nach den vorherigen Verkaufswellen 4 Prozent beträgt, kann sich - wie im Falle des DAX - tatsächlich sehen lassen. Im Fußball würde man von einem Befreiungsschlag sprechen. Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein, aber tatsächlich ist es der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der sich beruhigt zu haben scheint und so zumindest temporär den Börsianern einen gravierenden Angstfaktor genommen hat. Andere wiederum behaupten, vor allen Dingen US-Unternehmen hätten eine fantastische Berichtssaison vor sich, weswegen man auch hierzulande nicht pessimistisch in die Zukunft zu blicken bräuchte.

Dabei sind die Risiken keineswegs vom Tisch, denn ob sich der chinesische Präsident Xi Jinping in der Praxis in Sachen Handelskonflikt tatsächlich so konziliant zeigen wird wie bei seiner Rede zu Beginn der Woche, wird sich erst noch erweisen müssen. Ganz zu schweigen von den Ereignisrisiken ökonomischer Natur wie den heutigen Zahlen zur Entwicklung der US-Konsumentenpreise, das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung oder die für morgen anberaumte Veröffentlichung der Zusammenfassung der vergangenen EZB-Sitzung.

Dennoch hat sich die Stimmung der institutionellen Investoren, die wir allwöchentlich befragen, noch einmal verbessert. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um weitere 7 Punkte auf einen stolzen Stand von +27 Punkte gestiegen. Dabei fällt allerdings auf, dass der jüngste Zuwachs keineswegs auf einem Zulauf im Bullenlager beruht, sondern fast ausschließlich deswegen zustande gekommen ist, weil frühere Pessimisten das Handtuch geworfen und sich zunächst an die Seitenlinie, also zur Gruppe der neutral gestimmten Akteure, hinzu gesellt haben. Mit anderen Worten: Diese Verschiebung beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer kleinen Kapitulationswelle. Zumindest hat keiner der Befragten, sie machen immerhin 7 Prozent des Panels aus, den Mut gehabt, sich aus purer Überzeugung sofort zu den Optimisten zu begeben.

Agile Privatanleger

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Privatanlegern zu beobachten, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index sich um 17 Punkte auf einen Stand von nunmehr +17 Punkte befestigt hat. Allerdings zeigt sich diese Gruppe wesentlich agiler als die institutionellen Pendants. Möglicherweise wegen vergangener Erfolge: 70 Prozent der wechselwilligen Pessimisten sind direkt ins Bullenlager gewechselt.

Die heutige Erhebung zeigt, dass doch viele der früheren Pessimisten ihre Haltung aufgegeben haben - bei den institutionellen Akteuren ist diese Gruppe sogar auf den niedrigsten Stand seit Ende 2015 gesunken. Gut möglich, dass ein guter Teil des Kursanstiegs beim Börsenbarometer auf die von uns erwähnte kleine Kapitulationswelle zurückgeht.

Betrachtet man die heutigen absoluten Stände der Börse Frankfurt Sentiment-Indizes, könnte man auf die Idee kommen, dass dieser Anteil zumindest bei den institutionellen Investoren recht hoch ist. Allerdings rangierten die höchsten Sentiment-Indexstände dieses Jahres noch ein wenig höher, vor allem getragen durch ein erheblich größeres Bullenlager (60 Prozent!) als heute. In der relativen Betrachtung, also im Rückblick auf die vergangenen drei und sechs Monate, kann man immer noch nicht von einem Übermut der Institutionellen sprechen.

Dies gilt schon gar nicht für die Privatanleger, die in dieser relativen Betrachtung mit den heutigen Werten gerade einmal eine neutrale Markteinstellung erreicht haben. Für den DAX bedeutet dies, dass die derzeitige Stabilisierung noch fortbestehen kann. Dabei würde bei erneuten Rücksetzern womöglich vor Erreichen neuer Jahrestiefs im DAX genügend stützende Nachfrage vorhanden sein.

11. April 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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