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Vonovia, DE000A1ML7J1

BOCHUM - Für Deutschlands größten Immobilienkonzern Vonovia läuft das Geschäft dank steigender Mieten in Großstädten und Übernahmen im Ausland weiterhin gut.

05.11.2019 - 14:23:44

Vonovia wächst weiter - Aktionären winkt höhere Dividende. Bei dem Jahresziel für den operativen Gewinn (FFO) will der Vorstand das obere Ende der prognostizierten Spanne von 1,165 bis 1,215 Milliarden Euro erreichen, wie das Unternehmen bei Vorlage der Neunmonatszahlen am Dienstag in Bochum mitteilte. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende für 2019 soll um 13 Cent auf 1,57 Euro je Aktie steigen.

BOCHUM - Für Deutschlands größten Immobilienkonzern Vonovia läuft das Geschäft dank steigender Mieten in Großstädten und Übernahmen im Ausland weiter gut. Bei dem Jahresziel für den operativen Gewinn (FFO) will der Vorstand das obere Ende der prognostizierten Spanne von 1,165 bis 1,215 Milliarden Euro erreichen, wie der Konzern am Dienstag in Bochum mitteilte. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende für 2019 soll um 13 Cent auf 1,57 Euro je Aktie steigen.

Im kommenden Jahr will Vonovia noch mehr verdienen. Das operative Ergebnis soll 2020 auf rund 1,275 bis 1,325 Milliarden Euro steigen. Das wäre ein Plus von rund sieben Prozent im Vergleich zum erwarteten Ergebnis für 2019.

An der Börse wurde der erste Ausblick auf das kommende Jahr jedoch mit Enttäuschung aufgenommen. Die Aktie verlor am Nachmittag 2,07 Prozent auf 46,93 Euro und war damit einer der schwächsten Werte im Dax . Seit Jahresbeginn hat der Kurs aber um fast ein Fünftel zugelegt.

Das Ziel für den FFO für das kommende Jahr sei etwas niedriger als erwartet, schrieb Analyst Thomas Rothäusler vom Analysehaus Jefferies. Das Management sei mit Blick auf Mietsteigerungen vorsichtiger geworden - wohl vor allem wegen des schwierigeren regulatorischen Umfelds. Nach Ansicht von UBS-Analyst Charles Boissier hat zwar die Entwicklung in Berlin den Konzern etwas gehemmt, aber die Aussichten blieben gesund.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summierte sich der operative Gewinn auf 932,8 Millionen Euro, rund elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dazu trugen höhere Mieten, niedrigere Finanzierungskosten sowie die Auslandszukäufe bei. Die Mieteinnahmen stiegen mit weiterhin geringem Leerstand um knapp zehn Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Die Nettomiete legte auf 6,69 Euro pro Quadratmeter zu, ein Plus von vier Prozent.

Zudem steckte Vonovia mit 964 Millionen Euro fast 50 Prozent mehr in Modernisierung und Neubau als ein Jahr zuvor. Bis Ende des Jahres will der Konzern in Deutschland, Österreich und Schweden rund 2150 Wohnungen fertigstellen oder mit ihrem Bau beginnen.

Vonovia steht wie auch alle anderen großen Immobilienkonzerne seit einiger Zeit wegen anziehender Mieten in der Kritik. Wohnen bleibe ein sensibles Thema, sagte Konzernchef Rolf Buch. Bezahlbarer Wohnraum sei in Ballungszentren knapp. Mit einer monatlichen Durchschnittsmiete von 6,69 Euro pro Quadratmeter sei Vonovia kein Luxusanbieter.

Zum geplanten Mietendeckel in Berlin sagte er: "Für uns ist Berlin nicht so relevant." Die Mieteinnahmen von Vonovia würden 2020 durch den Mietendeckel um sechs Millionen Euro reduziert. Das sei "nicht ganz so dramatisch". Insgesamt rechnet Vonovia 2020 mit Mieteinnahmen von rund 2,3 Milliarden Euro. Nur etwa jede zehnte Wohnung von Vonovia befindet sich in der Hauptstadt.

Die neue Gesetzgebung in Berlin trifft nach Buchs Ansicht aber Eigentümer von gut sanierten Altbauten, die sich Geld von Banken für den Wohnungskauf geborgt hätten und die Darlehen mit Mietsteigerungen refinanzieren wollten. Bei einer Kappung der Mieten könnten solche Eigentümer dazu gezwungen werden, ihre Wohnungen wieder zu verkaufen. Dies mache auch den Banken in Berlin Sorgen. Zudem geht Buch davon aus, dass in Berlin weniger neue Wohnungen gebaut und auch weniger alte Wohnungen renoviert werden.

Der Berliner Senat will die Mieten für 1,5 Millionen Wohnungen, die vor dem Jahr 2014 gebaut wurden, fünf Jahre lang einfrieren. Demnach sollen maximal 9,80 Euro Kaltmiete je Quadratmeter erlaubt und auch Rückzahlungen bei überhöhten Mieten möglich sein. Rund 10 Prozent der rund 400 000 Wohnungen von Vonovia sind in Berlin. Es zahle sich aus, dass Vonovia einen von regionalen Schwankungen unabhängigen Wohnungsbestand habe, erläuterte Buch.

Vonovia wächst seit Jahren durch Übernahmen. Zuletzt expandierte der Konzern auch ins Ausland. In Schweden steigt Vonovia durch die am Dienstag von der dortigen Fusionskontrollbehörde genehmigte Übernahme des Immobilienkonzerns Hembla AB zum größten Wohnungsunternehmen auf. Vonovia hatte für mehr als 1,1 Milliarden Euro knapp 70 Prozent an Hembla gekauft und wird jetzt den restlichen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Die Bochumer werden damit rund 38 000 Wohnungen in Schweden besitzen.

Seit Jahren verdient Vonovia dank der anziehenden Mieten in den Großstädten glänzend. Dabei profitiert der Konzern wie andere aus der Branche vor allem von modernisierten Wohnungen. In der Regel können Vermieter die Mieten nach einer Modernisierung auch stärker erhöhen. Wegen der Wohnungsnot setzt der Konzern verstärkt auch auf Neubau und Gebäude-Aufstockungen.

Mit Blick auf die anhaltenden Mieterproteste wegen der teils kräftigen Mieterhöhungen hatte Buch Ende 2018 einen Strategiewechsel angekündigt. Künftig steckt Vonovia deutlich weniger in die energetische Modernisierung wie die Dämmung oder den Austausch alter Fenster in Deutschland. Stattdessen nimmt der Konzern mehr Geld für den Neubau und für die zugekauften Wohnungen in Schweden in die Hand. Seit Anfang des Jahres hat die Bundesregierung das Mietrecht zugunsten von Mietern verschärft.

@ dpa.de