Stellantis, NL00150001Q9

BERLIN - Wer ein neues Auto kauft, muss immer länger darauf warten.

03.11.2021 - 13:15:59

Ein halbes Jahr Warten auf den Neuwagen - Engpässe treffen Kunden. "Je nach Fabrikat und Modell hat sich die Lieferzeit bei einem Großteil auf drei bis sechs Monate eingependelt", sagte Marcus Weller, Marktexperte beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, der Deutschen Presse-Agentur. Bei manchen Premiummodellen müssten Kunden sogar neun Monate bis ein Jahr lang warten, bis sie den Wagen in Empfang nehmen können.

und großen Zulieferern wie Continental suchen eigens gebildete "Taskforces" den Weltmarkt rund um die Uhr nach Restmengen vor allem der knappen Mikrochips ab.

Doch das, was überhaupt erhältlich ist, reicht häufig nicht aus. Vor manchen Werken stauen sich bereits "Halden" halb fertiger Autos, die bei Eintreffen fehlender Teile rasch nachgerüstet und erst dann ausgeliefert werden. Einige Autobauer sind aber sogar dazu übergegangen, Modelle ohne bestimmte Sonderausstattungen auf die Straße zu lassen, um die Systeme später zu ergänzen.

In der Produktion fallen aufgrund des Teilemangels Schichten aus, teils über ganze Wochen. Gleichzeitig steigen die Autopreise, denn zusätzlich zur allgemeinen Verknappung des Angebots werden Rabatte gekürzt. Und die Hersteller reservieren diejenigen Chip-Chargen, die sie bekommen können, zunächst oft für höherpreisige Modelle. Oberklasse-Modelle waren im Oktober das einzige Auto-Segment mit steigende Verkaufszahlen.

Auch das Ausweichen auf einen Gebrauchtwagen kann für Verbraucher teurer werden. Die Preise zogen in einigen Segmenten zuletzt noch stärker an als bei neuen Autos. Auch im September legten - ähnlich wie in den Vormonaten - typische dreijährige Gebrauchte noch einmal zu, wie aus Zahlen des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hervorgeht.

Bei Benzinern etwa stieg der durchschnittliche Weiterverkaufspreis auf zuletzt 58 Prozent des einstigen Listen-Neupreises, nach 55,5 Prozent etwa im Juni. "Wegen der anhaltenden Engpässe auf dem Neuwagenmarkt sind Gebrauchtwagen weiterhin begehrt", bilanzierte die DAT.

Damit bleibt die Situation auf dem für viele Verbraucher und auch für die deutsche Industrie so wichtigen Automarkt paradox. Der Teilemangel bei den Anbietern trifft auf eine Nachfragesituation, die eigentlich kaum besser sein könnte. "Die Kunden möchten mehr Autos kaufen", heißt es beim Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller.

Doch die Hersteller können längst nicht so viel ausliefern, wie theoretisch möglich wäre, weil ihnen die Mikrochips sowie manche Rohstoffe fehlen. Nach vorschnell gekündigten Verträgen mit Chipproduzenten oder gekappten Volumina in der Corona-Verkaufsdelle Mitte 2020 kommen jetzt verschärfend noch Kapazitätsengpässe der Halbleiterindustrie in Asien und den USA dazu.

"Besonders anfällig für lange Lieferzeiten sind aktuell vor allem Elektrofahrzeuge", sagt Autoexperte Reindl. Sie seien sowohl bei der Ansteuerung des Antriebs als auch bei Assistenz- und Kommunikationssystemen stärker auf Halbleiterelemente angewiesen als Verbrenner-Fahrzeuge.

Auch die Stromer verkauften sich im Oktober etwas schlechter als im Oktober. Dennoch war der Marktanteil der batterielektrischen Autos und Plug-in-Hybride mit zusammen 30,4 Prozent so hoch wie nie - denn die Verbrenner ließen stärker nach.

"Wir gehen derzeit davon aus, dass weltweit in diesem Jahr rund zwölf Prozent mehr Fahrzeuge verkauft werden könnten, wenn keine Probleme mit den Lieferketten bestehen würden", bemerkt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. In Deutschland seien es 15 Prozent.

Eine Entspannung auf den Zuliefermärkten sei in den kommenden Monaten nicht in Sicht. "Es bleibt zu hoffen, dass sich die Engpässe ab 2022 sukzessive auflösen - wenngleich nicht gänzlich." Denn darunter litten nicht nur Autohersteller und -zulieferer, sondern insbesondere auch der Autohandel. Wenn Händler bestellte Fahrzeuge nicht ausliefern könnten, fehle Umsatz und Ertrag. "Dies könnte zu einer ruinösen Spirale in der Automobilwirtschaft führen."

@ dpa.de

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