Produktion, Absatz

BERLIN - Vor dem Hintergrund der Einstellung von Strom- und Gaslieferungen durch Energiediscounter hat der Interessenverband der deutschen Energiewirtschaft ein Eingreifen der Politik gefordert.

23.12.2021 - 15:45:01

Strom-Billiganbieter: Energieverband fordert Eingreifen der Politik. Anlass ist die Mittwoch bekannt gewordene plötzliche Einstellung von Stromlieferungen durch den Anbieter Stromio. Die Weigerung des Unternehmens, weiter Strom zu liefern, offenbare eine "schwerwiegende Regulierungslücke", sagte die Präsidentin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Marie-Luise Wolff, am Donnerstag laut einer Mitteilung.

Der BDEW forderte von der Bundesregierung in solchen Fällen die Möglichkeit, dass Energieversorger temporär auf zinslose Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau zurückgreifen können. Auch brauche es dringend eine gesetzliche Absicherung für eine rechtssichere Einführung von Neukunden-Tarifen in der Grundversorgung, sagte Andreae. Im Sinne des Verbraucherschutzes sei es nur fair, wenn Bestandskunden nicht für das Verhalten der Discountunternehmen aufkommen müssten.

Verbraucherschützer sehen in solchen Fällen die Einführung von neuen Tarifen für Neukunden kritisch. In manchen Fällen zahlten Betroffene mit Neuverträgen in der Grundversorgung mehr als das Doppelte als vergleichbare Bestandskundinnen und -kunden, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding, laut einer Mitteilung vom Mittwoch. Diese Ungleichbehandlung sei rechtlich als zweifelhaft anzusehen. "Diese Vorgehensweise widerspricht unserem Verständnis des freien Marktes und der Liberalisierung im Energiemarkt deutlich." Eine Bestrafung von Kundenkreisen, die den Anbieter gewechselt haben, kritisiere man scharf. "Die Spaltung der Grundversorgungstarife darf als Folge der extremen Energiepreisanstiege daher nicht von Dauer sein."

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) verteidigte die Einführung eigener Tarife für Neukunden. Gerade die kommunalen Stadtwerke hätten vorausschauend geplant und könnten daher ihren Kunden Unsicherheit und noch größere Preissprünge ersparen, sagte Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer. Zugleich nähmen sie gestrandete Kunden in der Ersatzversorgung auf. "Mit differenzierten Tarifen können dabei die negativen Folgen für Bestandskunden begrenzt werden." Im Zusammenhang mit den Liefereinstellungen durch Billiganbieter forderte der VKU eine "effizientere Aufsicht der Bundesnetzagentur über unseriöse Anbieter".

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Strom-Discounter Stromio seine Lieferungen unter Verweis auf eine "Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen" mit Ablauf des Dienstags eingestellt hat. Branchenkenner gehen davon aus, dass mehrere hunderttausend Kunden davon betroffen sind.

Laut Sieverding war es die Beschaffungsstrategie von Discountern, sich kurzfristig zu günstigen Preisen am Spotmarkt einzudecken. "Das Modell der Discounter hat jahrelang gut funktioniert, jetzt fallen sie damit reihenweise auf die Nase", sagte der Energieexperte der "WAZ" (Donnerstag).

Laut Bundesnetzagentur haben in Deutschland im laufenden Jahr bislang 39 Energielieferanten die Beendigung der Belieferung angekündigt oder bereits vollzogen.

@ dpa.de

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