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Transport, Verkehr

BERLIN - Vor allem Pendler dürften es in den Stoßzeiten schon wieder merken: Busse und Bahnen werden wieder voller.

08.07.2021 - 17:00:31

Verkehrsunternehmen kämpfen um Rückkehr der Fahrgäste. "Aktuell liegen die Fahrgastzahlen zumindest in den Großstädten und Ballungsräumen wieder bei etwa 60 Prozent des Vorkrisenniveaus", teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Donnerstag mit. Im zweiten Lockdown Ende vergangenen Jahres lag das Vergleichsniveau demnach bei lediglich 40 Prozent.

Dennoch: Von den rund 10,4 Millionen Fahrgästen aus dem Vor-Krisenjahr 2019 ist der ÖPNV noch deutlich entfernt. Das lässt sich auch an den Abozahlen erkennen, die weiter sinken. Laut VDV lag die Abo-Quote im Februar dieses Jahres rund 13 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau.

"Nach dem, was mir bisher vorliegt, hat sich dieser leichte Rückgang bei den Abos weiter fortgesetzt", sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann am Donnerstag mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation nach den Sommerferien entwickle, wenn Schülerinnen und Schüler wieder verstärkt vor Ort unterrichtet werden.

Bund und Länder haben deshalb in diesem sowie im vergangenen Jahr insgesamt sieben Milliarden Euro bewilligt, um die Verluste der Verkehrsunternehmen auszugleichen. Die Summe decke die Corona-Schäden vollständig ab, betonte Wortmann.

Doch will der ÖPNV seiner Rolle beim Erreichen der Klimaziele gerecht werden, muss die Zahl der Fahrgäste schnell wieder steigen. "Wir müssen jetzt wieder den ÖPNV bewerben", sagte VDV-Präsident Wortmann. Zahlreiche Auftragsstudien mit unterschiedlicher Methodik hätten seit dem Beginn der Pandemie immer wieder gezeigt: Das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen sei nicht höher als in anderen Alltagssituationen.

Auch das subjektive Sicherheitsempfinden müsse erhöht werden, etwa durch ausreichend Platz in den Fahrzeugen. Das gehe bis zu einem gewissen Maße etwa über angepasste Einsatzplanungen von Fahrzeugen. "Es ist aber vollkommen klar, das kostet Geld", betonte Wortmann. Und: "Auf ausgelasteter Infrastruktur ist es sehr schwierig, mehr Platz zu schaffen." Er appellierte daher erneut an die Schulen, die Anfangszeiten für Schüler so weit wie möglich zu entzerren, damit nicht alle gleichzeitig mit dem ÖPNV unterwegs sein müssen.

Nicht zuletzt versuchen die Verkehrsunternehmen aber auch, finanzielle Anreize für die Rückkehr der Fahrgäste zu schaffen. Mehrere Anbieter haben neue Rabatt- und Abomodelle eingeführt, etwa Mehrfahrten oder auch Mehrtagestickets. Dazu gehören unter anderem der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) oder der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS).

Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wiederum haben Fahrgäste die Möglichkeit, für zehn Euro einen Monat lang 50 Prozent Nachlass auf jedes Einzelfahrticket zu erhalten. Auch in Leipzig gibt es ein ähnliches Modell.

Die Unternehmen haben gemeinsam mit dem Branchenverband zudem noch eine weitere Aktion für Abo-Kunden aufgelegt: Wer ein gültiges ÖPNV-Abo besitzt, soll für zwei Wochen zwischen dem 13. und dem 26. September bundesweit in sämtlichen regionalen Verkehrsverbünden das Bus- und Bahn-Angebot ohne Zusatzkosten nutzen dürfen. Die Zusage einzelner Verbünde stehe noch aus, 90 Prozent hätten aber bereits ihre Teilnahme an der Aktion bestätigt, hieß es vom VDV. Das Angebot richtet sich demnach auch an Neukunden, die rechtzeitig zum September ein ÖPNV-Abo abschließen.

Aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn gehen solche Aktionen "in die richtige Richtung", wie Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann am Donnerstag sagte. Das Problem des ÖPNV sei aber eine zerklüftete Struktur mit zahlreichen Verkehrsverbünden mit jeweils eigenen Tarifen, Angeboten und Reichweiten. "Das ist nach wie vor das große Manko", sagte Naumann: "Sie können eben keine einheitliche Werbung machen, wenn Sie keine einheitlichen Angebote haben."

@ dpa.de

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