Regierungen, Deutschland

BERLIN - Künftige Rentner müssen sich auf sinkenden Lebensstandard im Ruhestand einstellen.

12.09.2018 - 15:45:38

Studie: Rentnern droht Versorgungslücke. Mehr als der Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen können mit ihren derzeitige Rentenanwartschaften ihren aktuellen Konsum nicht vollständig decken, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt. Die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch) berichtete zuerst darüber.

Private Versicherungen wie die Riester- und Rürup-Rente würden den Anteil der 55- bis 64-Jährigen mit einer potenziellen Versorgungslücke lediglich um zwei Prozentpunkte senken. Auch wenn diese zusätzlich ihr privates Vermögen einsetzten, könnten immer noch mehr als 40 Prozent ihren aktuellen Konsum nicht decken. Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanziert.

Demnach reichen auch alle drei Säulen der Alterssicherung zusammen - also gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge - nicht aus, ohne dass sich die Betroffenen im privaten Konsum einschränken müssen.

"Eine potenzielle Versorgungslücke haben vor allem diejenigen, die nur Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben", sagte Studienautorin Anita Tiefensee. 69 Prozent von ihnen wären nicht in der Lage, ihren aktuellen Konsum vollständig zu decken. Bestehen auch Ansprüche aus Betriebsrenten, so sinke der Anteil auf 50 Prozent. Bei Beamten fällt der Anteil mit weniger als einem Fünftel deutlich geringer aus. Private Versicherungen wie Lebens- und Rentenversicherungen reduzierten die Lücke auf durchschnittlich 650 Euro im Monat.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hob hervor, dass die Menschen die Renten-Lücke nicht privat füllen könnten, die das sinkende Rentenniveau reiße. "Statt auf privat zu setzen, brauchen wir mehr Solidarität in der gesetzlichen Rente", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Das Rentenniveau müsse langfristig stabilisiert und angehoben werden. Die Präsidentin des Sozialverbands Deutschland, Verena Bentele, sagte: "Obwohl die Menschen hart arbeiten und für die wirtschaftlich gute Lage in Deutschland verantwortlich sind, können sie kaum von ihrem Lohn leben, geschweige denn Ersparnisse anlegen." Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald sagte: "Man kann die Studien gar nicht mehr zählen, die das Versagen der Riesterrente belegen."

Die Versicherungswirtschaft wies dies zurück. "Die Kritik an der Wirksamkeit der privaten Altersvorsorge ist nicht haltbar", sagte das Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Peter Schwark. Die Riester-Rente könne ein Absinken des Rentenniveaus kompensieren, sagte er unter Berufung auf eine Prognos-Studie im Auftrag seines Verbands. Oft reichten die Anstrengungen zur Vorsorge aber schlicht nicht aus. "Viele Menschen müssen mehr sparen oder Abstriche bei ihrem Konsumniveau machen."

Eine Anhebung des Rentenniveaus hingegen würde die Renten vor allem derjenigen erhöhen, die bereits ausreichend Rente bekommen, sagte Schwark. Maßnahmen allein zugunsten der Geringverdiener wären zielgerechter und effizienter. Zudem müssten die Teilnahmequoten an betrieblicher oder privater Vorsorge erhöht werden, so Schwark.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Präsident von Honduras beklagt niedrige Kaffeepreise vor UN. Für eine Tasse Kaffee, die für 3,50 Dollar verkauft werde, bekämen die Kaffeeproduzenten weniger als 5 Cent, sagte Juan Orlando Hernández am Dienstag in New York. Dadurch werde die Armut verstärkt. Kaffee ist eines der wichtigsten Exportgüter des Landes mit rund neun Millionen Einwohnern. Nach Angaben der Vereinigung der Kaffee-Exporteure von Honduras (ADECAFEH) sind Deutschland, Belgien und die USA die größten Abnehmer von Kaffee aus dem lateinamerikanischen Staat. NEW YORK - Der Präsident von Honduras hat vor den Vereinten Nationen Klage über die Lage der Kaffeebauern in seinem Land geführt. (Wirtschaft, 25.09.2018 - 23:26) weiterlesen...

USA üben scharfe Kritik an EU-Plan zur Umgehung von Iran-Sanktionen. "Das ist eine der denkbar kontraproduktivsten Maßnahmen für regionalen und globalen Frieden und Sicherheit", sagte Pompeo am Dienstag bei einer Veranstaltung in New York. Er sei "zutiefst enttäuscht zu hören, dass die verbliebenen Parteien im (Atom-)Abkommen ein besonderes Zahlungssystem gründen, um US-Sanktionen zu umgehen". NEW YORK - US-Außenminister Mike Pompeo hat scharfe Kritik an dem von EU-Staaten geplanten System zur Umgehung von US-Sanktionen gegen den Iran geübt. (Wirtschaft, 25.09.2018 - 23:03) weiterlesen...

Brinkhaus: 'Kein großer Unterschied' zu Kauder. "Deswegen ist das auch kein großes Drama", sagte er am Dienstagabend im "heute journal" des ZDF mit Blick auf Kauders Abwahl nach 13 Jahren im Amt. "Mittelfristig ist das eine Stärkung der Regierung und der Fraktion." Zur Forderung der FDP, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle nun die Vertrauensfrage stellen, sagte Brinkhaus, das sei "Blödsinn". BERLIN - Der neue Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sieht nach eigenen Worten "keinen großen Unterschied" zwischen sich und seinem Vorgänger Volker Kauder. (Wirtschaft, 25.09.2018 - 22:45) weiterlesen...

WDH/ROUNDUP: Labour-Delegierte stimmen für Option eines 2. Brexit-Referendums (ausgefallener Buchstabe in Überschrift ergänzt) (Wirtschaft, 25.09.2018 - 21:52) weiterlesen...

Labour-Delegierte stimmen für Option auf zweites Brexit-Referendum. Auch eine Abkehr vom EU-Austritt sollte nicht ausgeschlossen werden, forderte Brexit-Schattenminister Keir Starmer in einer Rede - und erhielt dafür tosenden Beifall. "Niemand schließt den Verbleib (in der EU) als Wahlmöglichkeit aus", sagte Starmer. LIVERPOOL - Die Delegierten des Labour-Parteitags haben am Dienstag mit überwältigender Mehrheit für die Option eines zweiten Brexit-Referendums gestimmt. (Wirtschaft, 25.09.2018 - 21:13) weiterlesen...

Irans Präsident Ruhani rechnet vor UN mit Trump-Regierung ab. "Dem Multilateralismus entgegentreten ist kein Zeichen der Stärke, sondern ein Symbol der Schwäche des Intellekts", sagte Ruhani am Dienstag in einer Rede bei der Generaldebatte. Trump trampele auf den globalen Regeln herum und handele "absurd und abnormal". Die dem Iran auferlegten Sanktionen seien eine Form von "Wirtschaftsterrorismus". NEW YORK - Nach scharfer Kritik von US-Präsident Donald Trump an der iranischen Führung hat Präsident Hassan Ruhani vor der UN-Vollversammlung im Gegenzug mit der US-Regierung abgerechnet. (Wirtschaft, 25.09.2018 - 20:45) weiterlesen...