VOLKSWAGEN VORZÜGE, DE0007664039

BERLIN / KÖLN - Die deutsche Autoindustrie will nach heftiger Kritik an einem ersten Diesel-Paket nachbessern und ihre Angebote für Besitzer älterer Fahrzeuge erweitern.

08.11.2018 - 18:38:24

GESAMT-ROUNDUP: Scheuer und Autobauer erzielen Diesel-Kompromiss. Dazu können auch die von den Herstellern skeptisch beurteilten Hardware-Nachrüstungen an Motoren und Abgaseinrichtungen gehören. Das sieht ein Kompromiss vor, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die deutschen Hersteller bei einem Spitzentreffen am Donnerstag in Berlin erzielten. Am selben Tag ordnete ein Gericht weitere Diesel-Fahrverbote an - für Köln und Bonn.

und Daimler bereit, die dann verbliebenen älteren Dieselautos in den "Intensivstädten" für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen - das sind die Hardware-Nachrüstungen. Bisher hatten VW und Daimler angeboten, 2400 Euro pro Fahrzeug zu zahlen. Die Bundesregierung hatte auf eine höhere Beteiligung gepocht. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3000 Euro.

Bei Daimler hieß es, die Nachrüstung müsse vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert und zugelassen werden und nachweislich dazu berechtigen, in bestimmten Städten auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren. "Vor diesem Hintergrund ist Daimler dazu bereit, Mercedes-Benz Kunden in den Schwerpunktregionen mit einem Maximalbetrag von bis 3 000 Euro beim Kauf einer Hardware-Nachrüstung eines Drittanbieters zu unterstützen."

Volkswagen erklärte, sollten Dieselfahrzeughalter nach 2019 weiter von "Mobilitätseinschränkungen" betroffen sein, werde der Konzern Kunden ein "Mobilitätsangebot" von bis zu 3000 Euro machen. Weiter hieß es: "Sollten zukünftig Hardware-Nachrüstungen die notwendigen behördlichen Genehmigungen erhalten, verfügbar sein und der Einbau von unseren Kunden gewünscht werden, bieten die betreffenden Konzernmarken im Rahmen des Mobilitätsangebots gleichfalls eine entsprechende finanzielle Beteiligung an." VW wolle aber die Kosten nicht komplett übernehmen. Der Konzern werde Hardware-Umrüstungen ferner nicht anbieten und Fahrzeughaltern auch nicht empfehlen.

BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiter komplett ab. Das Unternehmen will Dieselbesitzer aber nach Auslaufen der "Umtauschprämien" mit der gleichen Summe von 3000 Euro unterstützen - etwa für einen Neukauf.

Bei den teuren Hardware-Nachrüstungen müssen aber noch technische und rechtliche Vorschriften entwickelt werden. "Technische Lösungen für Pkw-Hardware-Nachrüstungen werden nach der erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungszeit nicht kurzfristig am Markt verfügbar sein", sagte Scheuer. Und derzeit könne niemand sagen, wie teuer eine Hardware-Nachrüstung für Diesel-Pkw tatsächlich sein werde.

Es wird davon ausgegangen, dass Hardware-Nachrüstungen nicht vor 2020 verfügbar sind. VDA-Präsident Bernhard Mattes, die drei deutschen Hersteller würden für die Zeit nach 2020 sicherstellen, dass Kunden mit Euro-5-Diesel-Altfahrzeugen durch herstellerspezifische Angebote "mobil bleiben" könnten. "Dazu können auch Hardwarenachrüstungen zählen." Oberstes Ziel sei die Vermeidung von Fahrverboten.

Kritik an der Einigung kam von der Opposition: Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte den Kompromiss "Augenwischerei". Scheuer und die Konzernbosse wollten den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigerten ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre.

In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten. In Hamburg gibt es schon Streckensperrungen. Gerichte hatten Fahrverbote ab 2019 zudem etwa für Stuttgart, Berlin oder Frankfurt angeordnet.

In Nordrhein-Westfalen bahnen sich nun die nächsten Fahrverbote an: Köln muss ab Frühjahr 2019 auf eine Klage der Deutschen Umwelthilfe hin Fahrer älterer Diesel aus dem Großteil des Stadtgebiets ausschließen, entschied das Kölner Verwaltungsgericht am Donnerstag. In Bonn sollen die Fahrverbote, die in zwei Stufen kommen, für zwei zentrale Hauptverkehrsstraßen gelten.

Das Verwaltungsgericht entschied am Donnerstag, dass die Domstadt ab April 2019 Dieselautos der Abgasklasse 4 oder schlechter aus der Innenstadt und anderen Stadtteilen ausschließen muss. Ab September sind auch Fahrer von Euro-5-Dieseln betroffen.

Ein Hintertürchen gibt es aber noch: Sollten die in der Stadt seit Jahren sehr hohen Schadstoffwerte plötzlich doch noch deutlich sinken, könnte man nach Auffassung des Richters auf die Maßnahmen verzichten. Zugleich machte das Gericht aber deutlich, dass das Theorie sei und so schnell ohne Fahrverbote nicht passieren werde.

In Bonn fallen die Maßnahmen weniger hart aus - hier handelt es sich um Fahrverbote für zwei Straßen. Auf der für Pendler wichtigen Reuterstraße sind ab April Diesel der Klasse Euro 5 oder schlechter ausgeschlossen. Eine andere Einschränkung gilt noch für die Straße Belderberg. Vor allem Köln hatte den EU-Grenzwert für das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) klar überschritten. Der zuständige Kölner Regierungsbezirk kündigte an, in Berufung zu gehen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Audi startet Rückruf von Diesel-Autos in Deutschland. Das teilte die VW -Tochter am Montag in Ingolstadt mit. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe die dafür nötige Freigabe erteilt. INGOLSTADT - Im Zuge der Abgasaffäre startet Autobauer Audi ab Mittwoch den ersten von insgesamt acht Rückrufen für Modelle mit V-TDI-Motoren in Deutschland. (Boerse, 12.11.2018 - 17:56) weiterlesen...

Gericht: Baden-Württemberg muss Euro-5-Fahrverbote planen. Das geht aus zwei am Montag veröffentlichten Beschlüssen des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Mannheim hervor. Der VGH bestätigte damit zwei Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Stuttgart, gegen die das Land erfolglos Beschwerde eingelegt hatte. Die VGH-Richter gaben damit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Recht. Die Entscheidungen können nicht weiter gerichtlich angegangen werden (Beschlüsse des VGH 10 S 1808/18 und 10 S 2316/18). STUTTGART - Das Land Baden-Württemberg muss umgehend mit der Planung von Fahrverboten für Diesel der Euronorm 5 in Stuttgart beginnen. (Boerse, 12.11.2018 - 16:16) weiterlesen...

ADAC kritisiert amtliches Schreiben an Diesel-Besitzer. Der Autofahrerclub ADAC bemängelte, dies führe "bei vielen Empfängern zu erheblichen Irritationen", da für weitere Fragen nur Kontaktdaten dreier deutscher Hersteller genannt würden. Eine neutrale Beratung zur Ausgestaltung von Prämien sei damit nicht gewährleistet, heißt es in einem ADAC-Schreiben an den Vorsitzenden des Beirats beim KBA, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. BERLIN - Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerät wegen eines Briefs an Besitzer älterer Diesel zu Preisnachlässen für den Kauf sauberer Wagen zunehmend in die Kritik. (Boerse, 11.11.2018 - 14:19) weiterlesen...

Kritik am Diesel-Kompromiss aus dem Südwesten. Einige Punkte blieben noch ungeklärt, sagte er am Freitag in Stuttgart. Dazu gehörten die Frage der Haftung und die rechtlichen Rahmenbedingungen. STUTTGART - Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hält den neuen Diesel-Kompromiss mit der deutschen Autoindustrie einschließlich möglicher Hardware-Nachrüstungen nur für eine Zwischenlösung. (Boerse, 09.11.2018 - 15:57) weiterlesen...

IHK: Neuer Diesel-Kompromiss hilft Frankfurter Autofahrern nicht. FRANKFURT - Der jüngste Diesel-Kompromiss der Bundesregierung mit der Autoindustrie hilft den Frankfurter Autofahrern nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer nicht. Die Zusagen zweier deutscher Hersteller zur Unterstützung von Nachrüstsätzen griffen erst ab dem Jahr 2021, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle am Freitag. Die Fahrverbote für Dieselfahrzeuge mit der Euronorm 5 träten aber aller Voraussicht nach bereits am 1. September 2019 in Kraft. IHK: Neuer Diesel-Kompromiss hilft Frankfurter Autofahrern nicht (Boerse, 09.11.2018 - 15:50) weiterlesen...

Merkel sieht Diesel-Kompromiss als 'Schritt in richtige Richtung'. "Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag zur Einschätzung Merkels. Diese habe die Ergebnisse der Gespräche von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit den Auto-Managern zur Kenntnis genommen und begleite den Prozess "weiter konstruktiv". "Die Kanzlerin erwartet, dass die Industrie ihrer Verantwortung nachkommt. BERLIN - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält den neuen Diesel-Kompromiss mit der deutschen Autoindustrie einschließlich möglicher Hardware-Nachrüstungen für eine gute Zwischenlösung. (Boerse, 09.11.2018 - 14:38) weiterlesen...