Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Wirecard, DE0007472060

BERLIN - Im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard -Bilanzskandal haben sich Defizite bei der Abschlussprüfung des Skandalunternehmens angedeutet.

26.11.2020 - 20:59:03

Wirecard-Sonderprüfer deutet Defizite bei Abschlussprüfung an. Befragt wurde am Donnerstag im Bundestag der Sonderuntersucher Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Er hatte in einer Sonderprüfung aufgedeckt, dass es keine Nachweise zur Existenz von angeblichen Kundenbeziehungen und daraus erzielten Umsätzen des aufstrebenden Tech-Konzerns gab. Dafür habe er keine speziellen Methoden anwenden müssen, sagte der Wirtschaftsinformatiker aus.

BERLIN - Im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard -Bilanzskandal haben sich Defizite bei der Abschlussprüfung des Skandalunternehmens angedeutet. Befragt wurde am Donnerstag im Bundestag unter anderem der Sonderuntersucher Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Er hatte in einer Sonderprüfung aufgedeckt, dass es keine Nachweise zur Existenz von angeblichen Kundenbeziehungen und daraus erzielten Umsätzen des aufstrebenden Tech-Konzerns gab. Dafür habe er keine speziellen Methoden anwenden müssen, sagte der Wirtschaftsinformatiker aus. "Es ist keine Raketenwissenschaft, was wir da gemacht haben", betonte er.

Es habe sich um Standardprüfmethoden gehandelt, die auch das Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer vorsehe. "Wir haben nicht weiter gemacht, als uns nach unseren Standards zu verhalten", sagte Geschonneck. Die konkrete Arbeit der Wirecard-Prüfer der Prüfungsgesellschaft EY wollte er nicht bewerten. Diese Prüfer hatten die Abschlüsse des Skandalkonzerns jahrelang als ordnungsgemäß bestätigt.

Ein Wirtschaftsprüfer von EY berief sich bei seiner Befragung am Abend auf seine Schweigepflicht - machte aber generelle Aussagen zum Ablauf von Wirtschaftsprüfungen. Konkret zum Fall Wirecard wolle er sich gern äußern, könne das aber nicht, bevor die Rechtslage nicht eindeutig geklärt sei, sagte Christian Orth. Der 50-Jährige leitet nach eigener Aussage bei EY die Abteilung für interne Qualitätssicherung. Orth betonte im Ausschuss unter anderem, ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk von Wirtschaftsprüfern sei kein Gütesiegel für ein Unternehmen. Die Arbeitsweise des Wirtschaftsprüfers baue "leider" auch auf Vertrauen, sagte er.

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, wertete die Aussage des KPMG-Prüfers Geschonnecks als "desaströses Zeugnis" für die Abschlussprüfer von EY. Der SPD-Obmann im Ausschuss, Jens Zimmermann, betonte, es gebe erhebliche Zweifel, ob dem jahrelangen Abschlussprüfer jemals geeignete Unterlagen vorlagen um die Existenz der Konten zu bestätigen. Mit einer ordnungsgemäßen Abschlussprüfung wäre der Wirecard-Betrug aufgeflogen, erklärte er.

Die Bilanz-Kontrolleure von EY stehen derzeit in mehrerlei Hinsicht unter Druck. So erhebt nach einem Bericht des "Handelsblatts", der der dpa bestätigt wurde, auch die Wirtschaftsprüferaufsicht Apas Vorwürfe gegen sie. Es soll Hinweise auf Straftaten der beteiligten Akteure geben, die Aufsichtsbehörde habe deshalb die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Ein EY-Sprecher erklärte dazu: "EY sieht keinerlei Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten von Abschlussprüfern von EY im Fall Wirecard." Der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, kommentierte: "Bei EY brennt der Dachstuhl!" Mehrere Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sollten am späteren Abend im Ausschuss noch aussagen, beriefen sich aber bereits zuvor auf ihre Schweigepflicht als Wirtschaftsprüfer.

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag will vor allem aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Der inzwischen insolvente frühere Dax -Konzern hatte im Sommer Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen machte nach bisherigem Stand der Ermittlungen jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit 2015 Scheingewinne auswiesen wurden. Allein Banken und Investoren verloren nach ihren Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro. Auch viele Aktionäre büßten nach dem Börsenabsturz große Summen ein.

KPMG war im Oktober 2019 mit der Sonderprüfung beauftragt worden, nachdem es mehrere Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard gab. Das Unternehmen habe den Sonderprüfern danach einige Steine in den Weg gelegt, sagte Geschonneck aus. "Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen." Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden.

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt. Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Wirecard-Skandal: Brüssel nimmt Haftungsregeln für Prüfer ins Visier. "Ausreichend hohe oder gar unbegrenzte Haftung der Rechnungsprüfer können Anreize bieten, um zu verhindern, dass in Abschlussprüfungen Kompromisse gemacht werden, die für qualitativ schlechtere Prüfungen sorgen", heißt es in einem Diskussionspapier der Brüsseler Behörde. Darüber berichtet die "Welt". Das Papier liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor. BRÜSSEL - Als Konsequenz aus dem Wirecard -Skandal bringt die EU-Kommission schärfere europäische Haftungsregeln für Wirtschaftsprüfer ins Gespräch. (Boerse, 18.01.2021 - 18:33) weiterlesen...

Deutsche-Bank-Chef: Wusste nichts von Übernahmeplänen von Wirecard BERLIN - Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, wusste nach eigenen Angaben nichts von den Übernahmeplänen des Skandalunternehmens Wirecard zu übernehmen und ließ dies von einer Beratungsgesellschaft prüfen. (Boerse, 15.01.2021 - 05:42) weiterlesen...

Commerzbank hatte keine Zweifel an Werthaltigkeit von Wirecard-Kredit. "Die Werthaltigkeit des Kredits war zu diesem Zeitpunkt nicht infrage gestellt", sagte Zielke am Donnerstagabend im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard-Bilanzskandal. Hintergrund seien im wesentlichen Zweifel an der Compliance gewesen - so bezeichnet man die Einhaltung von Gesetzen und freiwilligen Richtlinien. BERLIN - Der Ausstieg der Commerzbank aus dem Geschäft mit Wirecard hatte nach Angaben des früheren Bankchefs Martin Zielke nicht mit Zweifeln an der Deckung des Kredits zu tun. (Boerse, 14.01.2021 - 22:02) weiterlesen...

Risiko zu hoch - Banken gingen früh auf Distanz zu Wirecard. Der Landesbank-Manager betonte aber zugleich: Zu keinem Zeitpunkt sei man von irgendwelchen kriminellen Handlungen oder von Betrug ausgegangen. BERLIN - Mehr als ein Jahr vor der spektakulären Wirecard am Donnerstag im Wirecard- Untersuchungsausschuss des Bundestags. (Boerse, 14.01.2021 - 18:33) weiterlesen...

Bayerische Landesbank ging früh auf Distanz zu Wirecard. Man habe sich 2018 entschieden, aus einer Kreditbeziehung auszusteigen, sagte ein Vorstandsmitglied der LB Bayern am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. BERLIN - Die Bayerische Landesbank ist schon mehr als ein Jahr vor Auffliegen des Wirecard -Bilanzbetrugs auf Distanz zu dem Skandalunternehmen gegangen. (Boerse, 14.01.2021 - 14:44) weiterlesen...