Produktion, Absatz

BERLIN - Im Auto ist es angenehm, im Büro auch - und dann schlägt einem zu Hause die Hitze entgegen.

10.08.2018 - 06:32:24

Rekordsommer für Klimageräte-Hersteller. So viele Deutsche wie wohl nie haben sich daher in diesem Jahr entschieden, der Hitze den Kampf anzusagen - und ein Klimagerät oder einen Ventilator gekauft. Die Kältebranche rechnet mit Rekordverkäufen. Viele private Haushalte sowie kleine Unternehmen und Geschäfte hätten sich demnach 2018 für ein Klimagerät entschieden, das Fachleute ins Gebäude einbauen. Der Fachverband Gebäude-Klima rechnet für 2018 mit bundesweit mehr als 200 000 verkauften Klimageräten zum Einbauen. Normalerweise verkaufe die Branche pro Jahr rund 150 000 bis 160 000 solcher Geräte an Verbraucher und kleine Unternehmen.

Fachleute unterscheiden Klimageräte von Klimaanlagen, die technisch komplexer und teurer sind und große Bürogebäude, Einkaufszentren und Hotels kühlen. Deren Anschaffung muss längerfristig geplant werden.

Jeden Tag erhalten Baumärkte neue Lieferungen an Klimageräten, wie der Bundesverband Technik des Einzelhandels mitteilt. "Alle großen Hersteller und Anbieter gehen für 2018 von Rekordverkaufszahlen aus", sagt Fachjournalist Manfred Stahl, der die Branche seit 30 Jahren beobachtet.

Rund 3 Prozent der Deutschen haben nach Branchenangaben ein eingebautes Klimagerät zu Hause. Und das Öko-Institut in Freiburg geht davon aus, dass es bis 2030 schon 8 bis 13 Prozent sein könnten. "Mit jeder Hitzewelle entscheiden sich mehr Menschen zum Kauf", sagt Energieexpertin Tanja Kenkmann vom Institut. Die Geräte seien günstiger geworden - ein mobiles gibt es laut Fachverband ab 400 Euro, ein eingebautes ab 1700. Laut Stahl entscheiden sich die Menschen besonders wegen der wochenlangen Hitze während Tag und Nacht zum Kauf. Und Energietechnologieexperte John Dulac der Internationalen Energieagentur (IEA) sagt: "Viele Deutsche arbeiten heute in klimatisierten Büros und fahren klimatisierte Autos - so wollen sie diese Temperaturen auch zu Hause."

Mit dieser Zunahme liegt Deutschland laut IEA-Angaben im weltweiten Trend. In Europa nehme die Zahl gekühlter Haushalte vergleichsweise langsam zu. In etlichen Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien erwarten Experten aber, dass Millionen Menschen in den kommenden Jahren genug Geld haben, um sich vergleichsweise günstige Klimageräte zu leisten, die dann meist viel Strom verbrauchen.

"Weil viele Länder beim Strom noch stark von fossilen Brennstoffen abhängen, verstärken immer mehr Klimageräte den Klimawandel zusätzlich", sagt Dulac. "Und dann brauchen noch mehr Menschen Klimageräte." In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern würden die Geräte nicht von Fachleuten installiert, sagt Stahl. So könne deren umweltschädliche Kühlflüssigkeit leichter austreten. Sie sei für das Klima rund 2000-mal schädlicher als CO2.

Aber Klimageräte retten unter Umständen sogar Leben. Bei extremer Hitze könnten Menschen etwa an Organversagen sterben. "Wenn es regelmäßig 30 oder 35 Grad oder noch heißer wird, wird Kühlung ein wichtiges Bedürfnis", sagt Dulac.

Zurzeit gibt es weltweit laut IEA rund 1,6 Milliarden Klimageräte in Privathaushalten - etwa die Hälfte davon in den USA und China. Die Vereinigten Staaten allein verbrauchten mit ihren Klimaanlagen so viel Energie wie ganz Afrika insgesamt. Stahl sagt: "In den USA bedeutet es Wohlstand, so sehr zu kühlen, dass man in Büros eine Jacke braucht." Deutschland macht hingegen laut IEA nur 0,5 Prozent am weltweiten Energieverbrauch für Kühlung aus. Bis 2050 rechnet die IEA mit 5,6 Milliarden Klimageräten in Häusern - die meisten davon in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Um die Auswirkungen von Klimaanlagen und Klimageräten auf das Klima zu mindern, forschen Wissenschaftler an Modellen, die weniger Strom verbrauchen und ein umweltfreundlicheres Kältemittel haben. Mehrere Länder investieren mehr in erneuerbare Energien zur Stromerzeugung. Und China und Südkorea beschlossen, öffentliche und staatliche Gebäude nie auf weniger als 26 Grad zu kühlen.

@ dpa.de

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