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BERLIN / FRANKFURT - Die Konjunktur in Deutschland verliert nach Einschätzung der "Wirtschaftsweisen" im neunten Jahr des Aufschwungs an Tempo.

07.11.2018 - 16:19:23

GESAMT-ROUNDUP: Risiken für Konjunktur - 'Wirtschaftsweise' senken Prognose. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung senkte am Mittwoch seine Konjunkturprognose. In der Chemieindustrie hinterlassen Handelskonflikte und die Abschwächung der Weltwirtschaft derweil Spuren. Manche Dax -Konzerne müssen sich einer Studie zufolge auf bescheidenere Ergebnisse in diesem Jahr einstellen.

Die Ökonomen rechnen in ihrem Jahresgutachten an die Bundesregierung nun für 2018 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent und für 2019 mit einem Plus von 1,5 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die deutsche Wirtschaft noch um 2,2 Prozent zugelegt. Gründe für das schwächere Wachstum seien ungünstigere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen und Kapazitätsengpässe etwa wegen des Mangels an Fachkräften.

Die Wirtschaftsweisen sehen Herausforderungen vor allem in der Arbeitsmarkt-, Renten- und Steuerpolitik. Die Ökonomen forderten die Bundesregierung auf, den verschärften internationalen Steuerwettbewerb anzunehmen und den Solidaritätszuschlag vollständig abschaffen. Der Soli soll bisher für 90 Prozent der Zahler entfallen.

Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten bereits ihre Konjunkturprognosen gesenkt. Weltweit gibt es Risiken vor allem wegen Handelskonflikten, wie denen zwischen den USA und China sowie den USA und der EU. Ein geringeres globales Wachstum trifft auch die Exportnation Deutschland. Daneben herrscht Unsicherheit, weil Details zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU weiter unklar sind.

"Auf der internationalen Ebene ist dies vor allem die zunehmende Abkehr von der multilateralen globalen Wirtschaftsordnung, die bislang weltweit viel Wohlstand geschaffen hat. Deutschland hängt in besonderem Maße davon ab", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph M. Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur. Das Risiko einer Eskalation von Handelskonflikten sei größer geworden.

"Unserer Einschätzung nach wird es weiterhin beim Aufschwung bleiben, aber mit vermindertem Wachstumstempo", sagte Schmidt. Nach seiner Einschätzung dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal geschrumpft sein, auch weil die Autohersteller wegen Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard (WLTP) ihre Produktion drosseln mussten. Eine "akute Gefahr einer Rezession" sehen die "Wirtschaftsweisen" aber nicht. Nach gängiger Definition ist von einer Rezession die Rede, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft.

Auf ein schwaches drittes Quartal deuteten auch aktuelle Daten zur Industrieproduktion hin. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wuchs die Gesamtherstellung im September zum Vormonat zwar um 0,2 Prozent. Im gesamten dritten Quartal ging die Industrieproduktion dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge aber um 0,9 Prozent gemessen am zweiten Jahresviertel zurück. Eine erste Schätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes von Juli bis September veröffentlicht das Statistische Bundesamt am kommenden Mittwoch (14.11).

Die Chemieindustrie beklagte: "In der deutschen und europäischen Wirtschaft werden immer stärkere Bremsspuren sichtbar". Bedeutsame Kunden wie die Auto- und Kunststoffindustrie hätten die Produktion gedrosselt, die Nachfrage nach Chemieprodukten werde schwächer.

Allerdings verhalfen der Branche steigende Preise für Chemieprodukte im dritten Quartal noch zu Umsatzzuwächsen in nahezu allen Sparten. Der Umsatz wuchs um 3,4 Prozent gemessen am Vorjahresquartal, die Produktion stieg unter hoher Auslastung um 2,4 Prozent. Im ersten Halbjahr waren die Wachstumsraten aber noch höher gewesen.

Etliche deutsche Börsenschwergewichte trotzen bislang Handelskonflikten und politischen Unsicherheiten. Die Bäume wachsen aber nicht mehr in den Himmel. In der Summe steigerten die 16 Dax-Konzerne, die bis zum Mittwoch Zahlen für das dritte Quartal vorlegten, Umsatz und Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), wie aus einer Analyse des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY hervorgeht. Allerdings mussten 9 Konzerne Gewinneinbußen hinnehmen.

Nach Einschätzung von EY-Experte Mathieu Meyer spricht wenig dafür, dass sich die Aussichten kurzfristig aufhellen - im Gegenteil: "Acht der 30 Dax-Konzerne haben in diesem Jahr bereits ihre Gewinnprognosen zum Teil mehrfach zurückgeschraubt. Die Unternehmen stellen sich also offenbar auf schwierigere Zeiten ein."

@ dpa.de

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