Adler Group, LU1250154413

BERLIN / DÜSSELDORF - Der stark unter Druck stehende und hoch verschuldete Immobilienkonzern Adler Group jetzt mit einem Verkaufsvertrag besiegelt.

01.12.2021 - 11:05:26

Adler verschafft sich mit Verkäufen finanziell Luft - Aktie erholt. Zum anderen schlägt LEG auch bei der Adler-Tochter Brack Capital Properties (BCP) zu, die rund 12 100 Wohnungen hat.

notierte Aktie auf ein Rekordtief gefallen, denn das Unternehmen hatte zwar solide Zahlen vorgelegt und seine Ziele für das laufende Jahr bestätigt, bei einer Investorenkonferenz wurde allerdings keine Frage zugelassen. So wurde eine Chance vertan, auf die Vorwürfe von Perring weiter einzugehen.

Adler weist die Anschuldigungen bisher zwar scharf zurück, konnte damit die Anleger aber bisher nicht überzeugen. Das Unternehmen setzte jetzt am Donnerstagnachmittag eine weitere Telefonkonferenz an, um die am Mittwoch angekündigte Transaktion zu erklären.

Dabei geht es um die 2018 erworbene Tochter Brack Capital Properties (BCP), an der Adler derzeit rund 70 Prozent hält. Diese sollen jetzt für mindestens 830 Millionen Euro an LEG gehen. Der Düsseldorfer Konzern kauft in einem ersten Schritt ein Paket über sieben Prozent für 75 Millionen Euro von Adler Group und hat sich die Option auf die übrigen von Adler gehaltenen Aktien gesichert.

LEG wird im Falle einer Ausübung dafür mindestens 765 Millionen Euro zahlen - zudem wird bereits jetzt eine Optionsprämie von 7,5 Millionen Euro fällig, sodass Adler sofort etwas mehr als 82,5 Millionen Euro zufließen. Der im MDax notierte Konzern LEG hat sich zudem von weiteren Investoren 24 Prozent an BCP für rund 250 Millionen Euro geschnappt.

Adler bezifferte den erwarteten Nettoerlös aus dem jetzt mit einem Vertrag vereinbarten Verkauf des Immobilienpakets an die LEG auf rund 800 Millionen Euro. Der Verschuldungsgrad (Loan-to-value) werde dadurch um 4,3 Prozentpunkte auf 52,7 Prozent sinken.

Die möglichen gesamten Nettoeinnahmen aus der Transaktion sowie dem geplanten Verkauf aller BCP-Aktien bezifferte Adler auf 1,65 Milliarden Euro. Damit sichere sich das Unternehmen signifikant liquide Mittel und die Möglichkeit, die Verschuldung zu reduzieren. Neben diesen beiden Transaktionen hatte das Unternehmen Ende Oktober eine Absichtserklärung über den Verkauf von 14 300 Einheiten mit einer Investmentgesellschaft vereinbart. Adler geht davon aus, dass dieser Kaufvertrag bis Ende des Jahres unterzeichnet ist.

Die Adler Group ist aus einem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und des Berliner Projektentwicklers Consus Real Estate entstanden. Ado Properties hatte hierbei Adler Real Estate übernommen und dann Consus geschluckt. Im Dezember 2019 hatte Ado den Deal mit Adler veröffentlicht. Das kombinierte Unternehmen wurde dann in Adler Group umbenannt und hat den operativen Hauptsitz in Berlin. Am Finanzmarkt wird das Konstrukt schon seit einiger Zeit skeptisch betrachtet. Seit dem Rekordhoch von knapp 49 Euro ging es bereits vor den Vorwürfen Perrings stark nach unten. Die Attacke des Leerverkäufers beschleunigte die Talfahrt.

Inzwischen hat Adler eigenen Angaben zufolge spezialisierte Forensiker der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit der Überprüfung einiger Transaktionen der Vergangenheit beauftragt. Diese dürfte aber nicht vor Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein, hatte es bei der Ankündigung der Überprüfung im Oktober geheißen. Der Investor Cevdet Caner, dessen Familie eine Minderheitsbeteiligung an Adler hält, hat Strafanzeige gegen Perring erstattet. Dieser habe den österreichischen Unternehmer beschuldigt, die wahre treibende Kraft hinter dem Unternehmen zu sein.

Nach dem Kursverfall ist das Unternehmen gerade mal noch 1,2 Milliarden Euro wert. Größter Aktionär ist die Aggregate Holding SA, die knapp 26,6 Prozent der Anteile hält. Der Luxemburger Immobilieninvestor ist allerdings bereit, die Hälfte seiner Aktien an Vonovia abzugeben. Die Bochumer haben eine Kaufoption auf ein Paket, das 13,3 Prozent der Adler-Aktien entspricht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg ist Vonovia schon länger an einem Einstieg bei Adler interessiert und war früher sogar bereit, auch wesentlich mehr auf den Tisch zu legen als den aktuellen Kurs der Aktie.

Mitte Oktober begründete Vonovia den Erwerb der Kaufoption damit, dass die Immobilienbranche kein Interesse an einer instabilen Adler Group hat. So hatte der Konzern eigenen Angaben zufolge auch zusammen mit involvierten Banken einen Kredit an Aggregate zu marktüblichen Konditionen gewährt. Das Kreditvolumen soll sich im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen.

@ dpa.de

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