Pharma, Biotechnologie

BERLIN / DRESDEN - Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, will das Impf-Tempo durch Corona-Impfungen in Apotheken erhöhen.

17.11.2021 - 23:44:01

RKI-Chef Wieler fordert Corona-Impfungen in Apotheken. "Wir sind in einer Notlage, und in einer Notlage muss man bestimmte Dinge großzügig gestalten", sagte Wieler am Mittwochabend bei einer Online-Diskussionsveranstaltung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Deshalb sei er ganz klar dafür, dass unter anderem Apotheker impfen sollten.

"Ich sag das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet zu impfen. Wir sind in einer Notlage", betonte Wieler. "Wir brauchen jede und jedem zum Impfen." Es gebe viele Millionen Menschen, die geimpft werden müssten, auch mit Auffrischungsimpfungen. "Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff."

Zugleich plädierte Wieler für die 2G-Regeln (geimpft und genesen). "Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen." Momentan laufe Deutschland auf eine "ernste Notlage" zu. "Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern."

Wieler zeichnete ein dramatisches Bild der aktuellen Corona-Lage in Deutschland. Die Zahlen gingen steil nach oben, und sie seien weitaus höher als bekannt: "Die Untererfassung der wahren Zahlen verstärkt sich." Hinter den mehr als 50 000 Infektionen, die derzeit pro Tag registriert würden, "verbergen sich mindestens noch einmal doppelt oder dreimal so viele", so der RKI-Chef.

In den vergangenen Wochen seien 0,8 Prozent der Erkrankten gestorben. Das bedeute, dass von den mehr als 50 000 Menschen pro Tag, bei denen derzeit eine Neuinfektion festgestellt werde, in den nächsten Wochen 400 sterben würden. In der Bundespressekonferenz habe er zuletzt noch zurückhaltend von 200 Toten pro Tag gesprochen, tatsächlich sei die Zahl aber viel höher. Am Tod dieser Menschen sei nichts mehr zu ändern, niemand können ihnen noch helfen, selbst mit bester medizinischer Versorgung nicht. "Das Kind ist in den Brunnen gefallen."

Auch die Lage in den Krankenhäusern wird laut Wieler immer schlimmer. Die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten steige, für Schlaganfall-Patienten und andere Schwerkranke müsse mancherorts bis zu zwei Stunden nach einem freien Intensivbett gesucht werden. "Die Versorgung ist bereits in allen Bundesländern nicht mehr der Regel entsprechend", sagte der RKI-Chef. Und das werde noch zunehmen. "Sie sehen, die Prognosen sind super düster. Sie sind richtig düster", sagte Wieler. "Es herrscht eine Notlage in unserem Land. Wer das nicht sieht, der macht einen sehr großen Fehler."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Bund und Länder beschließen schärfere Corona-Vorgaben. Diese reichen von erheblichen Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte und Nicht-Genesene bis hin zu 2G-Regelungen für den Besuch von Restaurants, Kinos, Theatern und anderen Freizeiteinrichtungen. Zusätzlich kann sogar ein aktueller Test - also 2G plus - vorgeschrieben werden. Auch in Läden - mit Ausnahme solcher für den täglichen Bedarf wie Lebensmittel - kommen jetzt nur noch Geimpfte oder Genesene. Dies gilt unabhängig von den Inzidenzen. Die Geschäfte müssen das Einhalten der Regel kontrollieren. BERLIN - Zum Brechen der vierten Corona-Welle in Deutschland haben sich Bund und Länder auf bundesweit deutlich schärfere Vorgaben und Einschränkungen geeinigt. (Boerse, 02.12.2021 - 17:04) weiterlesen...

Arbeitgeberpräsident: Impfen und Boostern wichtiger als 2G. "Der Handel darf nicht ein rechtlich fragwürdiges Sonderopfer werden", teilte Dulger am Donnerstag mit. "Eine 2G- oder 2G-plus-Regelung, die lediglich dazu dient, einen Lockdown als Begriff zu vermeiden, aber wie ein Lockdown wirkt, schafft eher Unsicherheit, aber kaum mehr Infektionsschutz." Die entscheidenden Schritte, um diesen Winter zu überstehen, seien Impfen und Boostern, sagte der BDA-Präsident. "Wir begrüßen daher insbesondere die Ausweitung der Impfempfehlung der Stiko. BERLIN - Aus Sicht von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger belasten 2G-Regeln im Einzelhandel die Branche unverhältnismäßig. (Boerse, 02.12.2021 - 16:09) weiterlesen...

STICHWORT: Die Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern im Überblick. Vereinbart wurden "strenge Kontrollen" dieser Maßnahmen. Die meisten Neuregelungen müssen von den Ländern per Verordnung umgesetzt werden, andere durch Gesetzesänderungen. Daher blieb zunächst offen, wann was konkret in Kraft tritt. BERLIN - Zwei Wochen nach der letzten Bund-Länder-Runde haben die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten und die Bundesregierung weitere Verschärfungen und Vereinheitlichungen von Corona-Maßnahmen beschlossen. (Wirtschaft, 02.12.2021 - 16:04) weiterlesen...

Wüst ruft eindringlich zu Impfungen auf. "Nicht erst irgendwann, vielleicht im Neuen Jahr oder nach Weihnachten, sondern jetzt. Sie retten damit Leben", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident am Donnerstag nach dem Bund-Länder-Corona-Gipfel. BERLIN - Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Hendrik Wüst (CDU), hat die Menschen in Deutschland eindringlich dazu aufgerufen, so schnell wie möglich Impfangebote gegen das Coronavirus wahrzunehmen. (Wirtschaft, 02.12.2021 - 15:42) weiterlesen...

Scholz: 30 Millionen Impfungen bis Jahresende. "Das ist eine große logistische Herausforderung", sagte Scholz am Donnerstag nach einer Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage. Diejenigen, die es bisher noch nicht gemacht hätten, sollten sich zur Impfung durchringen. BERLIN - Der voraussichtlich künftige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat 30 Millionen weitere Corona-Impfungen bis Weihnachten als Ziel für Deutschlands Impfkampagne ausgegeben. (Wirtschaft, 02.12.2021 - 15:11) weiterlesen...

Beschluss: Apotheker und Zahnärzte dürfen künftig impfen. Der Bund werde den Kreis der dazu berechtigten Personen deutlich ausweiten, heißt es in einem Beschluss von Bund und Ländern vom Donnerstag. BERLIN - Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen künftig auch Zahnärzte, Apotheker und Pflegefachkräfte Impfungen gegen das Virus vornehmen dürfen. (Boerse, 02.12.2021 - 15:10) weiterlesen...