Regierungen, Deutschland

BERLIN - Die Kassenärzte fordern bei der geplanten Ausdehnung der Sprechzeiten für gesetzlich versicherte Patienten zusätzliche Vergütungen.

08.04.2018 - 13:37:25

Kassenärzte: 'Mehr Sprechstunden heißt auch mehr Geld'. "Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. "Da gehört ein Preisschild dran. Das ist die Minimalvoraussetzung." Die schwarz-rote Koalition will die Sprechzeiten für Kassenpatienten von bisher 20 auf 25 Stunde pro Woche ausweiten, damit sie schneller an Termine kommen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte, es gehe um ein "Bündel von Maßnahmen", um Wartezeiten für gesetzlich Versicherte zu verkürzen: "Einerseits es für Ärzte attraktiver machen, Patienten schneller dranzunehmen; andererseits aber auch das Angebot für die Patienten ausweiten", sagte er dem Sender NDR Info. Ihm schwebten auch verpflichtende offene Sprechstunden vor. Für mehrere Stunden mindestens ein bis zwei Mal die Woche könnten sich Patienten dann ins Wartezimmer setzen. "Da muss man an dem Morgen vielleicht mal etwas länger warten, ist dann aber an dem Tag sicher dran und muss nicht erst noch drei oder vier Wochen warten", sagte Spahn.

KBV-Chef Gassen äußerte sich skeptisch zu Überlegungen für Tage ohne feste Termine. "Beim Hausarzt ist das fast die Regel. Da geht man ja hin, wenn man akut krank geworden ist." Bei vielen Fachärzten, die etwa Belastungs-EKGs oder Kernspin machten, könne man Patienten aber nicht einfach hereinlaufen lassen. "Das wäre Chaos pur. Da macht man um 8.00 Uhr morgens die Pforten auf, und der letzte Patient geht nachmittags nach sieben Stunden Rumsitzen raus."

Mit Blick auf die geplanten Vorgaben für längere Sprechzeiten sagte Gassen: "Es wäre sicherlich bei entsprechender Vergütung noch etwas Ressource für die Behandlung gesetzlich Versicherter zu heben." Es dürfte aber schwer werden, so etwas flächendeckend umzusetzen. Nicht in jeder Praxis gebe es den gleichen Anteil gesetzlich und privat Versicherter. "In einem System, in dem Haus- und Fachärzte schon jetzt nicht alle Leistungen bezahlt bekommen, kann man auch nicht erwarten, dass alle freudig sagen: Nun machen wir noch mehr umsonst."

Der KBV-Chef betonte: "Ärzte arbeiten ja nicht nur in den Öffnungszeiten, die auf dem Praxisschild stehen, für die Patienten." Daneben seien etwa Befunde auszuwerten oder Hausbesuche zu machen. Für mehr Sprechzeiten gebe es daher zwei Möglichkeiten: "Entweder fordert man noch mal fünf Stunden mehr Arbeitsleistung von den Ärzten ab. Das ist bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 52 Stunden natürlich schon eine Ansage. Oder man muss überlegen, was Ärzte weniger machen sollen." Hausbesuche, Bereitschaftsdienste oder Fortbildungen kämen wohl kaum infrage.

Gassen wandte sich gegen eine Dramatisierung. "Das gefühlte Problem langer Wartezeiten auf Termine wird wie eine Monstranz durch die Gegend getragen." Wartezeiten hätten sich aber "auf sehr niedrigem Niveau" stabilisiert. "Der vermeintliche Vorteil von wenigen Tagen, den Private bei manchen Terminen hatten, verringert sich jetzt auch noch." Der KBV-Chef kritisierte zudem "eine absurde Diskussion" über eine falsche Verteilung der Ärzte. "Da heißt es: In großen Städten gebe es zu wenig Termine, aber umgekehrt seien große Städte auch total überversorgt. Wenn man Praxen aus Städten herausverlagert, würde das Terminprobleme aber ja noch mal verschärfen."

Um die Versorgung auf dem Land perspektivisch zu sichern, müsse man auch über flexible Lösungen nachdenken, sagte Gassen. "Zum Beispiel, dass ein HNO-Arzt einmal in der Woche für eine Sprechstunde rausfährt, und die Praxisräume stellt die Gemeinde zur Verfügung." Im ländlichen Raum werde es aber immer längere Anfahrtswege geben, wie es etwa auch bei Fahrten zum Tanken oder zum Supermarkt normal sei. "Forderungen wie "In jedem Dorf ein Arzt" sind Quatsch. Das gibt es vielleicht im Fernsehen beim Landarzt."

Für eine Praxis brauche es einen gewissen Patientenstamm, damit es sich rechne - bei einem Hausarzt ein Einzugsgebiet von einigen tausend Menschen. "Das habe ich in einer Großstadt ganz schnell, auf dem Land muss aber eine größere Fläche zusammengefasst werden."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kreml: Russland könnte Pipeline Nord Stream 2 allein bezahlen. "Russland hat diese Möglichkeit", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstagabend in Moskau und bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Mögliche US-Sanktionen bezeichnete er als "Rowdytum". Man hoffe aber, dass es nicht soweit komme, sagte er dem Portal RBK. MOSKAU - Russland kann die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 im Falle von US-Sanktionen gegen europäische Partner nach eigenen Angaben auch allein finanzieren. (Boerse, 23.09.2018 - 14:14) weiterlesen...

Pflegebeauftragter will Start in die häusliche Pflege erleichtern. "Die Angehörigen sind in dieser Situation fast immer hilflos, egal ob Akademiker oder nicht. Zumal Pflegebedürftigkeit meistens plötzlich eintritt", sagte Westerfellhaus der "Rheinischen Post" (Samstag). Dann seien viele Menschen überfordert mit der Situation, eine Einrichtung zu finden oder den Pflegebedürftigen im häuslichen Bereich zu versorgen. DÜSSELDORF - Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat sich dafür ausgesprochen, Familien mit neuen Pflegefällen stärker zu unterstützen. (Wirtschaft, 22.09.2018 - 13:03) weiterlesen...

Premierministerin May droht wieder Ärger im britischen Kabinett. Kabinettsmitglieder wollen nach einem Bericht des "Telegraph" auf ihrer Sitzung an diesem Montag in London May auffordern, einen "Plan B" für die Brexit-Verhandlungen vorzulegen. Andernfalls drohten ihr weitere Rücktritte. Am Montag sei der Knackpunkt, zitierte die Zeitung eine nicht näher genannte Quelle. LONDON - Nach ihrer Abfuhr durch die EU auf dem informellen Gipfel in Salzburg droht der britischen Premierministerin Theresa May neuer Ärger. (Wirtschaft, 22.09.2018 - 12:52) weiterlesen...

AmCham sieht Chance auf Lösung im Handelsstreit mit Trump. Wirtschaftsminister Wilbur Ross habe bei einem Treffen in Washington deutlich gemacht, dass es einen Verhandlungsweg gebe, um mit Europa eine Lösung zu finden, sagte Frank Sportolari, Präsident der AmCham Germany. "Aus Sicht von Ross sind Zölle auf Produkte aus Europa vermeidbar, auch die auf Autos", sagte Sportolari der Deutschen Presse-Agentur. Zwar entscheide am Ende US-Präsident Donald Trump, der Wirtschaftsminister habe aber großen Einfluss auf ihn. FRANKFURT - Die amerikanische Handelskammer in Deutschland sieht im Handelsstreit mit den USA Entspannungssignale. (Wirtschaft, 22.09.2018 - 09:32) weiterlesen...

FDP fordert 'Mieten-TüV' für Gesetze mit Einfluss auf Wohnkosten. "Wir wollen eine Selbstverpflichtung jedes Landesparlaments", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Sebastian Czaja, der Deutschen Presse-Agentur. "Da sollte dann geprüft werden, welche Auswirkungen neue Vorgaben für Bauen, Mieten und Wohnen haben." Czaja leitet auch die AG Bauen und Stadtentwicklung innerhalb der Konferenz, die bei einem Treffen in Wiesbaden am Freitag ein Eckpunktepapier verabschiedet hat. BERLIN - Die FDP verlangt einen "Mieten-TÜV" für alle neuen und bestehenden Gesetze, die einen Einfluss auf Wohnkosten haben. (Boerse, 22.09.2018 - 08:20) weiterlesen...

Hambacher Forst: Regierung traf fünfmal RWE-Chef Schmitz. Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns hatte je ein Gespräch mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sowie Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth und Arbeits-Staatssekretärin Leonie Gebers. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. BERLIN - Zum Streit um die Rodung des Hambacher Forsts haben sich fünf Mitglieder der Bundesregierung im Juli und August mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz getroffen. (Boerse, 22.09.2018 - 08:18) weiterlesen...