Transport, Verkehr

BERLIN - Die Deutsche Bahn hat den Abwärtstrend bei der Pünktlichkeit bislang nicht gestoppt.

04.12.2018 - 16:33:23

GESAMT-ROUNDUP: Bahn im Verspätungstief - Kunden wollen früher Entschädigung. Im November kamen lediglich 70,4 Prozent der Fernzüge ohne größere Verspätung ans Ziel, wie die Bahn am Dienstag mitteilte. Nach ihrer Definition gilt ein Zug noch als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ankommt. Viele Bahnkunden wünschen sich bei Zugverspätungen eine verbesserte Entschädigungsregelung. Dies ergab eine vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) veröffentlichte Umfrage. In der Tarifrunde für rund 160 000 Eisenbahner gab es Fortschritte.

Im Oktober waren 71,8 Prozent der ICE, Euro- und Intercitys pünktlich nach 72,7 Prozent im September. Ihr Jahresziel von 82 Prozent wird die Bahn deutlich verfehlen. Als Grund für den gesunkenen Wert im November nannte der Konzern die Folgen des ICE-Brandes auf der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt. Dort blieb ein Gleis bis 18. November gesperrt. Die damit verbundenen großen Umleitungen auf dem vielbefahrenen Korridor hätten Verspätungen im Nah- und Fernverkehr verursacht, erläuterte die Bahn. Im Jahresverlauf machten dem Unternehmen auch technische Störungen an den Zügen und Engpässe auf dem Schienennetz zu schaffen.

In einer Kundenbefragung im Auftrag des VCD sprach sich knapp die Hälfte von Nutzern des Fernverkehrs dafür aus, dass die Bahn ein Viertel des Fahrpreises ab 30 Minuten Verspätung erstatten müsse. Nach geltendem Recht wird eine Erstattung erst ab 60 Minuten Verspätung fällig. Beträgt die Verspätung mehr als zwei Stunden, gibt es die Hälfte des Fahrpreises zurück. Knapp 40 Prozent der Fahrgäste möchten zudem eine einfachere Erstattung ohne Formular, sondern über ihre Handy-App.

"Die Pünktlichkeit ist ihr massivstes Qualitätsproblem", sagte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok über die Bahn. Im Durchschnitt gaben die Kunden dem Angebot des Fernverkehrs insgesamt (2,8) und der Pünktlichkeit (3,1) die Schulnote "befriedigend". Besonders positiv wahrgenommen wurden digitale Angebote und der bessere Zugang ins Internet. 59 Prozent gaben an, die lokalen Netzwerke (WLAN) im Zug hätten sich verbessert, 48 Prozent registrierten auch besseren Empfang für mobile Telefonate und Internet im Zug.

In den Tarifgesprächen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ging es zudem deutlich voran. Die GDL sprach nach einer 14-stündigen Verhandlungsrunde von einer "grundsätzlichen Verständigung in den zentralen Themen der Arbeitszeit" für das Zugpersonal. So seien Kompromisse bei den Themen Kurzpausen, Pausen im Zug und bei der Anwendung von Ruhezeitregeln erzielt worden. Damit habe man "eine Einigung bei einem wesentlichen Teil unserer Kernforderungen zur Arbeitszeit erzielt", stellte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky fest.

Die Bahn sucht in den Verhandlungen nun eine engere Abstimmung mit den beiden Gewerkschaften. Am kommenden Donnerstag und Freitag will sie sich sowohl mit der GDL als auch mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Hannover treffen. Die GDL sprach von einer "Abschlussrunde". Die Bahn kündigte an, beiden Gewerkschaften ein "Gesamtangebot" vorzulegen.

Bislang hat der Konzern mit den beiden Gewerkschaften mit jeweils einigen Tagen Abstand separat und abwechselnd verhandelt. Von Anfang an hatte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler klargemacht, er wolle möglichst mit beiden Gewerkschaften "für gleiche Berufsgruppen auch zu vergleichbaren Ergebnissen kommen".

Beide Gewerkschaften fordern 7,5 Prozent mehr Geld. Die GDL verhandelt für rund 36 000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter vor allem Lokführer und Zugbegleiter. Die EVG vertritt in der Tarifrunde rund 160 000 Beschäftigte, dazu gehört auch das Zugpersonal. Zwischen EVG und Bahn ist umstritten, ob die Arbeitnehmer bei der nächsten Einkommenserhöhung zwischen mehr Geld, mehr Urlaub und einer Arbeitszeitverkürzung wählen können. Die EVG will dies durchsetzen, die Bahn steht dem bislang ablehnend gegenüber.

@ dpa.de

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