Regierungen, Deutschland

BERLIN - Der zusehends spätere Renteneintritt könnte laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) viele Arbeitnehmer in finanzielle Probleme stürzen.

17.04.2019 - 15:07:24

Spätere Rente trifft Schwächste am härtesten. Insbesondere Menschen mit geringer Bildung, Niedriglohnjobs oder gesundheitlichen Problemen drohten Risiken, erklärten die Berliner Forscher in einer am Mittwoch vorgelegten Analyse. Manche, die es nicht schafften, bis zur künftigen Grenze von 67 Jahren für den Renteneintritt ohne Abschläge zu arbeiten, müssten sich auf hohe Einkommenseinbußen einstellen. Zuerst berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch) darüber.

"Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen", sagte DIW-Rentenexperte Johannes Geyer. "Die spätere Rente trifft also die Schwächsten am härtesten". Hintergrund ist laut der Studie, dass die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung höher ist. Sie könnten wenig ins Rentensystem einzahlen und hätten damit im Alter ein höheres Armutsrisiko.

Das Alter, in dem Menschen ohne Abschläge in Rente gehen können, wird seit 2012 schrittweise angehoben. Derzeit liegt die Regelaltersgrenze bei etwas mehr als 65 Jahren. Für Menschen, die ab 1964 geboren wurden, gilt die Rente mit 67, die sie 2031 erreichen. Hintergrund ist die längere Lebenserwartung. Es gibt aber Ausnahmen, etwa für Menschen, die besonders lange Rentenbeiträge gezahlt haben.

In der Studie des DIW im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wurde berechnet, wie sich das tatsächliche Renteneintrittsalter bis 2032 entwickeln dürfte. Für höher gebildete Menschen verschiebt sich der Renteneintritt mit 1,6 bis zwei Jahren demnach deutlich stärker als für Personen mit geringer oder mittlerer Bildung mit einem bis 1,4 Jahren.

Der Sozialverband VdK warnte davor, das Renteneintrittsalter noch weiter anzuheben. "Eine Rente mit 70 darf es nicht geben", sagte Präsidentin Verena Bentele. Gerade Menschen mit wenig Bildung seien oft lange vor der Rente arbeitslos und zahlten dann keine Beiträge mehr ein. "Wer arbeitslos auf die Rente wartet, verarmt schon vor Rentenbeginn."

Linke-Chef Bernd Riexinger sagte, Altenpfleger oder Verkäuferinnen könnten nach vielen Beitragsjahren bei einer Verrentung vor dem offiziellen Eintrittsalter von ihrer Rente nicht leben. Nötig sei, das Eintrittsalter auf 65 zu senken. Zusätzlich seien Zeiten von Erwerbslosigkeit, Kindererziehung und Pflege besser abzusichern.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Rechtsstreit um Tweets: Musk und Börsenaufsicht erhalten mehr Zeit. Die zuständige Richterin Alison Nathan stimmte am Donnerstag (Ortszeit) in New York einem Antrag der Anwälte beider Parteien zu, eine weitere Woche Zeit für Verhandlungen einzuräumen. Eigentlich hatte Nathan Anfang April eine einvernehmliche Lösung innerhalb von zwei Wochen gefordert. NEW YORK - Der Rechtsstreit zwischen Elon Musk und der US-Börsenaufsicht SEC um die Social-Media-Aktivitäten des Tesla -Chefs geht in die Verlängerung. (Boerse, 19.04.2019 - 17:02) weiterlesen...

Trump: Aussagen in Mueller-Bericht zum Teil 'kompletter Schwachsinn'. In dem "verrückten Mueller-Bericht" würden zum Teil Aussagen über ihn getroffen, die "fabriziert und total falsch" seien, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Manche Aussagen seien "kompletter Schwachsinn" und hätten nur zum Ziel, die andere Person gut aussehen zu lassen - oder ihn selbst schlecht. Trump bezeichnete die gesamte Untersuchung erneut als illegalen Schwindel, der nie hätte passieren dürfen. WASHINGTON - US-Präsident Donald Trump hat den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller zur Russland-Affäre scharf kritisiert und viele Aussagen darin als unwahr abgetan. (Wirtschaft, 19.04.2019 - 14:57) weiterlesen...

Städtetag: EU-Vorgaben könnten Tickets im Nahverkehr teurer machen. "Es ist zu befürchten, dass das ÖPNV-Angebot durch die Richtlinie langfristig teurer wird oder sogar reduziert werden muss", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur. BRÜSSEL - Der Deutsche Städtetag warnt vor steigenden Preisen im Nahverkehr wegen neuer EU-Vorgaben zur Anschaffung sauberer Busse. (Boerse, 19.04.2019 - 14:56) weiterlesen...

Regierungsumbildung in Pakistan nach Kritik an Wirtschaftsproblemen. Am Donnerstagabend (Ortszeit) kündigte Khan an, zehn Ministerposten neu zu besetzen. Während mehrere Minister neue Ministerien zugeteilt bekamen, schied der Finanzminister Asad Umar aus. Umar war angesichts der Wirtschaftskrise und schleppender Verhandlungen um ein Hilfspaket des Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF) in die Kritik geraten. ISLAMABAD - Nur acht Monate nach seinem Amtsantritt hat Pakistans Ministerpräsident Imran Khan eine weitreichende Kabinettsumbildung vorgenommen. (Wirtschaft, 19.04.2019 - 14:50) weiterlesen...

Regierung will Gesetz für Klimaziele 2030 in diesem Jahr billigen. Das hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag versichert, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Dem neuen Klimakabinett, das vergangene Woche erstmals getagt hat, komme dabei "eine entscheidende Rolle" zu, heißt es. BERLIN - Die Bundesregierung will wie im Koalitionsvertrag vereinbart noch in diesem Jahr per Gesetz festschreiben, wie die Klimaschutzziele für 2030 erreicht werden. (Boerse, 19.04.2019 - 14:30) weiterlesen...

Kirchen sehen vorerst keine Finanzalternative zur Kirchensteuer. Zugleich wächst bei ihnen die Bereitschaft, über staatliche Zahlungen in Millionenhöhe zu sprechen, die von den Oppositionsparteien im Bundestag offen infrage gestellt werden. Ausgelöst hat die Debatte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der jüngst eine ernsthafte Diskussion in der Kirche über die künftige Finanzierung verlangt hatte. BERLIN - Die christlichen Kirchen in Deutschland sehen für ihre Finanzierung vorerst keine reelle Alternative zur Kirchensteuer. (Wirtschaft, 19.04.2019 - 14:18) weiterlesen...