ENBW ENERGIE BADEN, DE0005220008

BERLIN - Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet einen Weiterbetrieb von zwei Atomkraftwerken in Deutschland über das Jahresende hinaus.

27.09.2022 - 19:53:28

Habeck rechnet mit Atomkraft-Weiterbetrieb bis April 2023. Das erklärte der Minister am Dienstagabend in Berlin. Stand heute gehe sein Ministerium davon aus, dass man die "Reserve" ziehen werde und die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim im ersten Quartal 2023 weiter am Netz sein werden.

für Neckarwestheim und die Eon -Tochter Preussen Elektra für Isar 2, bestätigten am Dienstagabend die Vereinbarung mit dem Ministerium. Das AKW Neckarwestheim werde "auf jeden Fall am 31. Dezember 2022 abgefahren", erklärte EnBW. Sollte die Bundesregierung entscheiden, "dass eine weitere Stromproduktion erforderlich ist, wird der Reaktorkern der Anlage mit bereits vorhandenen teilverbrauchten Brennelementen neu zusammengesetzt, um durch diesen Optimierungsschritt nach dem Wiederanfahren eine Stromproduktion von bis zu 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom zu gewährleisten", hieß es weiter. Die "hohen Anforderungen an die Sicherheit" würden unverändert fortbestehen.

Isar-2-Betreiber Preussen Elektra teilte mit, dass das Kernkraftwerk "zeitnah" in einen Kurzstillstand gehen werde, um eine Revision seiner internen Ventile zu ermöglichen. Nach dem Wiederanfahren könne die Anlage mit dem bestehenden Reaktorkern bis voraussichtlich März 2023 weiterlaufen, hieß es.

"Auch wenn es leider noch keine endgültige Klarheit über den Weiterbetrieb von Isar 2 gibt, begrüßen wir die erzielte Einigung. Damit lässt sich arbeiten, und mit den notwendigen Vorarbeiten können wir jetzt beginnen", sagte Guido Knott, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Erst Anfang vergangener Woche war bekannt geworden, dass das bayerische AKW Isar 2 wegen eines verschlissenen Ventils noch im Oktober repariert werden müsste, um nach dem 31. Dezember überhaupt als Notreserve in Frage zu kommen. Habeck und die AKW-Betreiber hatten daraufhin noch einmal unter neuen Vorzeichen über die genaue Ausgestaltung eines Weiterbetriebs bis Mitte 2023 beraten.

Parallel hatte in den vergangenen Wochen nicht nur die Opposition aus Union und AfD weiter Druck auf den Minister ausgeübt, die Atomkraftwerke über das Jahresende hinaus weiterlaufen zu lassen. Auch in den eigenen Regierungsreihen gibt es Dissens in dieser Frage: Der Ampel-Koalitionspartner FDP pocht sogar auf einen AKW-Weiterbetrieb bis 2024. FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der "Rheinischen Post", dass in Kombination mit einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke auch eine Gaspreisbremse kommen müsse. Habeck erteilte "politischen Koppellösungen" dieser Art am Dienstagabend eine Absage. "Das ist nicht mein Vorgehen", sagte er.

Umweltorganisationen und Atomkraftgegner kritisierten den nun sehr wahrscheinlichen AKW-Weiterbetrieb scharf. Man warne vor einer Vorentscheidung, erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kränner.

@ dpa.de