Pharma, Biotechnologie

BERLIN - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dringt auf Tempo bei einer breiten Einführung elektronischer Rezepte und will dafür auch noch einfachere Wege eröffnen.

26.08.2022 - 15:20:30

Lauterbach will Tempo und einfachere Lösungen für E-Rezepte. "Wir müssen das jetzt schnell ausrollen", sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Er sprach sich dafür aus, dass digitale Rezept-Codes außer über eine spezielle App für Smartphones oder als Papierausdruck auch per Mail oder normale SMS übermittelt werden können. Dazu sei man unter anderem zu Datenschutzfragen im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Die Kassenärzte forderten Klärungen für praktische Probleme.

Nach einer Testphase soll an diesem Donnerstag ein schrittweiser Start des E-Rezepts anlaufen - zunächst bei Praxen und Kliniken in der Region Westfalen-Lippe und bei Zahnärzten in Schleswig-Holstein. Zudem sollen Apotheken bundesweit E-Rezepte annehmen, rund 10 000 der 18 000 Apotheken meldeten sich nach Verbandsangaben startklar. Für andere Praxen in Schleswig-Holstein hatte die dortige Kassenärztliche Vereinigung einen Rückzug erklärt, nachdem die Übermittlung per Mail und SMS datenschutzrechtlich untersagt worden sei. Ursprünglich war ein bundesweiter Start der E-Rezepte schon zu Jahresbeginn geplant.

Dabei bekommen Patienten statt des gewohnten rosa Zettels einen Code aufs Smartphone, um Medikamente in Apotheken abzuholen. Wer kein Smartphone hat oder nicht die spezielle App, bekommt den Code vorerst ausgedruckt auf Papier. Ab 2023 sollen E-Rezepte außerdem mit der elektronischen Gesundheitskarte eingelöst werden können. Lauterbach machte deutlich, dass er dies auch für die ganz normale elektronische Gesundheitskarte anstrebt, die alle Versicherte haben - und nicht erst für eine modernere Version der Karte mit spezieller Technologie.

Mit Blick auf einen Starttermin für einen flächendeckenden Einsatz von E-Rezepten verwies der Minister auf die nun noch neu vorgesehenen einfacheren Lösungen. "Wenn das alles klappt, denke ich, sind wir im nächsten Jahr da wirklich gut unterwegs." Lauterbach informierte sich in einer Berliner Arztpraxis über den Einsatz von E-Rezepten.

Der Chef der mehrheitlich bundeseigenen Gematik-Gesellschaft für Digitalprojekte, Markus Leyck Dieken, erläuterte, dass in den beiden Modellregionen nun strukturiert Beobachtungen zur Einführung gemacht werden sollen. Es sei aber schon jetzt jeder Behandler in Deutschland mit entsprechender Software eingeladen, Erfahrungen zu sammeln. Bald würden E-Rezepte, die in 18 europäischen Ländern längst etabliert seien, dann auch ganz normal als täglicher Service empfunden.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mahnte Lösungen für Probleme an. "Von einem reibungslosen Funktionieren sind wir noch meilenweit entfernt", sagte Vorstandschef Andreas Gassen. Größter Kritikpunkt ist laut KBV, dass die Ausstellung samt elektronischer Signatur zu lange dauere. Da das E-Rezept aktuell in der Regel ausgedruckt werden müsse, hinterfragten viele Ärztinnen und Ärzte den Sinn einer Digitalisierung, die mehr Papier produziere als vorher.

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte der "Rheinischen Post" (Freitag): "Es ist beim besten Willen nicht nachvollziehbar, warum etwas, das in anderen europäischen Ländern seit Jahren problemlos und datenschutzkonform funktioniert, in Deutschland anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit ist."

Das E-Rezept soll ein Baustein für eine schon seit Jahren angestrebte stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens sein. Nach langem Gezerre soll auch für elektronische Patientenakten mehr Schub her. Sie wurden 2021 als freiwilliges Angebot für die 73 Millionen gesetzlich Versicherten gestartet und sollen mehr und mehr Funktionen bekommen. Die Koalition strebt an, dass für die Nutzung das Prinzip "Opt out" kommen soll - also, dass man aktiv widersprechen muss und nicht aktiv einwilligen.

Die Barmer Krankenkasse warb auch für mehr Videosprechstunden und kritisierte geltende Beschränkungen. "Videosprechstunden haben sich gerade in der Corona-Pandemie bewährt", sagte Vorstandschef Christoph Straub der Deutschen Presse-Agentur. Sie seien ein Baustein gewesen, dass die Versorgung stabil geblieben sei, könnten flexibler in Terminkalender integriert werden und sparten Patienten und Ärzten vor allem auf dem Land weite Wege. Dass Videotermine nach einem unbegrenzt möglichen Angebot in der Pandemie seit April auf 30 Prozent der Praxiskapazität beschränkt seien, baue Schranken auf.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Berliner Initiative fordert Enteignung von Energiekonzernen. enteignen" in Berlin fordert nun auch die Vergesellschaftung von Energiekonzernen. Während der Senat die schnelle Umsetzung des Volksentscheids über eine Enteignung großer Wohnungsunternehmen blockiere, belaste die Energiekrise Mieterinnen und Mieter zusätzlich, teilte die Initiative am Montag mit. Auf den Tag genau vor einem Jahr war sie mit dem von ihr angestoßenen Volksentscheid zu Enteignungen in der Wohnungsbranche in Berlin erfolgreich. Bei der Abstimmung parallel zur Abgeordnetenhauswahl votierten gut 59 Prozent der Wählerinnen und Wähler dafür. "Auch Energiekonzerne müssen vergesellschaftet werden", so Initiativensprecher Kalle Kunkel. BERLIN - Die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. (Boerse, 26.09.2022 - 11:38) weiterlesen...

Hamburger Verfassungsschutz-Chef rechnet mit 'kritischem Herbst'. "Es ist zu erwarten, dass Extremisten von rechts bis links versuchen werden, diese Themen für sich zu besetzen und zu instrumentalisieren", sagte er dem "Hamburger Abendblatt" (Montag). Sie wollten damit Anschluss an die Mitte der Gesellschaft finden. HAMBURG - Hamburgs Verfassungsschutzchef Torsten Voß rechnet angesichts massiver Preissteigerungen in der Energiekrise mit einem "kritischen Herbst". (Wirtschaft, 26.09.2022 - 11:37) weiterlesen...

AfD-Spitze gratuliert Wahlsiegerin Meloni: Zeit für Politikwechsel. "Wir als Alternative für Deutschland gratulieren Giorgia Meloni zu ihrer Wahl und wünschen ihr, dass sie als erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung stehen möge", hieß es am Montag in einer Mitteilung der beiden Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Wie vor ihnen schon die Schweden, so hätten sich nun auch die Italiener für einen "Politikwechsel" entschieden. "Deutschland steht mit seiner links-grünen Ampelkoalition in Europa ziemlich alleine da", folgerten die Co-Vorsitzenden. BERLIN/BRÜSSEL - Mit Begeisterung hat die AfD auf den Wahlsieg der Rechten in Italien reagiert. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 11:26) weiterlesen...

Borne: Europa wird auf Einhaltung von Grundrechten in Italien achten. "In Europa haben wir eine Reihe von Werten und natürlich werden wir aufmerksam sein, dass diese Werte hinsichtlich der Menschenrechte und des Rechts auf Abtreibung von allen respektiert werden", sagte Borne am Montag dem Sender BFMTV. Das Wahlergebnis als solches kommentierte sie nicht. PARIS - Nach dem Wahlsieg des rechten Lagers bei der Parlamentswahl in Italien hat Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne auf den Schutz von Grundrechten in allen EU-Mitgliedstaaten gepocht. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 11:26) weiterlesen...

Gegen Mobilmachung: Mann schießt in russischer Einberufungsstelle. Der Vorfall ereignete sich in der ostsibirischen Stadt Ust-Ilimsk im Gebiet Irkutsk, wie der Gouverneur der Region, Igor Kobsew, am Montag im Nachrichtenkanal Telegram mitteilte. Der 25 Jahre alte Reservist, der zum Kriegsdienst in der Ukraine eingezogen werden sollte, wurde demnach festgenommen. IRKUTSK - Im Zuge der von vielen Russen abgelehnten Teilmobilmachung für den Krieg in der Ukraine hat ein Reservist auf den Leiter einer Einberufungsstelle geschossen und den Mann schwer verletzt. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 10:36) weiterlesen...

Seoul: China und Nordkorea nehmen offenbar Frachtverkehr wieder auf. Es gebe Hinweise dafür, dass der grenzüberschreitende Güterzugverkehr wieder aufgenommen worden sei, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Montag mit. Es sei jedoch noch unklar, ob es wieder einen regelmäßigen Gütertransport auf der Schiene zwischen beiden Ländern gebe. Weitere Details nannte die Behörde nicht. SEOUL - Nach monatelanger Unterbrechung transportiert China nach südkoreanischen Angaben offenbar wieder per Eisenbahn Güter ins benachbarte Nordkorea. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 09:51) weiterlesen...