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BAIKONUR - Zwei Raumfahrer haben den ersten Fehlstart einer russischen Sojus-Rakete seit Jahrzehnten dank einer Notlandung überlebt.

11.10.2018 - 14:30:25

Rückschlag für Russlands Raumfahrt: Sojus-Start zur ISS gescheitert. Retter bargen den russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin und seinen US-Kollegen Nick Hague am Donnerstag aus ihrer Kapsel, die an Fallschirmen nahe der Stadt Dscheskasgan im Zentrum Kasachstans niedergegangen war. Die Trägerrakete hatte sich 119 Sekunden nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur wegen technischer Probleme abgeschaltet und aufgelöst.

Auf der Internationalen Raumstation ISS warteten Kommandant Alexander Gerst aus Deutschland und seine Kollegen vergeblich auf die neuen Kollegen. Die Crew sei von der Erde aus über den glimpflich verlaufenen Fehlstart informiert worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

Über eine mögliche Verlängerung von Gersts Aufenthalt wegen des Unfalls sei noch nicht entschieden, sagte Europas Raumfahrtchef Jan Wörner der Deutschen Presse-Agentur. "Dafür ist es jetzt zu früh, es hängt ganz wesentlich davon ab, wie schnell man die Ursache findet und für die Zukunft ausschließen kann." Gersts Mission läuft bis Dezember. Falls er wegen der Panne länger im All bleiben müsse, wäre dafür alles vorhanden, sagte Wörner, der Europas Raumfahrtbehörde Esa leitet.

Für die russische Raumfahrt ist der Unfall ein schwerer Rückschlag. Er kommt auch zu einer Zeit, in der das sonst gute Verhältnis zu den US-Kollegen gespannt ist. Der neue Nasa-Chef Jim Bridenstine verfolgte den Start von Baikonur aus und vereinbarte mit den Russen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt. US-Astronauten können seither nur noch mit der Sojus zur ISS gelangen.

Bemannte Sojus-Starts wurden nach dem Fehlschlag ausgesetzt. "In einer solchen Situation gibt es vorerst keine weiteren Starts, bis die Ursache endgültig geklärt worden ist", sagte der für Raumfahrt zuständige Vizeregierungschef Juri Borissow. Zur Ursachenforschung wurde eine Kommission eingerichtet. "Andererseits hat sich gezeigt, dass die Notfall- und Rettungssysteme funktionieren, und das ist sehr wichtig", sagte Borissow der Agentur Interfax zufolge.

Die Sojus-Trägerrakete, eigentlich das bewährte Arbeitspferd der russischen Weltraumfahrt, hatte um 14.40 Uhr Ortszeit (10.40 Uhr MESZ) in Baikonur abgehoben. Nach vorläufigen Angaben von Experten traten schon beim Brennen der ersten Raketenstufe Probleme auf. Die Nasa sprach von einer "Anomalie" an der Stufe. Deswegen zündete die zweite Stufe nicht, sondern die Rakete löste sich auf.

Die Kapsel "Sojus-MS10" mit Owtschinin und Hague ging in eine flachere Flugbahn über. Es folgten bange Minuten bis zur Notlandung etwa 400 Kilometer vom Startpunkt entfernt. "Die Besatzung ist gelandet. Alle leben", gab schließlich Dmitri Rogosin, Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, auf Twitter Entwarnung. Owtschinin und Hague sollten nach ihrer Bergung über Baikonur nach Moskau geflogen werden.

Über Gersts zweitem Raumflug und seiner Zeit als erstem deutschem Kommandanten der ISS scheint damit kein guter Stern zu stehen. An der Raumkapsel "Sojus-MS09", mit der er zur ISS kam, war kürzlich ein kleines Bohrloch entdeckt worden. Zwar konnte das Leck geschlossen werden, doch die Ursache ist ungeklärt. Russische Experten verstiegen sich sogar zu der These, US-Astronauten hätten im Kosmos die Wand angebohrt.

Über das Frühjahr 2019 hinaus gibt es derzeit noch keine Verträge zwischen Roskosmos und den USA über Flüge von US-Astronauten zur ISS. Bridenstine sagte aber, er habe mit Rogosin eine fortgesetzte Kooperation auf der ISS vereinbart. Auch wollten beide Seiten gemeinsam nach Leben im All suchen und bei einer künftigen Mondstation kooperieren.

Auf der ISS arbeiten neben Gerst derzeit noch der Russe Sergej Prokopjew und die Amerikanerin Serena Aunon-Chancellor. Erst am vergangenen Donnerstag war eine russische Sojus-Kapsel von der ISS sicher zur Erde zurückgekehrt. Die Kapsel mit den drei Raumfahrern Oleg Artemjew, Drew Feustel und Ricky Arnold hatte in der Steppe von Kasachstan aufgesetzt.

@ dpa.de

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