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PARIS / LONDON - Der eskalierende amerikanisch-chinesische Handelskonflikt hat der Erholung an Europas Börsen zur Wochenmitte ein jähes Ende bereitet.

11.07.2018 - 18:43:37

Aktien Europa Schluss: Handelsstreit schickt Kurse wieder auf Talfahrt. Die scheinbare Gleichgültigkeit an den Märkten gegenüber diesem Streit habe sich als "trügerische Hoffnung" erwiesen, kommentierte Analyst Jasper Lawler von der London Capital Group die deutlichen Kursverluste am Mittwoch nach der guten Entwicklung der vergangenen Tage. Zudem nähmen die Anleger die jüngsten Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump gegen Deutschland nicht auf die leichte Schulter.

um 1,48 Prozent auf 5353,93 Punkte nach unten, und in London sackte der FTSE 100 um 1,30 Prozent auf 7591,96 Punkte ab.

Im Auftrag von Trump legte der der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer eine Liste mit weiteren chinesischen Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vor, die mit Strafzöllen von zehn Prozent belegt werden können. Nach Anhörungen können die Zölle Ende August in Kraft treten. Damit wäre die Hälfte aller Einfuhren aus China von Sonderabgaben betroffen. Die Regierung in Peking reagierte "geschockt" und kündigte für den Fall des Inkrafttretens "notwendige Gegenmaßnahmen" an.

Damit kehrten die Handelssorgen an die Börse zurück, nachdem zuletzt noch die Hoffnungen auf gute Unternehmenszahlen aus den USA und eine weiter robuste amerikanische Wirtschaft die Kurse gestützt hatten.

Auch der Konflikt zwischen den USA und der EU gewann angesichts der jüngsten Aussagen des US-Präsidenten beim derzeitigen Nato-Gipfel wieder an Schärfe. Der entscheidende Streitpunkt bleibt die Lastenverteilung zwischen den Mitgliedern des Militärbündnisses. Trump griff insbesondere die deutsche Regierung wegen zu niedriger Verteidigungsausgaben scharf an. Er kritisierte zudem den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 für milliardenschwere Gasimporte, wodurch Deutschland "total von Russland kontrolliert" sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel verwahrte sich indes mit deutlichen Worten gegen die Vorwürfe.

Im europäischen Branchenvergleich gab es am Mittwoch nur Verlierer. Am härtesten traf es die konjunktursensiblen Aktien der Rohstoffunternehmen und Ölkonzerne: Deren Subindizes im marktbreiten Stoxx Europe 600 büßten 3,30 beziehungsweise 2,30 Prozent ein. Am besten hielten sich noch die Indizes der Lebensmittel- und Getränkeproduzenten sowie der Versorger, die nur um 0,26 beziehungsweise 0,50 Prozent nachgaben.

Im CAC 40 gehörten die Aktien von Carrefour und ArcelorMittal mit Kursabschlägen von 4,87 beziehungsweise 3,68 Prozent zu den größten Verlierern. Beim französischen Handelskonzern belastete ein kritischer Analystenkommentar der britischen Bank Barclays. Derweil litten die Titel des weltgrößten Stahlkonzerns angesichts des Handelskonflikts unter Ängsten vor einer Konjunkturdelle, die die Rohstoffnachfrage belasten würde. Zudem geht die Sorge um, dass chinesischer Billigstahl die Märkte außerhalb der USA fluten könnte, falls die Vereinigten Staaten weitere Handelsbeschränkungen einführten.

Unter den wenigen Gewinnern in Paris stiegen die Anteilscheine von Lagardere um knapp zweieinhalb Prozent, nachdem die US-Bank Goldman Sachs die Aktien zum Kauf empfohlen hatte. Der französische Medienkonzern könnte seine Unternehmensstruktur vereinfachen, schrieb Analystin Katherine Tait.

An der Mailänder Börse stand der Wechsel des Weltfußballers Cristiano Ronaldo vom spanischen Champions-League-Sieger Real Madrid zu Italiens Meister Juventus Turin im Fokus. Laut Medienberichten unterschrieb der Portugiese beim Serie-A-Club einen Vertrag bis 2022. Die Ablöse soll über 100 Millionen Euro betragen und das Netto-Salär in den kommenden vier Spielzeiten 120 Millionen Euro. Die italienische "Gazzetta dello Sport" sprach von einem "Jahrhundert-Geschäft".

Die Anleger konnten sich dafür aber nicht begeistern: Die Aktien des Autobauers Fiat Chrysler sackten um rund drei Prozent ab, und für die börsennotierten Papiere von Ronaldos neuem Arbeitgeber ging es sogar um über fünf Prozent nach unten. Die Agnelli-Familie, die Juventus Turin kontrolliert, ist auch der größte Aktionär von Fiat-Chrysler; zudem drohten Fiat-Arbeiter aus Protest gegen den Millionen-Transfer mit Streiks.

Rupert Murdochs Medienkonzern 21st Century Fox schließlich will dem US-Kabelriesen Comcast den britischen Bezahlsender Sky mit einem höheren Gebot noch vor der Nase wegschnappen. Je Sky-Aktie legt Fox nun 14 britische Pfund in bar auf den Tisch. Die Sky-Anteilscheine waren jedoch bereits zuvor im Zuge der Übernahmespekulationen angesprungen, so dass sie nun ein halbes Prozent tiefer bei 14,94 Pfund aus dem Handel gingen.

@ dpa.de

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