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FRANKFURT - Die Zinsangst ist mit Wucht an den deutschen Aktienmarkt zurückgekehrt.

22.08.2022 - 18:16:59

Aktien Frankfurt Schluss: Zinsangst und Energiesorgen lösen Talfahrt aus. Hinzu kommen die weiter steigenden Energiepreise. Russland hatte angekündigt, die Gaslieferungen nach Europa Ende August für drei Tage zu unterbrechen.

der mittelgroßen Unternehmen sackte um 3,61 Prozent auf 26 009,69 Zähler ab.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,93 Prozent auf 3658,22 Punkte. In Frankreich waren die Verluste ähnlich hoch. Der rohstofflastige Aktienindex FTSE 100 in London hielt sich dagegen deutlich besser, gab allerdings auch nach. In den USA verlor der Dow Jones Industrial zum Börsenschluss in Europa 1,3 Prozent und auch die technologielastigen Nasdaq-Indizes zeigten sich sehr schwach.

Das an diesem Donnerstag beginnende Notenbanktreffen in Jackson Hole (Wyoming) wirft bereits seine Schatten voraus. Anleger spekulieren, dass die US-Notenbank (Fed) weiter einen strikten geldpolitischen Straffungskurs verfolgen dürfte, um die hohen Preissteigerungen in den Griff zu bekommen. Entsprechend trennten sich Investoren von als riskant angesehenen Anlagen. Im Falle eines erneuten deutlichen Zinsschritts der Fed um 0,75 Prozentpunkte würden Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren weiter an Attraktivität verlieren.

Hinzu kommen die Sorgen angesichts weiter anziehender Energiepreise in Deutschland. "Das bereitet immer mehr Investoren Sorgen und führt zu neuerlichen Verringerungen von Aktienbeständen in den institutionellen Depots", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Aus Unternehmenssicht standen gleich zwei Chefwechsel im Fokus der Anleger, die allerdings unterschiedlich gewertet wurden. Beim Fresenius-Konzern soll der amtierende Lenker der Infusionstochter Kabi, Michael Sen, die Führung übernehmen und den Gesundheitskonzern aus der Dauerkrise führen. Stephan Sturm wird dann seinen Hut nehmen. Die Aktien zogen an der Dax-Spitze um 3,6 Prozent an. Die Papiere der Dialyse-Tochter FMC hielten sich im sehr schwachen Gesamtmarkt zugleich stabil.

Kasper Rorsted verlässt den Sportartikelhersteller Adidas im kommenden Jahr. Ein Nachfolger für das Amt des Vorstandschefs ist allerdings dort noch nicht gefunden, was die Anleger verunsicherte. Die Anteilscheine büßten 5,2 Prozent ein.

Aktien aus der Chemie- und Industriebranche litten unter Inflationssorgen, die sich mit erneut anziehenden Gaspreisen paarten. Covestro sackten im Dax als Schlusslicht um 6,8 Prozent ab. BASF und Siemens fielen um mehr als vier Prozent. Im MDax büßten vor dem Hintergrund der russischen Ankündigung zur dreitägigen Gas-Lieferunterbrechung die Papiere von Uniper 7,7 Prozent ein.

Im SDax ging es für die Anteile von Shop Apotheke nach einer Berg- und Talfahrt um 9,3 Prozent abwärts. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise berichtet, dass die schweizerische Online-Apotheke Zur Rose strategische Optionen prüft, darunter auch einen Verkauf. Das hatte auch der Konkurrentin aus den Niederlanden Auftrieb gegeben. Kurz darauf jedoch berichtete "Apotheke Adhoc", dass Schleswig-Holstein aus dem E-Rezept aussteigt. Das sollte eigentlich von der kommenden Woche an in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein starten. Diese Nachricht belastet nun stark, da im E-Rezept enorme Chancen für die beiden Unternehmen in Deutschland gesehen werden.

Der Euro blieb unter Druck. Am frühen Abend wurde er mit 0,9935 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs zuvor auf 1,0001 (Freitag: 1,0054) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9999 (0,9946) Euro.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 1,08 Prozent am Freitag auf 1,12 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,22 Prozent auf 134,08 Punkte. Der Bund-Future sank zuletzt um 0,74 Prozent auf 151,15 Punkte./ck/he

Von Claudia Müller, dpa-AFX

@ dpa.de

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