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FRANKFURT - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben zum Wochenauftakt verschnupft auf die Nachricht von weiter steigenden Infektionszahlen bei der Coronavirus-Pandemie reagiert.

22.06.2020 - 18:21:45

Aktien Frankfurt Schluss: Holpriger Wochenstart - Wirecard stürzen ab. Infolge mehrerer Ausbrüche des Coronavirus in einzelnen Regionen Deutschlands hat sich die für die Ausbreitung wichtige Reproduktionszahl (R-Wert) zuletzt deutlich erhöht und liegt in einem kritischen Bereich. Unter den Einzelwerten standen erneut Wirecard mit einem weiteren Kurssturz im Fokus.

der mittelgroßen deutschen Börsenwerte büßte am Montag 1,04 Prozent auf 25 973,96 Punkte ein.

Der EuroStoxx 50 endete 0,84 Prozent tiefer bei 3241,69 Punkten. Der Cac 40 in Paris sank um rund 0,6 Prozent, der FTSE 100 in London verlor rund 0,8 Prozent. Der Dow Jones Industrial stand zum europäischen Handelsschluss 0,4 Prozent im Plus.

Erneut zogen die Aktien von Wirecard alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Bilanzskandal um den Zahlungsabwickler und dessen neuerlicher Kurssturz ist für den Dax in dieser Art ein Novum. Die Wirecard-Papiere brachen um weitere gut 44 Prozent ein, nachdem sie am vergangenen Donnerstag und Freitag bereits um insgesamt 75 Prozent abgesackt waren.

Der Bezahldienstleister steht inzwischen am Abgrund. Seine Zukunft hängt vom Wohlwollen der Banken ab, denn die vermissten 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien gibt es mit ziemlicher Sicherheit nicht. Und so bekommt Wirecard auch kein Testat für die Jahreszahlen 2019. Die Einschätzungen zu 2019 sowie zum ersten Quartal und auch die Prognosen für 2025 nahm der Konzern zurück. Die Ratingagentur Moody's zog nun ihr erst am späten Freitagabend gesenktes Bonitätsurteil "Ramsch" komplett zurück.

Kreditgebenden Banken wie etwa der Commerzbank könnten womöglich Abschreibungen drohen, hieß es zudem am Markt. Fallen gelassen werden soll Wirecard aber nicht, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete. "Keiner hat ein Interesse daran, den Kredit zu kündigen", hieß es demnach aus einem der beteiligten Geldhäuser. Die Papiere der Deutschen Bank gaben um 0,4 Prozent nach, jene der Commerzbank legten um 0,1 Prozent zu.

Die Anteilsscheine der Deutsche Wohnen stiegen an ihrem ersten Tag im Dax um 1,3 Prozent, während die Aktien der Lufthansa an ihrem ersten Tag im MDax um 3,2 Prozent nachgaben. Zeitweise waren sie am Morgen sogar um rund 9 Prozent abgesackt. Am Gelingen der Rettung der in der Coronoa-Krise unter die Räder gekommenen Fluggesellschaft gibt es Zweifel. Das neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket wackelt. Drei Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung blieb die Strategie des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele unklar.

Die Anteilsscheine des Aromen- und Duftstoffherstellers Symrise erreichten am Morgen ein Rekordhoch bei 100,70 Euro, fielen jedoch ab und schlossen 0,9 Prozent tiefer. Delivery Hero endeten kaum verändert bei 90,20 Euro. Beide Aktien werden als Nachfolger für Wirecard gehandelt, sobald dessen Aktie - wohl spätestens im September - aus dem Dax genommen werden dürfte.

Mit einem Plus von 2,8 Prozent zum Sitzungsende und einem Rekordhoch von 84,50 Euro im Handelsverlauf zeigten sich die Aktien des Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer in starker Form. Die Papiere sind seit diesem Montag Mitglied im Stoxx Europe 600 . Die Anteilsscheine des Kochboxen-Lieferanten Hellofresh machten einen Sprung um gut 5 Prozent nach oben und erreichten ebenfalls eine neue Bestmarke.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,43 Prozent am Freitag auf minus 0,44 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 144,92 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,23 Prozent auf 176,06 Zähler.

Am Devisenmarkt legte der Euro in einem überwiegend ruhigen Umfeld auf 1,1260 US-Dollar zu. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1213 Dollar festgesetzt./edh/mis

Von Eduard Holetic, dpa-AFX

@ dpa.de

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