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FRANKFURT - Der deutsche Aktienmarkt hat die beispiellose Corona-Rezession bislang erstaunlich gut verkraftet.

12.07.2020 - 11:03:27

HINTERGRUND: Börsen gefangen zwischen Virusfolgen und Notenbankgeld. Doch ziehen in vielen Teilen der Welt - allen voran die USA - wieder dunklere Wolken auf. Ob das die Wirtschaftskrise verstärkt und damit die Börsen erneut taumeln lassen würde, hängt nun wohl stark von der Reaktion der Politiker auf das Ausmaß der Virusausbreitung ab. Im Notfall könnten dann aber auch die Notenbanken mit noch mehr Billiggeld eingreifen.

könnte darauf hindeuten, dass die Anleger bereits mit einem besonders starken Aufschwung rechnen. "Die Aktienmärkte preisen eine V-förmige Konjunkturerholung ein", schrieb Esty Dwek, Marktstrategin beim Vermögensverwalter Natixis Investment Managers. Dieser Vorstellung zufolge würde auf den scharfen wirtschaftlichen Einbruch eine ebenso starke Erholung folgen. Die Hoffnung auf ein solch sehr optimistisches Szenario aber kann laut Dwek zu Enttäuschungen führen: "Die steigenden Fallzahlen von Corona-Infizierten in den USA bergen das Risiko negativer Schlagzeilen, auch wenn das Infektionsgeschehen regional begrenzt zu sein scheint."

Dabei hat das Börsenjahr 2020 vielversprechend begonnen. Der Dax hielt sich im Januar auf sehr hohem Niveau und erklomm ein Rekordhoch, während die Gefahr durch das in China aufgetretene, neuartige Coronavirus verdrängt wurde. Selbst auf dem wichtigsten deutschen Branchentreffen der Investmentprofis in Mannheim Ende Januar wurden die Risiken einer Pandemie unter ferner liefen abgehakt. Der Dax sollte noch bis Mitte Februar weiter zulegen und bei gut 13 795 Punkten einen historischen Höchststand erklimmen, bevor es zum Crash kam.

Der Dax stürzte ab, verlor innerhalb von drei Wochen mehr als 5000 Punkte und fand Mitte März bei 8255 Punkten den Boden. Im ersten Quartal verzeichnete der Leitindex mit einem Minus von 25 Prozent den größten Verlust seit dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2011. Doch bereits das zweite Jahresviertel bescherte dem Börsenbarometer mit einem Plus von fast 24 Prozent den größten Anstieg seit 2003 - eine Rally, die vielen Experten zu schnell gegangen ist.

Zu den Skeptikern zählt auch der Kapitalmarktstratege Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock. Lück bevorzugt die Theorie vom "abgeknickten V" und rechnet dementsprechend mit einer zunächst kurzen und starken, dann aber für längere Zeit eher schleppenden Konjunkturerholung. Vor diesem Hintergrund dürfte der deutsche Aktienmarkt seiner Meinung nach zunächst Halt finden, da die Schätzungen für die Unternehmensgewinne wohl nicht so stark unter Druck kommen werden wie bei einem derartigen, aktuell befürchteten Einbruch der Gesamtwirtschaft eigentlich zu erwarten wäre. Grund könne das Vertrauen in die Konjunkturprogramme sein. Allerdings sei fraglich, ob die Unternehmensgewinne auch robust bleiben werden. Lück befürchtet, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen wie die Erleichterungen beim Bezug von Kurzarbeitergeld nicht durch die ganze Krise tragen könnten.

Die Krise könnte sich im Herbst noch einmal verschärfen, wenn die dann kühleren Temperaturen eventuell die Ausbreitung des Virus wieder erleichtern. Zumindest aber rückt nach dem Ende der Sommerferien mit der US-Präsidentschaftswahl ein veritables Großereignis in den Fokus.

"Ein Sieg des Herausforderers Joe Biden von den Demokraten würde Steuererhöhungen für Unternehmen, einen Ausbau des Gesundheitssystems und Diskussionen über eine Regulierung der riesigen Digital-Unternehmen in den USA hervorrufen", glaubt Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank. Daher sei der jetzige Präsident Donald Trump Favorit der tonangebenden Wall Street. Verfestigten sich die gegenwärtig aufscheinenden Aussichten auf eine Abwahl Trumps, würde das den US-Aktienmarkt und damit wohl auch den Dax belasten. Allerdings: erst jüngst kündigte Biden für den Fall eines Wahlsieges ein Aufbauprogramm für die Corona-geschädigte Wirtschaft über mehrere hundert Milliarden US-Dollar an.

Bei all den Gefahren für den Aktienmarkt ist es sicher gut zu wissen, dass die Notenbanken im Fall der Fälle wohl wieder entschlossen handeln könnten, um das Schlimmste zu verhindern. Bereits in der Viruskrise haben die Währungshüter Entschlossenheit gezeigt, um die Konjunktur anzukurbeln und pumpen seither noch mehr Geld in die Märkte.

Für Analyst Frank Wohlgemuth von der Essener National-Bank ist das Fazit deshalb klar: "Die umfassenden Notenbankhilfen und die extrem ausgeprägte Angst, Kursgewinne zu verpassen, stützen weiterhin das Kursniveau." Moderate Gewinnmitnahmen über die Ferienwochen würden ihn aber gleichwohl nicht überraschen./la/bek

Von Lutz Alexander, dpa-AFX

@ dpa.de

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