Faserhersteller, Lenzing

F?r den Vorstandschef des b?rsenotierten Faserherstellers Lenzing AG, Stephan Sielaff, ist der Produktionsstandort ?sterreich attraktiv, aber dennoch in Gefahr.

13.09.2022 - 15:13:27

Energiekrise: Lenzing sieht Standort ?sterreich gef?hrdet. "Die Gaspreise sind in ?sterreich hoch, aber nicht in China. Wenn wir nicht mehr kostendeckend arbeiten k?nnen, ist irgendwann Feierabend", so Sielaff in einem Executive Talk mit Horv?th ?sterreich-Chef Stefan Bergsmann. Das ganze Gespr?ch ist auf YouTube abrufbar.

Wien (pts033/13.09.2022/15:10) - F?r den Vorstandschef des b?rsenotierten Faserherstellers Lenzing AG, Stephan Sielaff, ist der Produktionsstandort ?sterreich attraktiv, aber dennoch in Gefahr. "Die Gaspreise sind in ?sterreich hoch, aber nicht in China. Wenn wir nicht mehr kostendeckend arbeiten k?nnen, ist irgendwann Feierabend", so Sielaff in einem Executive Talk mit Horv?th ?sterreich-Chef Stefan Bergsmann. Das ganze Gespr?ch ist auf YouTube abrufbar. https://youtu.be/5DMIWewVvYA

Die aktuelle Energiekrise ist laut dem Lenzing-CEO eine der gr??ten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte, daher ist jetzt ganz wichtig, dass die Politik der Industrie gut zuh?rt. Obwohl die Faserpreise bereits deutlich erh?ht werden konnten, reicht dies nicht zur Abdeckung der hohen Energie- und Rohstoffkosten an den ?sterreichischen Standorten. "Dann bleibt uns nichts anderes ?brig als die Produktion zu drosseln."

Die Energieversorgung bereitet Sielaff weniger Sorgen. Die sei gesichert, und da ist ?sterreich auch deutlich besser aufgestellt als Deutschland. "Viele unserer Rohstoffe kommen aber von der Rheinschiene, also BASF & Co. Und wenn die wirklich runter f?hrt, dann hat nicht nur Lenzing ein Thema, sondern dann haben ganz, ganz viele Unternehmen in Europa ein Problem." Das Gasversorgungsthema isoliert auf ein Land zu betrachten, bringt nichts.

EU-Politik in der Pflicht

Sielaff sieht daher die Politik in der Pflicht. Sie muss den Unternehmen bei den Preisen R?ckendeckung geben, damit sie weiterarbeiten k?nnen. Der Lenzing-Standort Heiligenkreuz sei einer der wichtigsten Industriestandorte im Burgenland. "Wir wollen und haben konkrete Pl?ne, hier weitere 200 bis 300 Mio. Euro zu investieren. Das Einzige, was wir jetzt brauchen, ist eine klare Energieversorgung zu vern?nftigen Preisen. Denn sonst sind wir international nicht mehr wettbewerbsf?hig."

Sielaff im O-Ton: "Ich glaube, Lenzing hat f?r ?stereich, f?r die EU, aber auch hier im Burgenland absolut Tolles geleistet. Wir sind ein Aush?ngeschild. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass die Politik handelt. Denn wenn wir uns zu viel Zeit lassen, dann gibt es diese Industrie nicht mehr in Europa. Wir sind in unserem Markt der einzige Global Player. Wir sind der Nachhaltigste in Europa. Daher verstehe ich nicht, warum gerade ein Unternehmen, dass zu den besten 1% in punkto Nachhaltigkeit geh?rt, nicht besser gef?rdert und unterst?tzt wird."

Besonders unverst?ndlich - wissenschaftlich wie ?konomisch - ist f?r Sielaff, dass Unternehmen der Papierindustrie, wenn sie ein Zellstoffwerk betreiben, die sogenannte Strompreiskompensation der EU erhalten, Faserhersteller, die den gleichen Zellstoff herstellen aber nicht. "Das pr?fen wir gerade, auch legale Schritte, das kann nicht sein. Ich k?mpfe hier f?r den Standort in Heiligenkreuz. Die Aktivit?ten des Landes Burgenland sind gut, aber die helfen mir morgen nicht."

Champion der Nachhaltigkeit

Grunds?tzlich gut sieht der im April 2022 berufene Lenzing-Chef sein Unternehmen f?r die Zukunft ger?stet. "Wir sind in manchen Bereichen Marktf?hrer, beispielsweise bei der Lyocell-Faser, die auch weltweit am st?rksten w?chst." Bis dato sei das Wachstum nur durch die verf?gbaren Kapazit?ten limitiert. Sielaff: "Lenzing war immer ausverkauft in den letzten Jahren, und wir werden daher weitere Kapazit?ten installieren." Das gilt f?r Brasilien ebenso wie f?r Thailand, wo das k?rzlich er?ffnete Lenzing-Werk schon jetzt ausverkauft ist. Das ist aber auch eine Herausforderung, denn bei einer solchen Anlage geht es um Investitionen von 400 Mio. Euro.

Die zweite gro?e Aktie f?r Lenzing ist das Thema Nachhaltigkeit. Auch hier will das Unternehmenden n?chsten Schritt gehen, und zwar den zur Kreislaufwirtschaft - insbesondere im Textilbereich. Aktuell w?rden nur 1% der Kleidungsst?cke weltweit recycelt, der Berg an geschredderten Kleidungsst?cken, die nicht abgesetzt und auch nicht abgebaut werden k?nnen, w?chst und w?chst. "Dieses Wachstum m?ssen wir stoppen", sagte Sielaff. "Wir wollen Technologien entwickeln, um nicht mehr ben?tigte Textilien in Fasern umwandeln und daraus neue Kleidungsst?cke machen zu k?nnen."

Nachhaltigkeit ist f?r Lenzing ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, aber nat?rlich auch ein gewichtiger Kostenfaktor, best?tigte Sielaff. Das sch?tzen auch die Kunden. "Wir haben in den letzten Jahren 200 Mio. Euro nur in Nachhaltigkeitsfragen investiert. Ich kenne nicht viele Unternehmen, die das tun. Wir kriegen dadurch ja auch nicht eine Tonne mehr Produkt. Aber die Produkte, die wir dann produzieren, sind die besten am Markt, nicht nur qualitativ, sondern auch von ihrem ?kologischen Fu?abdruck."

Fachkr?ftemangel europ?isches Problem

Der allerorten beklagte Fachkr?ftemangel ist f?r Lenzing ?hnlich ambivalent wie die Energiefrage. Das Problem besteht nur in Europa, nicht aber global. Sielaff: "Wir haben ja zwei neue Standorte, in Brasilien und in Thailand. In beiden L?ndern, und das war auch ein Auswahlkriterium, ist der Fachkr?ftemangel ?berhaupt kein Thema. Im Gegenteil, wir hatten viel mehr Bewerber als Stellen, und wir sind hochbegeistert von der Qualit?t der Mitarbeiter."

Die Produktion in Thailand l?uft schon fast so effizient wie in Lenzing. Da sei er wirklich sehr zufrieden. "Und dann komme ich nach ?sterreich, und hier bin ich das nicht. Wir sehen absolut einen Fachkr?ftemangel, gerade in den qualifizierten, mechanischen Jobs. Wir sehen ein schrumpfendes Interesse bei der j?ngeren Generation, wenn es um Schichtarbeit geht. Und wir sehen einen Qualifikationsmangel. Aber wir k?nnen damit umgehen und haben Ideen, wie wir Lenzing f?r Bewerber attraktiv machen. Was uns bei der j?ngeren Generation hilft, ist unser zentrales Thema Nachhaltigkeit."

Hintergrund: Der "Executive Talk" ist ein Gespr?chsformat der internationalen Managementberatung Horv?th in Wien. Zum Gespr?ch geladen werden F?hrungskr?fte gro?er Unternehmen, die sich durch au?ergew?hnliche Leadership-Qualit?ten auszeichnen. http://www.horvath-partners.com

?ber Lenzing Die b?rsenotierte Lenzing-Gruppe ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das aus dem Rohstoff Holz Fasern herstellt. Diese Fasern sind Ausgangsmaterial f?r eine Vielzahl von Textil- und Vliesstoff-Anwendungen, kommen aber auch in technischen Anwendungen sowie in Schutz- und Arbeitskleidung zum Einsatz. Das Unternehmen mit Hauptsitz im ober?sterreichischen Lenzing erwirtschaftet mit 8.000 Mitarbeitern rund 2,2 Mrd. Euro. https://www.lenzing.com/de

?ber Horv?th Horv?th ist eine international t?tige, unabh?ngige Managementberatung mit Hauptsitz in Stuttgart. Das Unternehmen besch?ftigt 1.000 hochqualifizierte Berater/innen an Standorten in Deutschland, ?sterreich, Rum?nien, Saudi-Arabien, der Schweiz, Ungarn und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Kunden werden von der betriebswirtschaftlichen Konzeption bis zur Verankerung in Prozessen und Systemen begleitet. http://www.horvath-partners.com

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Aussender: Horv?th & Partners Management Consultants Ansprechpartner: Dr. Wilfried Seywald Tel.: +43 699 18114006 E-Mail: seywald@tsp.at Website: www.horvath-partners.com/

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