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Curevac, NL0015436031

TÜBINGEN - Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat einen fulminanten Start auf dem Parkett der Technologiebörse Nasdaq hingelegt.

24.08.2020 - 09:01:28

CUREVAC IM FOKUS: Impfstoffhoffnung sorgt für Feuer unter dem Kessel. Der Entwickler ist einer der weltweiten Hoffnungsträger bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2.

und Johnson & Johnson , die im Rahmen großer Vorbestellungen von EU- und US-Behörden angekündigt hatten, zumindest während der Pandemie keinen Gewinn mit möglichen Impfstoffen anzustreben.

"Wir können das nicht zum Selbstkostenpreis machen", sagte Curevac-Manager Kemula kürzlich im Interview der "Financial Times". "Wir haben Investoren, die seit zehn Jahren Geld in das Unternehmen stecken, also sollte es eine kleine Rendite für sie geben."Curevac geht davon aus, dass vom eigenen Impfstoffkandidaten womöglich kleinere Dosen verabreicht werden können als bei Konkurrenten. "Das würde uns einen wettbewerbsgerechten Preis ermöglichen, mit dem wir noch eine gewisse ethische Marge erzielen könnten", sagte Kemula dem Blatt. Wie hoch die Marge sein würde, wollte der Manager der Zeitung nicht verraten.

Der Corona-Impfstoff von Curevac ist derzeit in einer Phase-1-Versuchsreihe, deren Ergebnisse im Schlussquartal dieses Jahres vorliegen sollen. Aktuell testet Curevac das Mittel hauptsächlich in Europa. In der nächsten Versuchsrunde mit 20 000 bis 30 000 Personen will die Firma auch nach Südamerika, Afrika und Asien gehen. Es ist geplant, diese größere Testreihe Mitte 2021 abzuschließen. Dann könnte es auch in einigen Ländern außerordentliche Genehmigungen geben, den Impfstoff zu verabreichen.

Zudem schloss das Unternehmen kürzlich Sondierungsgespräche mit der EU-Kommission über einen Vorab-Kaufvertrag ab. Nach den Plänen sollen alle EU-Mitgliedstaaten bis zu 225 Millionen Dosen erhalten. Zusätzlich ist eine Option auf den Zukauf von weiteren 180 Millionen Dosen vorgesehen. Diese werden laut Curevac bereitgestellt, sobald sich der Impfstoff als sicher und wirksam gegen das Coronavirus erwiesen hat. Ähnliche Vorgespräche über Hunderte Millionen Dosen hatte die EU-Kommission zuvor bereits mit Janssen Pharmaceutica NV sowie mit Sanofi -GSK abgeschlossen. Mit dem Pharmaunternehmen Astrazeneca liegt bereits ein Rahmenvertrag für den Kauf von 300 Millionen Dosen mit der Option auf weitere 100 Millionen vor.

Einer der Curevac-Investoren, die sich von den beabsichtigten Verkäufen eine Rendite versprechen dürften, ist SAP-Mitgründer Dietmar Hopp. Dieser hatte zum Börsengang nochmals 100 Millionen Dollar investiert. Er wird nach dem Börsengang mit einem Anteil von knapp unter 50 Prozent auch weiter die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Die staatliche Förderbank KfW kommt dann noch auf knapp 17 Prozent und der Pharmakonzern GlaxoSmithKline auf gut 8 Prozent. An der Börse werden nun knapp zehn Prozent der Anteile gehandelt.

Anfang März hatte US-Präsident Donald Trump den damaligen Curevac-Chef Dan Menichella und weitere Pharmavertreter ins Weiße Haus eingeladen, um sich über die Impfstoffsuche zu informieren. Kurz darauf gab es Wirbel um die baden-württembergische Firma: Medienberichte, wonach Trump versucht habe, den Impfstoff exklusiv für sein Land zu sichern und dafür einen hohen Betrag angeboten habe, sorgten für Empörung. Danach stieg der Bund ein. "Wir standen im Mittelpunkt eines politischen Sturms", sagte Finanzchef Kemula. Ein Angebot von Trump habe es aber nicht gegeben.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Curevac-Papiere legten auf dem New Yorker Parkett einen Schnellstart hin. Der erste Kurs lag am 14. August mit etwas mehr als 44 US-Dollar weit über dem Ausgabepreis des Papiers von 16 Dollar. Bis Handelsschluss ging es bis auf 55,90 Dollar hoch - ein Plus von rund 250 Prozent. Dies war die beste Ersttags-Performance einer US-Börsennotierung in diesem Jahr. In den Tagen danach ging es dann weiter steil nach oben: Spitzenwert 85 Dollar. Derzeit wird der Kurs wieder deutlich tiefer gehandelt bei 67,20 Dollar, trotzdem steht seit dem Börsenstart ein Plus von 320 Prozent auf dem Zettel.

Derzeit kommt Curevac demnach auf eine Marktkapitalisierung bei Bloomberg von 11,83 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das ebenfalls an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs beteiligte Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech kommt nach einer Verdopplung des Aktienkurses seit Jahresanfang auf derzeit 17,4 Milliarden Dollar. Biontech feierte sein Börsendebüt in New York bereits im Oktober 2019 mit einem Ausgabepreis von 15 Dollar, derzeit wird die Aktie mit 73 Dollar gehandelt.

WAS DIE ANALYSTEN SAGEN:

Aufgrund spezieller Regelungen wird es nach dem erst kürzlich erfolgten Börsengang noch einige Monate dauern, bis sich Marktexperten offiziell zu den Aussichten für die Anteilsscheine von Curevac äußern werden.

Der rasche Anstieg des Curevac-Kurses sollte aus Sicht von Beobachtern jedoch mit Vorsicht genossen werden: Es spiegele sich eine aufgestaute Nachfrage nach Biotechs in dem Kurssprung wider, so ein Branchenkenner. Von den fünf Biotechs, die sich am ersten Handelstag verdreifacht hätten, würden drei derzeit deutlich tiefer notieren, gab er zu bedenken.

Jared Holz vom Analysehaus Jefferies verglich die Kurssprünge verschiedener Biotech-Unternehmen mit dem Boom von Marihuana-Aktien vor zwei Jahren: Trotz der Tatsache, dass es klare Unterschiede gebe, glaube er, dass man nahe am Höhepunkt der Faszination sei. Aus Sicht von Holz dürften künftig Genehmigungen und Markteinführungen vor dem Hintergrund der bereits hohen Bewertungen nicht mehr als bahnbrechend wahrgenommen werden.

@ dpa.de

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