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Curevac, NL0015436031

TÜBINGEN - Das große Warten wird nochmals verlängert: Nach langen Vorarbeiten wollte Curevac mit dem US-Partner Pfizer sowie dem US-Konzern Moderna war das Unternehmen aus Tübingen ohnehin bereits spät dran.

15.06.2021 - 08:33:25

CUREVAC IM FOKUS: In der Warteschlange für die Impfung. Um in den Impfkampagnen noch eine bedeutende Rolle spielen zu können, tickt die Zeit.

arbeitet das Unternehmen bereits an einer zweiten Impfstoff-Generation und an einer Booster-Impfung zur Auffrischung.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die jüngsten Berichte über die Verzögerungen am Impfstoff haben im Chartbild von Curevac deutliche Spuren hinterlassen. Noch im Dezember 2020 hatten die Papiere ein Rekordhoch bei mehr als 150 Dollar erreicht, als Biontech gerade mit ersten Zulassungen seines Impfstoffs für Euphorie sorgte. Doch diese Marke wurde wieder aus den Augen verloren. Mittlerweile liegt der Kurs bei rund 100 Dollar und damit auf einem Tief seit Mitte Mai. Damals waren Spekulationen über eine Freigabe von Patenten gerade abgeflacht. Diese hatten die Aktien ein paar Tage zuvor sogar kurz unter 90 Dollar gedrückt.

Ein Drittel hat der Kurs also mittlerweile seit dem Rekord eingebüßt. Der bisherigen Bestmarke von 151,80 Dollar waren die Aktien Anfang Februar und Ende April mit Zwischenspitzen von 133 respektive 130 Dollar mehrfach nur noch näher gekommen. Das letzte Mal gelang dies vor wenigen Tagen mit einem Zwischenhoch bei 125,66 Dollar, von dem ausgehend sie nun in wenigen Tagen allerdings mehr als ein Fünftel an Wert verloren haben.

Damit ist die Curevac-Aktie in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Wettbewerber Biontech ins Hintertreffen geraten. Als dessen Kurs Ende 2020 beflügelt wurde von der ersten Zulassung, färbte dies zunächst einige Monate lang ab. Anleger versahen Curevac aus Fantasie für eine spätere Zulassung mit Vorschusslorbeeren. Seit Ende März ist die Sippenhaft aber vorbei: Biontech wurde in Europa zum verlässlichsten Impfstoffversorger, die Aktie hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Curevac dagegen hat seither nur noch wenig Boden gut gemacht.

Wer beim Börsengang zum Zuge kam, muss sich über Kursverluste aber keine Sorgen machen. Im August 2020 waren die Hinterlegungsscheine (ADR) von Curevac zu 16 Dollar ausgegeben worden und dann schon an den ersten Handelstagen an das Nasdaq-Börse bis auf 85 Dollar hoch geschossen. Sie pendelten sich dann bei etwa 50 Dollar ein, bis sie ab November anzogen, als Biontech mit positiven Wirksamkeitsdaten in der Pandemie für erste Aufbruchstimmung gesorgt hatte.

Die Aktie des Mainzer Wettbewerbers war 2019 zu 15 Dollar ausgegeben worden, sie steht nun mit knapp 240 Dollar beim fast 16-fachen. Curevac hat seinen Wert seit dem Börsengang dagegen aktuell nur versechsfacht. Am Kapitalmarkt wird Curavec derzeit mit fast 19 Milliarden Dollar bewertet. Größter Nutznießer des Kursanstiegs ist Hopp. Der SAP-Gründer hält nach Bloomberg-Angaben knapp 47 Prozent der Aktien.

Der Bund folgt mit 16 Prozent - das Paket ist derzeit umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro wert. Das Engagement hat sich für den Staat also zumindest finanziell gelohnt. Drittgrößter Anteilseigner ist der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline, der acht Prozent der Papiere hält.

Der Konkurrent Biontech ist allerdings auch in der Marktkapitalisierungs-Wertung enteilt. Die Mainzer sind der Börse fast 58 Milliarden Dollar wert. Größte Biontech-Anteilseigner sind Andreas und Thomas Strüngmann. Die beiden Brüder, die 2005 den Generikahersteller Hexal an den Schweizer Konzern Novartis verkauft hatten, halten Bloomberg-Daten zufolge über die Beteiligungsgesellschaft AT Impf GmbH knapp die Hälfte der Biontech-Anteile. Biontech-Chef Ugur Sahin, der das Unternehmen 2008 auch gegründet hat, gehören rund 17 Prozent der Anteile.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Nach wie vor gibt es nur wenige Analysten, die ein Auge auf Curevac werfen. Umer Raffat vom US-Analysehaus Evercore ISI blickt schon länger optimistisch auf die von ihm mit "Outperform" eingestufte Aktie. Er betonte nach den Berichten über eine Verzögerung bis in den August darauf, dass das Unternehmen noch immer für den Monat Juni mit neuen Zwischenergebnissen rechne, bei denen der Rahmen allerdings erst 111 verzeichnete Infektionsfälle vorsehe. Final müssten es 185 werden und dafür zeichnete der Experte einen neunmonatigen Zeitrahmen für die Gesamtstudie bis September.

Konsequent am Ball ist vor allem die Berenberg Bank mit einer zuletzt beibehaltenen Kaufempfehlung und einem Kursziel von 123 US-Dollar. In seiner jüngsten Studie urteilte Zhiqiang Shu kürzlich, das vergangene Jahr sei für Curevac angesichts der hohen Entwicklungskosten ein Übergangsjahr gewesen. Er rechnet mit positiven Nachrichten, zumal die anfängliche Skepsis der Bevölkerung für mRNA dem Gegenteil gewichen sei. Die EU-Kommission will deshalb bei den nächsten Impfstoff-Bestellungen auch vor allem auf Produkte mit dieser Technologie setzen.

@ dpa.de