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MUNICH RE, DE0008430026

MÜNCHEN - Der Corona-Pandemie ist den Rückversicherer Munich Re voraussichtlich einen Milliardengewinn einfahren, und Vorstandschef Joachim Wenning will die Rendite in den kommenden Jahren deutlich nach oben treiben.

23.02.2021 - 08:33:26

MUNICH RE IM FOKUS: Die Dividende ist sicher. Was bei Munich Re los ist, was Analysten sagen und wie sich die Aktie entwickelt.

wegen der Corona-Schäden 2020 tief in die roten Zahlen.

Den Gewinn von 2,8 Milliarden Euro, den die Münchner eigentlich für das vergangene Jahr geplant hatten, will Wenning jetzt 2021 erreichen. Er hat dabei auch weitere Belastungen infolge der Corona-Pandemie eingeplant, jedoch in deutlich geringerem Umfang als im Vorjahr.

Für die Zeit bis 2025 hat sich die Munich-Re-Spitze weitere Steigerungen vorgenommen. So soll der Gewinn je Aktie bis dahin im jährlichen Schnitt um mindestens fünf Prozent steigen. Als Basis gilt der um die Corona-Folgen bereinigte Gewinn von 2,8 Milliarden Euro für 2020. In diesem Zusammenhang soll die Eigenkapitalrendite auf 12 bis 14 Prozent klettern. Im Jahr 2019 hatte sie konzernweit lediglich bei 9,2 Prozent gelegen. Das langjährige Sorgenkind Ergo soll nach seinem vollzogenen Umbau unter Vorstandschef Markus Rieß künftig eine gleich hohe Rendite abwerfen wie die Rückversicherungssparte.

Dabei sollen sich die Aktionäre von Munich Re wie bisher auf regelmäßige hohe Dividenden verlassen können. So soll diese wie der Gewinn je Aktie im jährlichen Schnitt um mindestens fünf Prozent steigen und auch in Jahren mit besonders hohen Schäden nicht sinken.

Unterdessen will der Rückversicherer künftig nicht mehr riskieren, bei einer Pandemie für die Absage von Großveranstaltungen zahlen zu müssen. Der Konzern biete den Vertragszusatz zum Pandemieschutz nicht mehr an, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek im Dezember. Bei der Versicherung gegen Betriebsunterbrechungen und -schließungen hatte sich der Konzern bereits sicher gezeigt, seine Kunden nicht entschädigen zu müssen. In der Lebens- und Kranken-Rückversicherung will Munich Re für die Folgen von Pandemien laut Jeworrek aber auch in neuen Verträgen geradestehen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Corona-Pandemie hat den Höhenflug der Munich-Re-Aktie vor einem Jahr jäh gestoppt. Seit ihr Kurs im Fukushima-Jahr 2011 unter die Marke von 78 Euro gerutscht war, hatte er über die Jahre hinweg größtenteils zugelegt. Kurz vor dem Ausbruch der Virus-Krise im Februar 2020 war er noch einmal deutlich auf 284,20 Euro gestiegen. Doch dann ging es binnen weniger Wochen bis Mitte März bis auf rund 140 Euro nach unten.

Anschließend folgte zwar eine starke Erholung - wie an den Aktienmärkten insgesamt. Doch nach einem Anstieg bis auf 255,80 Euro im September ging es für die Munich-Re-Aktie noch einmal deutlich abwärts. Ganz so hoch ist der Kurs seitdem nicht mehr gestiegen. Zuletzt wurde das Papier um die 236 Euro gehandelt. Wer die Aktie seit drei oder fünf Jahren im Depot hat, kann sich aber immer noch über einen Kursgewinn von etwa 30 Prozent freuen - und hat zudem jedes Jahr eine dicke Dividende eingestrichen.

Insgesamt wird Munich Re an der Börse derzeit mit rund 33 Milliarden Euro bewertet. Damit ist der Rückversicherer ein ganzes Stück mehr wert als seine schweizerische Rivalin Swiss Re mit umgerechnet 25 Milliarden Euro und die deutlich kleinere Hannover Rück mit rund 17 Milliarden Euro. Von dem Münchner Allianz-Konzern sind die Rückversicherer an der Börse jedoch allesamt weit entfernt. So kann der Erstversicherer aus der Münchner Königinstraße eine Marktkapitalisierung von etwa 80 Milliarden Euro vorweisen.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Wenn Munich Re an diesem Donnerstag (25. Februar) die Geschäftszahlen vorlegt, ist mit großen Überraschungen kaum zu rechnen. Schließlich hat der Konzern sein Gewinnziel erst kurz vor Jahresschluss bekannt gegeben, als er die Belastungen durch die Corona-Pandemie gut einschätzen konnte. Auch die Prognose für 2021 und die neuen Ziele für die kommenden Jahre sind seit Dezember bekannt.

Dennoch sind die vom Unternehmen befragten Branchenexperten für beide Jahre etwas optimistischer als der Vorstand. Für 2020 gehen sie im Schnitt von einem Nettogewinn von 1,26 Milliarden Euro aus. Für 2021 erwarten sie einen Überschuss von 2,85 Milliarden Euro.

Zudem verlassen sie sich auf die gewohnte Dividendenpolitik des Konzerns und rechnen für 2020 trotz der Einschläge durch die Corona-Pandemie mit einer Dividende etwa auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Im Schnitt gehen sie sogar von 9,86 Euro je Aktie aus - das wären 6 Cent mehr, als Munich Re für 2019 ausgeschüttet hatte.

Von dpa-AFX befragte Analysten sind gegenüber der Munich-Re-Aktie überwiegend positiv eingestellt. Von 18 Branchenexperten, die ihre Einschätzung seit Bekanntgabe der neuen Gewinnziele für 2020 und 2021 Anfang Dezember erneuert haben, empfehlen elf das Papier zum Kauf. Sechs Analysten raten zum Halten, nur einer zum Verkauf. Im Schnitt haben sie ein Kursziel von rund 270 Euro auf dem Zettel. Allerdings liegen ihre Einschätzungen teils fast 80 Euro auseinander.

Am optimistischsten ist Analyst Michael Huttner von der Privatbank Berenberg. Er traut der Aktie einen Kursanstieg auf 306 Euro zu. Die Belastungen der Branche durch Covid-19 dürften merklich nachlassen, schrieb der Experte Anfang Februar. Zudem könnten die Rückversicherer bei ihren Kunden deutlich höhere Prämien durchsetzen.

Sein Kollege Iain Pierce von der schweizerischen Großbank Credit Suisse zeigte sich hingegen Anfang Dezember von den Zielen des Vorstands für 2020 und 2021 wenig beeindruckt. Zwar hob er seine Bewertung für die Aktie auf 228 Euro an, sah für das Papier aber kaum Luft nach oben, selbst wenn der Konzern das obere Ende seiner Ziele erreiche.

Im Mittelfeld der Experten befindet sich Kamran Hossain vom Analysehaus RBC mit einem Kursziel von 265 Euro. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf. Das vierte Quartal dürfte signalisieren, dass die Branche in Sachen Covid-19 das Schlimmste hinter sich habe, schrieb er Ende Januar. Zudem biete die Versicherungsbranche die attraktivste Dividendenrendite im europäischen Sektorvergleich.

@ dpa.de

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