Alphabet C-Aktie, US02079K1079

MOUNTAIN VIEW - Mit beachtlichen Zahlen für das abgelaufene Quartal hat sich der für seine Suchmaschinentochter Google bekannte Internetkonzern Alphabet gemeldet.

06.12.2021 - 12:03:26

ALPHABET IM FOKUS: Alles in die Cloud - Google-Geschäft läuft rund. Allerdings bleibt die Cloud-Sparte ein Sorgenkind. Hier plant Konzernchef Sundar Pichai eine Rieseninvestition.

und die Deutsche Bank als Cloud-Kunden gewonnen werden.

Im Großraum Berlin wird sogar eine ganz neue Cloud-Region eingerichtet. Denn auch dort gebe es eine "sehr hohe Nachfrage von Unternehmenskunden", sagte Googles Zentraleuropa-Chef Philipp Justus Ende August. Mit den verschiedenen Cloud-Regionen reduzieren sich beispielsweise Datenlaufzeiten (Latenz) im Vergleich zu einer transatlantischen Datenverbindung erheblich. Für die Kunden gibt es aber auch rechtliche und regulatorische Gründe, besser auf Cloud-Rechnern mit Standort Deutschland zu arbeiten, statt Anlagen in den USA zu verwenden.

Der Hintergedanke: Der lukrative deutsche Markt soll nicht den Marktführern Amazon (AWS) und Microsoft überlassen werden. Alle drei US-Unternehmen konkurrieren um Ausschreibungen von öffentlichen Einrichtungen in Europa. Zuletzt kündigte Google an, mit T-Systems von der Deutschen Telekom eine "souveräne Cloud" in Deutschland aufbauen zu wollen. Bei dem neuen Angebot, das ab Mitte 2022 zur Verfügung stehen soll, betreibt T-Systems eine spezielle Version der Google Cloud, in der die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt werden sollen.

Jedoch läuft das Cloud-Geschäft von Google nach wie vor nicht rund. Zwar konnte Alphabet im dritten Quartal den Spartenumsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um gut 44 Prozent auf knapp 5 Milliarden US-Dollar steigern. Allerdings schreibt der Konzern in dem Segment mit 644 Millionen Euro weiter einen operativen Verlust.

Das Zugpferd bleibt Googles Werbegeschäft, das mit rund 53 Milliarden Dollar wie gewohnt den Löwenanteil des Gesamtumsatzes von 65 Milliarden Dollar beisteuerte. Den operativen Gewinn des dritten Quartals trieb der Konzern um fast 90 Prozent auf 21 Milliarden Dollar hoch.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Auch wenn die an der Börse handelbaren A- und C-Aktien von Alphabet nach dem Rekordhoch Mitte November etwas gefallen sind. Die Anteilsscheine des Internetkonzerns kennen tendenziell nur den Weg nach oben. Seit Jahresbeginn haben die Kurse der Aktien - sowohl die sogenannten A- als auch die C-Anteile - um mehr als 60 Prozent zugelegt. Damit zählen beide Titel zu den größten Gewinnern im Nasdaq 100 , dem weltweit wichtigsten Index für Technologieaktien.

Anleger, die Alphabet-A-Papiere seit zwei Jahren halten, können sich über ein Plus von rund 120 Prozent freuen. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist der Kurs sogar um mehr als 270 Prozent gestiegen. Dabei ging es für Alphabet nach einem nur kurz andauernden Corona-Knick im Frühjahr 2020 in den Folgemonaten steil bergauf. Allerdings befinden sich auch die Anteile zahlreicher anderer US-Techwerte seit Monaten im Höhenflug. Nahezu identisch entwickelten sich in der Zeit die Alphabet-C-Papiere.

A- und C-Aktien unterscheiden sich darin, dass C-Scheine kein Stimmrecht haben. Da die Google-Gründer über die von ihnen gehaltenen B-Aktien, die nicht börsennotiert sind und mit zehnfachem Stimmrecht ausgestattet sind, den Konzern ohnehin kontrollieren, spielt der Unterschied zwischen den beiden anderen Gattungen aber kaum eine Rolle.

Der Kursanstieg auf das Rekordhoch von Kursen über der 3000-Dollar-Marke brachte Alphabet bei der Börsenbewertung schon mal an die Schwelle der Zwei-Billionen-Dollar-Bewertung. Aktuell ist die Google-Mutter knapp 1,9 Billionen Dollar wert und liegt damit vor Amazon (1,7 Billionen), aber deutlich hinter Apple (2,6 Billionen Dollar) und Microsoft (2,4 Billionen) .

Das Mitte der neunziger Jahre gegründete Unternehmen wurde 2004 - damals noch unter dem Namen Google - an die Börse gebracht. Seit dem zog der Kurs um mehr als 6000 Prozent an. Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page zählen wegen des rasanten Kursanstiegs inzwischen den reichsten Menschen der Welt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg taxiert das Vermögen der beiden auf jeweils etwas mehr als 120 Milliarden Dollar.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Trotz der imposanten Rally in diesem Jahr sind die Analysten weiter überwiegen optimistisch. 49 der 51 von Bloomberg erfassten Experten empfehlen das Papier zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel für die A-Aktien liegt bei rund 3350 Dollar und damit fast 18 Prozent über dem Freitagsschlusskurs von 2840 Dollar. Für die C-Anteile haben elf Aktienanalysten ein Votum abgegeben - alle sind dabei optimistisch gestimmt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwas mehr als 3300 Dollar.

Die Kursziele für die A-Aktie liegen dabei alle über der Marke von 3000 Dollar und reichen bis 3600 Dollar. Zu den größten Optimisten zählt Jefferies-Analyst Brent Thill, der sein Kursziel nach den Zahlen auf 3500 Dollar erhöhte. Fast alle Bereiche hätten im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen, schrieb er in einer Studie nach den Zahlen mit dem Titel "Ein weiteres starkes Werbequartal mit kaum einem Kratzer".

Stephen Ju von der Schweizer Bank Credit Suisse hob insbesondere eine Neuerung bei der Suchmaschinen-Tochter Google hervor: Diese wolle das dynamische Nachladen von längeren Inhalten einführen, ohne dass ein Nutzer auf der Maus klicken soll (Infinite Scroll). Der Analyst bezeichnete dies als eine der sinnvollsten Produktneuerungen seit einiger Zeit.

Insgesamt zeichnen die Experten ein durchaus positives Bild der Google-Muttergesellschaft: Diese sei in einer fast unübertroffenen Position, wenn es um Investitionen in einige der weltweit größten und wichtigsten sogenannten vertikalen Märkte gehe, schrieb zuletzt RBC-Analyst Brad Erickson. Damit sind etwa Märkte wie Breitbandnetze, Verkehr, Stadtplanung oder die öffentliche Gesundheit und die Gesundheitsversorgung gemeint.

Eric Sheridan von der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass die langjährigen Anstrengungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen weiterhin Skaleneffekte erzielen sollten. Daraus könnten sich Produkte und Dienstleistungen für die fortschreitende Digitalisierung in der Wirtschaft entwickeln, schrieb Sheridan kürzlich.

@ dpa.de

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