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Compugroup Medical, DE000A288904

KOBLENZ - Der Softwareanbieter Compugroup will in diesem Jahr mit viel Wachstum die Grundlage für den Erfolg der kommenden Jahre legen.

28.06.2021 - 13:03:26

COMPUGROUP IM FOKUS: Investitionsoffensive drückt auf Gewinn und Aktienkurs. Doch die Investitionen dafür gehen ins Geld, die Anleger scheinen zu zweifeln. Der sei Jahresanfang amtierende neue Chef Dirk Wössner muss nun den richtigen Kurs finden. Was das Unternehmen umtreibt, was die Analysten sagen und wie die Aktie zuletzt gelaufen ist.

notierte Papier geriet zuletzt immer wieder deutlich unter Druck, mehrfach mussten die Anleger eine regelrechte Achterbahnfahrt mitmachen. Die überraschende Investitionsoffensive sorgte Anfang Dezember für den Sturz der Aktie um bis zu knapp 12 Prozent an einem Tag. Vorher war sie noch fast 85 Euro wert gewesen. Anfang Februar ging es nach durchwachsenen Eckdaten einmal um bis zu fast 9 Prozent nach unten.

Danach folgte ein längerer Abwärtstrend bis auf rund 65 Euro. Da landete der Kurs auch wieder nach einer zwischenzeitlichen Erholung, als es nach den detaillierten Zahlen zum ersten Quartal an einem Tag bis zu fast 19 Prozent abwärts ging. Unter dem Strich verlor das Papier im laufenden Jahr bisher knapp 16 Prozent und gehört damit zu den schwächsten deutschen Standardwerten.

Aktuell liegt die Aktie mit rund 66 Euro zwar noch komfortabel über dem Corona-Tief von unter 50 Euro. Aber bis zum Rekordhoch von gut 85 Euro fehlt doch einiges. Für länger engagierte Anleger könnte der Einstieg aber immer noch eine lohnende Angelegenheit gewesen sein, erst 2016 war der Kurs erstmals über 40 Euro gestiegen. Bis Ende 2014 hatte er sich kaum über die 20 Euro hinaus getraut.

Das Unternehmen ist derzeit an der Börse insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro wert. Knapp die Hälfte der Anteile halten Gründer Frank Gotthardt, der heute Vorsitzender des Verwaltungsrats ist, und seine Familie sowie der Mediziner Reinhard Koop. Der Streubesitz liegt leicht unter 50 Prozent.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX seit der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal im Mai erfassten Analysten sind überwiegend positiv gestimmt. Während drei von fünf Analysten zum Kauf der Papiere raten, empfiehlt ein Experte die Aktie zu halten und ein anderer den Anteilsschein zu verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 80 Euro deutlich über dem aktuellen Niveau.

Unternehmensgründer Gotthardt hat nach Ansicht von Analyst Uwe Schupp der Deutschen Bank große Fußstapfen hinterlassen. Doch der neue Chef Wössner habe das Zeug dazu, den Unternehmergeist des auf das Gesundheitswesen spezialisierten Softwareanbieters zu erhalten, der weiter auf dem Weg sei, eines der größten deutschen Softwareunternehmen zu werden.

Die Aktien des auf Arztpraxen spezialisierten Softwareherstellers seien seit Jahresbeginn - absolut gesehen und auch im Vergleich mit Mitbewerbern - deutlich gefallen, schrieb Analystin Charlotte Friedrichs von der Privatbank Berenberg in einer jüngsten Studie. Die Sorgen über die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr und über das weitere Ausrollen der Telematikinfrastruktur seien aber übertrieben.

Sie hob die starke Marktstellung von Compugroup hervor, die große Kundenbasis und die signifikanten Wachstumschancen durch die fortschreitende Digitalisierung in der Branche.

Auch Analyst Florian Treisch von der Commerzbank hält den Kursrutsch in Reaktion auf die Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal als überzogen. Der Software-Anbieter sei zwar schwächer als erwartet in das Jahr gestartet, das Quartal könne aber nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden. Vielmehr dürften sich die forcierten Investitionen ab dem zweiten Halbjahr positiv bemerkbar machen. Das Unternehmen sollte vom Wandel hin zu mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie von der starken Pipeline möglicher Geschäfte mit Krankenhäusern profitieren.

Weniger euphorisch zeigte sich Analyst Knut Woller von der Baader Bank. Der Jahresauftakt sei wie erwartet schwach ausgefallen, wobei vor allem der operative Gewinn negativ überrascht habe. Auch das zweite Quartal dürfte noch schwach ausfallen. Der Kauf von Visus sei zwar eine überschaubare Akquisition, aber strategisch sinnvoll. Er rät, sich von den Aktien des Unternehmens zu trennen.

@ dpa.de