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CARL ZEISS MEDITEC AG, DE0005313704

JENA - Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec hat allen Grund zur Freude: Im operativen GeschÀft kann das Jenaer Unternehmen wieder Erfolge vermelden und auch an der Börse geht es mehr als rund.

02.07.2021 - 12:32:30

CARL ZEISS MEDITEC IM FOKUS: Börsen-Höhenflieger lÀsst Corona-Knick hinter sich. Zuletzt erreichte die Aktie fast tÀglich Rekordwerte. Vor einem Jahr war das kaum vorstellbar. Was bei Carl Zeiss Meditec los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI CARL ZEISS MEDITEC:

Mit dem ersten GeschĂ€ftshalbjahr 2020/21 war Konzernchef Ludwin Monz sehr zufrieden. Nachdem das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vorjahr gefallen war, stieg der Wert nun besonders stark: Mit 163 Millionen Euro lag das Ergebnis 59 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Erlös stieg erneut um rund sieben Prozent - dieses Mal auf 767 Millionen Euro. Vor allem niedrige Vertriebs- und Marketingkosten hĂ€tten eine Rolle gespielt, hieß es. Dabei lief es vor allem im zweiten GeschĂ€ftsquartal richtig rund.

SelbstverstĂ€ndlich war das nicht: In der Corona-Krise kassierte der Vorstand erst seinen Ausblick, weil eine verlĂ€ssliche Vorhersage nicht mehr möglich sei. Dann drĂŒckte die Pandemie auf den Umsatz, RĂŒckgĂ€nge im zweistelligen Bereich standen an. "Wir hoffen zwar, die Talsohle inzwischen durchschritten zu haben, doch wird auch das laufende vierte GeschĂ€ftsquartal deutlich unter dem Vorjahr liegen", hatte Monz im August 2020 gesagt.

Unter anderem litt das GeschĂ€ft mit der Augenheilkunde, da Ärzte in vielen LĂ€ndern planbare Operationen verschoben hatten. Auch scheuten viele Menschen den Gang zum Arzt. Und auch im GeschĂ€ftsbereich Mikrochirurgie gab es zeitweise einen leichten RĂŒckgang. Erst im Schlussquartal des GeschĂ€ftsjahrs 2019/20 (30. September) konnte Carl Zeiss Meditec eine Gewinnerholung vermelden. Doch das Unternehmen blieb vorsichtig: Auch die ersten Monate des neuen GeschĂ€ftsjahres dĂŒrften bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebit) hinter den Vorjahreswerten zurĂŒckbleiben.

Erst im April traute sich der Vorstand wieder zu einer detaillierten Prognose fĂŒr das laufende Jahr: So soll der Umsatz im GeschĂ€ftsjahr 2020/21 von rund 1,3 Milliarden auf etwa 1,6 Milliarden Euro steigen. Die Marge gemessen am operativen Ergebnis erwartet Carl Zeiss Meditec bei etwa 20 Prozent nach 13,3 Prozent im Vorjahr. Zahlen zum GeschĂ€ftsverlauf der ersten neun Monaten legt das Unternehmen am 6. August vor.

Nach EinschĂ€tzung des NordLB-Experten Volker Stoll dĂŒrfte der Konzern deutlich zulegen. "Die sich zunehmend normalisierende Nachfrage aus Europa und Nordamerika wird sich in den Umsatz- und Ertragszahlen der nĂ€chsten Quartale reflektieren", schrieb er jĂŒngst in einer Studie. Das GeschĂ€ftsjahr 2020/21 dĂŒrfte im zweiten Halbjahr von einem starken Umsatz- und Gewinnwachstum geprĂ€gt sein. Stoll hĂ€lt die vom Unternehmen gesetzten Ziele fĂŒr erreichbar.

Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Carl Zeiss Meditec mit der AufrĂŒstung zur Diagnose und Behandlung von Augenerkrankungen. Den kleineren Teil steuern OP-Mikroskope bei. Das Unternehmen beschĂ€ftigt weltweit rund 3290 Mitarbeiter und liegt mit etwa 59 Prozent in den HĂ€nden des baden-wĂŒrttembergischen Optik- und Elektronik-Konzerns Carl Zeiss AG. Dessen Vorstandschef Karl Lamprecht rĂŒckte Ende Mai als Aufsichtsratsvorsitzender bei Carl Zeiss Meditec nach.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die seit Ende April im dpa-AFX-Analyzer erfassten Experten schauen vorsichtig optimistisch auf die weitere Entwicklung der Aktie. So halten sich die Kauf- und Halteempfehlungen mit jeweils zwei die Waage. Zuletzt hoben sowohl die DZ Bank als auch die Privatbank Berenberg ihre SchĂ€tzungen an, obwohl sie die Einstufung auf "Halten" beließen. Der durchschnittliche Wert liegt mit 157 Euro etwas unter dem aktuellen Niveau.

Die kurzfristigen Schocks der Pandemie beiseite gelassen, sei bei dem Hersteller von Medizintechnik alles im Lot, schrieb Berenberg-Analyst Scott Bardo zuletzt. Das Unternehmen sei in guter Stellung fĂŒr ein Rekordjahr, was das Wachstum aus eigener Kraft und die Marge betreffe. Ein Wermutstropfen sei aber die hohe Bewertung der Aktien.

Sein Kollege Sven KĂŒrten von der DZ Bank ist der Meinung, Carl Zeiss Meditec habe im ersten GeschĂ€ftshalbjahr sehr stark abgeschnitten. Hoffnung schöpft er aus dem prĂ€zisierten Jahresausblick, der konservativ aussehe. KĂŒrten hob seine SchĂ€tzungen fĂŒr 2020/21 sowie die FolgegeschĂ€ftsjahre an.

Optimistischer zeigte sich Deutsche-Bank-Analyst Falko Friedrichs: Der Medizintechniker sei gut ins Jahr gestartet und die Dynamik sei weiter vielversprechend. Zudem seien die Resultate fĂŒr das zweite GeschĂ€ftsquartal ausgezeichnet gewesen und die Wachstumsraten fĂŒr das dritte sollten sogar noch stĂ€rker sein. Er behielt die Kaufempfehlung bei einem Kursziel von 170 Euro bei.

Auch NordLB-Analyst Holger Fechner verwies darauf, dass sich die erfreuliche Entwicklung im zweiten GeschÀftsquartal fortgesetzt habe. Er geht davon aus, dass sich der positive Trend der Vorjahre angesichts der unverÀndert guten mittel- bis langfristigen GeschÀftsaussichten noch verstÀrken wird. Er hob sein Ziel von 143 auf 172 Euro an.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Aktie von Carl Zeiss Meditec gehört in diesem Jahr zu den grĂ¶ĂŸten Gewinnern unter den deutschen Standardwerten. Seit Ende 2019 legte der Kurs um knapp die HĂ€lfte auf rund 163 Euro zu und liegt derzeit nur knapp unter dem Ende Juni erreichten Rekordhoch von 168 Euro. Damit ist Carl Zeiss den meisten anderen Unternehmen im MDax , in dem der Konzern seit Ende 2018 notiert ist, voraus.

Mit dem Plus in diesem Jahr kehrte das Papier wieder auf den langjĂ€hrigen Erfolgspfad zurĂŒck, der 2020 durch die Folgen des Corona-Crashs unterbrochen war und den Kurs kurzzeitig unter die Marke von 70 Euro gedrĂŒckt hatte. Unter dem Strich war 2020 fĂŒr die Aktie das erste mit einem Verlust seit 2014.

Über die vergangenen fĂŒnf Jahre summiert sich das Kursplus auf fast 350 Prozent; seit Sommer 2011 ging es um fast 1000 Prozent nach oben - damit gehört das Papier in beiden ZeitrĂ€umen zu den stĂ€rksten Gewinnern unter den deutschen Standardtiteln.

Inzwischen kommt das seit 2000 an der Börse notierte Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von fast 15 Milliarden Euro. GrĂ¶ĂŸter Nutznießer des starken Kursanstiegs ist die Mutter, die Carl Zeiss AG. Deren 59-prozentige Aktienpaket kommt derzeit auf einen Wert von rund 8,6 Milliarden Euro.

@ dpa.de