HEIDELBERGER DRUCKMASCHINEN AG, DE0007314007

HEIDELBERG - Die Heidelberger Druckmaschinen AG zurück.

03.01.2022 - 12:33:25

HEIDELBERGER DRUCKMASCHINEN IM FOKUS: Traditionskonzern im Umbruch. Was bei Heidelberger Druckmaschinen los ist, was Analysten sagen und wie sich die Aktie entwickelt.

kommen nun auch Produkte für den öffentlichen Raum hinzu. Das Unternehmen will mit öffentlichen Ladepunkten neue Kunden gewinnen, zum Beispiel Stadtwerke, Kommunen oder Unternehmen. Die neuen Säulen sollen ab Mitte kommenden Jahres verkauft werden.

Derweil erholt sich der Maschinenbauer weiter vom Einbruch zu Beginn der Corona-Krise. Im ersten Geschäftshalbjahr zwischen April und Ende September legten die Erlöse im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 983 Millionen Euro zu, der Auftragseingang lag mit 1,2 Milliarden Euro um rund 44 Prozent über dem coronabedingt niedrigen Vorjahreswert. In fast allen Regionen habe sich die Markterholung fortgesetzt, hieß es. Obendrein brachte allein der Verkauf der Softwaretochter Docufy rund 20 Millionen Euro ein. Dieser Sondereffekt sorgte dafür, dass unter dem Strich ein Gewinn im ersten Halbjahr von 13 Millionen Euro hängen blieb.

Wie es im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 lief, wird der Konzern am 9. Februar bekannt geben.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal hätten seine Erwartungen übertroffen, schrieb Analyst Stefan Augustin von der Investmentbank Warburg Research jüngst in einer Studie. Dabei sei das E-Mobilitäts-Geschäft mit einem Umsatzanstieg von 190 Prozent im Vergleich zum Vorjahr weiterhin stark gewachsen. Der Rückgang der operativen Marge (Ebitda) gegenüber dem Jahresauftakt sei auf andere Geschäfte in diesem Segment und eine Investition zurückzuführen - die Profitabilität in der E-Mobilität selbst sei stabil.

Die auslaufende Förderung von Wallboxen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat dem Experten zufolge keinen Einfluss auf das Jahresziel, das eine Verdopplung des Umsatzes vorsieht. Das Management habe seine Ziele für das Geschäftsjahr 2021/22 und die Ambition bestätigt, bis zum Geschäftsjahr 22/23 eine bereinigte operative Marge von 10 Prozent zu erreichen. Dies werde auch von dem neuen Unternehmenschef unterstützt.

Die Jahresziele sollten nach Einschätzung von LBBW-Experte Stefan Maichl gut erreichbar sein. Beim Umsatzziel bleibe das Management mit mehr als zwei Milliarden Euro aber unkonkret. Die Bank erwartet im laufenden Jahr Erlöse in Höhe von 2,16 Milliarden Euro. Dies impliziere eine Verlangsamung des Wachstums im zweiten Halbjahr, hieß es. Bremsen könnten Logistikengpässe. Die operative Marge (Ebitda-Marge) soll 7,0 bis 7,5 Prozent erreichen.

Vor dem Hintergrund der steigenden Kosten sei das bestätigte Margenziel von 10 Prozent für das Folgejahr ohne umfangreiche Sondererträge hingegen zu ambitioniert, meint der LBBW-Analyst. Im Zuge des anstehenden Wechsels des Vorstandvorsitzenden könnte es zu einer zeitlichen Verschiebung kommen.

Zuversichtlicher zeigte sich Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank. Das Margenziel für das Geschäftsjahr 2022/23 sei sicherlich ehrgeizig, das Unternehmen könne aber mindestens 9 bis 10 Prozent erreichen. So ermögliche es die angekündigte strategische Partnerschaft mit der Münchener Rück, das Abonnementgeschäft auszubauen. Hinzu komme die Attraktivität und das Wachstumspotenzial des Geschäfts mit Wallboxen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Im vergangenen Jahr hat sich die Aktie deutlich erholt von der monatelangen Bodenbildung nach dem Corona-Crash im Frühjahr 2020, der den Kurs bis auf unter 50 Cent hatte abstürzen lassen. Erst im Januar 2021 war der Aktie wieder der Sprung über die Marke von einem Euro gelungen. Im Herbst 2017 war das Papier aber im Hoch noch mehr als 3,60 Euro wert. Von den Höchstkursen zur Jahrtausendwende ist nur noch ein Bruchteil übrig.

Der Aktienkurs von Heidelberger Druck erreichte Mitte November ein Mehrjahreshoch bei gut 2,88 Euro, derzeit pendelt er um die 2,80 Euro. Damit ist das Unternehmen am Markt rund 850 Millionen Euro wert und damit einer der kleineren SDax-Werte.

Seit 1997 ist das Unternehmen an der Frankfurter Börse notiert. Der Börsengang wurde durch den damaligen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn organisiert, der später Vorstandschef unter anderem der Deutschen Bahn wurde. Von 1998 bis zum Abstieg in den SDax 2012 war das Heideldruck-Papier im MDax notiert.

Die Aktie ist nun seit kurz vor Weihnachten wieder im SDax-Index, wo das Unternehmen den Rüstungstechnologiekonzern Hensoldt ersetzt hat. Im März 2020 war das Unternehmen aus dem Kleinwerte-Index ausgeschieden. Wichtig ist die Indexzugehörigkeit vor allem für Fonds, die Indizes real nachbilden (etwa physisch replizierende ETF). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

@ dpa.de